Stubnitz und Stubbenkammer Wald und Kreidenufer auf Jasmund. In jenem finden sic...
Wer bist du, der des Wandrers Herz
Mit unbekanntem Graun durchströmt?
Sein Haar ihm leise sträubt? —
O Hayn der Hertha, Lieblingssitz
Der hehren Göttin, Heiligthum
Der Vorwelt, sey gegrüsst!
Sey mir gegrüsst, geweihter Hayn!
Mit heilger Scheu, mit leisem Graun
Beschreit' ich deine Nacht.
Wie dunkel ist die Nacht! Es flammt
Am Himmel hoch die Mittagssonn'.
Im Wald' ist Mitternacht.
Und tiefer in den tiefen Wald
Verloren irr' ich. Rings umher
Ist feyerliches Still.
Jtzt wimmert es aus hohler Schlucht;
Jtzt lispelt es im Buchenlaub;
Jtzt flistert's in dem Schilf. —
Es öffnet sich des Walles Ring,
Den rings die Väter schütteten
Zum Schirm des Heiligthums.
Des Tempels Thore thun sich auf.
Das Allerheiligste empfängt
Den bangen Wanderer.
Wie brüllt das Meer! Wie saust der Wald!
Wie raucht der blut'ge Opferstein!
Der schwarze Pfuhl erdampft.
Das Messer blinkt. Der Stein erdampft
Von lauem Menschenblut. Das Meer
Erbrüllt. Es braust der Wald.
Mich schauert schauernder. Mein Fuss
Entwankt der grauenvollen Nacht,
Dem mordgeweihten Hayn.
Daher durch Waldes Dunkel glänzt
In feyerlicher Majestät
Das düsterblaue Meer.
Anbetend dich zu schaun, den Fuss,
O erdesäugend Meer, in dir
Zu nässen, dräng' ich mich
Das Dickicht durch. — Des Waldes Nacht
Wird Dämmerung — Zurück! zurück
Vom Saum der Uferwand!
Ha Babelufer! Schwindel fasst
Den Staunenden, und lös't sein Knie,
Und wirft ihn betend hin!
Dich, Obelisk der Ewigkeit,
Dich thürmete dem Ewigen
Die dankende Natur.
Lasst, Freunde, uns den stickeln Pfad
Hinunter klimmen! Huldigen
Lasst uns dem heiligen Meer! —
Wie schwillet seine Kraft! Wie stäupt,
Wie geisselt die empörte Fluth
Den buntgedämmten Strand!
Am hohen Ufer donnernd bricht
Die Brandung sich, ermannt sich, kehrt
Mit neuem Grimm, und stäupt
Die alte Felsenwand. Umsonst!
Sie steht und beut der Stürmenden
Die schaumbesprützte Brust.
So ziemt es dir, o Vaterland!
Also des hohen Vaterlands
Erhabner Markstein, dir!
Steh' ewig, hoher
Und ewig ruf' es, Herrlicher,
Dem Meerdurchschwärmer zu:
„halt still, o Meerdurchschwärmer, halt!
„und neige willig Haupt und Knie
„vor Deutschlands Herrlichkeit!
„denn gross ist Deutschland. Seine Kraft
„ist voll, wie Meeresfluth, und wild,
„wie diese Uferwand!“