Streit der schwartzen augen/ rothen lippen/ und weissen brüste
By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Wir schwartzen wolcken wir mit sonnen angefüllet
Wir schönes finsterniß da Venus wache hält;
Wir duncklen brunnen wir da blitz und feuer qvillet
Wir sind besiegerin der freyheit dieser welt.
Das eiß zerschmeltzt für uns das eisen muß uns weichen
Die felsen geben nach es bricht der diamant;
Den purpur heissen wir durch unsre macht erbleichen
Und manches hertz zerfleußt durch diesen süssen brand.
Ihr augen thut gemach kan euer blitz entzünden
So denckt daß auch der mund voll glut und feuer steckt;
Das rothe was sich will in diesen lippen finden
Ist brand von reiner art mit rosen überdeckt.
Der athem so itzund aus diesem thale fähret
Laufft jagens halber aus und rennet durch die welt.
Ich schwere daß er nicht von dar zurücke kehret
Biß daß er einen geist hat in das garn gefällt.
Wenn alles reden will wie können wir denn schweigen?
Es will zwar nicht der schnee von unsern hügeln gehn;
Doch wollen flammen sich auch auff den spitzen zeigen
Die rüstig tag und nacht in vollem brande stehn.
Wer einen leichten blick in diesen circkel schicket
Der wird alsbald bestrickt durch süsse zauberey
Das netze so mit lust den leichten geist bestricket
Reist keine helden-hand und harter stahl entzwey.
Rühmt schwestern was ihr wolt den ruhm von unsern fla ien
Hat keine zeit verletzt kein winter abgethan;
Hier steht die liebligkeit und auch die krafft beysammen
Und dencken auff ein band das hertzen fangen kan.
Die schlüssel hengen hier zu tausend männer hertzen
Die liebe hat bey uns das zeughaus ihrer macht;
Cupido holet hier das feuer zu den kertzen;
Ja lieben haben wir auff diese welt gebracht.
Ein wohlgeschärffter spruch von unserm rothen throne
Thut und verrichtet mehr als euer stoltzes licht;
Was seyd ihr bey der nacht? Ich red es euch zu hohne
Wann nicht die sonne scheint so sieht das auge nicht.
Wir aber herrschen auch wenn Phöbus von uns weichet
Ja wenn ihr sternen-heer von wolcken wird bedeckt
So hat manch kluges wort so durch die rosen streichet
Die löwen eingeschläfft und harte stein' erweckt.
Wenn unsre kugeln nicht mit süssem triebe schertzen
Und dieser weisse schild der männer freyheit legt
So stellt die Venus ja vergebens auff die hertzen
Und selten wird ein brand ohn unsre krafft erregt.
Das beben so man stets um unsre grentzen spüret
Bläßt tausend flammen auff und leget feuer an
Ja dieses was bey uns verborgen wird geführet
Hat offtmahls mehr als das was sich gezeigt gethan.
Wenn keine brust sich zeigt wenn lippen schweigen müssen
So reden wir alsdenn durch unsern klaren schein
Wir fügen offtermahls durch einen blick zu wissen
Daß adern blut und marck voll glut und flammen seyn.
Lust hoffnung liebe zorn kan ieder in uns lesen
Wir reden ohne wort und sprechen ohne mund;
Diß was noch kommen soll und allezeit gewesen
Diß macht das augen-lied durch kluge blicke kund.
Der reinen lieblichkeit so unser blut durchstreichet
Vergleichet sich der tranck der götter selber nicht;
Die rosen derer glantz kein purpur hat erreichet
Sind als ein meister-stück im himmel zugericht.
Der wunder-starcke safft der süsse thau der seelen
So um rubinen fleußt und hier auff perlen steht
Gibt deutlich zu verstehn daß in der augen hölen
Die reitzung öffters schläfft hier memahls untergeht.
Was euer strahl bezwingt was eure wort verrichten
Ist uns genug bekandt ist uns genug bewust.
Doch lassen wir uns auch nicht gantz und gar vernichten
Wir sind bedenckt es wohl der garten aller lust.
Die äpffel so allhier auff diesem stocke schweben
Sind süsser noch als die so Abels mutter aß;
Ja besser weil sie nicht verletzen an dem leben
Und keine schlange nicht auff ihren blättern saß.
Je kleiner unser reich je grösser unsre stärcke
Wir schrecken manche brust und stopffen manchen mund;
Die federn werden stumpff tn rühmung unsrer wercke
Und manch verbrochnes wort thut unsre kräffte kund.
Das hertze klopfft für uns die glieder lernen zittern
Und wer diß wahre wort für nichts und nichtig hält
Denselben soll der strahl von unserm blitz erschüttern
Zum zeugniß unsrer macht zur warnung dieser welt.
Die seelen pflegen hier zufammenkunfft zu haben
Und speisen sich mit lust durch süssen honigseim:
Hier pflantzet die natur den reichthum ihrer gaben
Und Venus kocht allhier den allerbesten leim.
Ein tropffen recht gebraucht leimt geist und geist zusammen;
Thut nun der leim zu schlecht des mundes kräffte kund
Und zeiget nicht genung die funcken meiner flammen
So küsse man alsbald doch einen schönen mund.
Diß was ihr itzt gerühmt das findt ihr hier begraben;
Des himmels rundes bild der rosen lieblichkeit
Des frühlings bunte lust des sommers süsse gaben
Die sind mit reicher hand hier kräfftig eingestreut.
Der brand-befreyte schnee kan felsen selbst entzünden
Und unsre blumen tilgt kein heisser sonnenschein;
Cupido wird sich uns zu loben unterwinden
Die feder wird sein pfeil wir werden blätter seyn.