Susanne

By Hermann Löns

Written 1890-01-01 - 1890-01-01

Wo ist dein weißer Schleier,

Susanne, mein vielliebes Kind?

O Mutter mein, auf der Heide,

Wohl auf der braunen Heide,

Da weht ein frischer Wind.

Dein Haar ist aufgegangen,

Susanne, mein Töchterlein?

O Vater mein, auf der Heide,

Wohl auf der braunen Heide,

Da griff ein Dorn hinein.

Und deine goldene Spange,

Susanne, lieb' Schwester, sag' an?

O Bruder mein, auf der Heide,

Wohl auf der braunen Heide,

Da mag sie wohl liegen im Tann.

Wo sind deine klaren Augen,

Susanne, mein vielliebes Kind?

O Mutter mein, auf der Heide,

Wohl auf der braunen Heide,

Da machte der Staub sie blind.

Dein Wangenrot ist verblichen,

Susanne, mein Töchterlein?

O Vater mein, auf der Heide,

Wohl auf der braunen Heide,

Da blich sie der Sonnenschein.

Dein Kränzlein ging verloren,

Susanne, lieb Schwester, sag' an?

O Bruder mein, auf der Heide,

Wohl auf der braunen Heide,

Da fand es ein fremder Mann.

Und wird er es wiederbringen,

Susanne, mein vielliebes Kind?

O Mutter mein, auf der Heide,

Wohl auf der braunen Heide,

Da kommt und geht der Wind.

Was willst du nun beginnen,

Susanne, mein Töchterlein?

O Vater mein, auf der Heide,

Wohl auf der braunen Heide,

Da will ich warten sein.

Und kommt er nicht wieder des Weges,

Susanne, lieb Schwester, sag' an?

O Bruder mein, auf der Heide,

Wohl auf der braunen Heide,

Da liegt ein erschlagener Mann.