Strom

By Anastasius Grün

Written 1842-01-01 - 1842-01-01

Das Bächlein lärmt, ein spielend Kind am Pfad;

Mit Lasten zieht der mächt'ge Strom indessen

Unhörbar fast, geräuschlos und gemessen,

Schweigsam dahin, ein Mann der Pflicht und That.

Sein Wort: das Brausen ganz nicht zu vergessen

Mahnt ihn des Frachtschiffs Kiel, des Dampfers Rad;

Doch lauter tobt der Werkfleiß am Gestad',

Des Marktes Ruf, Getös von Hämmern, Essen.

Nur wenn das Tagwerk ruht, lautlos die Menge,

Erhebt der Strom die Stimm': ein heilig Rauschen!

Durch schweigend Dunkel zieht's wie Orgelklänge;

Vernehmbar sei's nur für die reinen Sterne

Und für die ernste Nacht! – Doch ihm auch lauschen

Mit Stern und Nacht schlaflose Träumer gerne.