Süssester Todes-Schlaff Hn. G. S. d. R. in B. den 9. Octobr. 1672.
Stört nicht den Seligen mit Thränen-reichem Klagen
Betrübtste denn er schläfft in angenehmer Ruh:
Die Bürde drückt ihn nicht so er bißher getragen
Und GOttes Flügel deckt die müden Glieder zu.
Ach höchst-verlangte Ruh! ach Frieden-volles Schlaffen!
Ach stete Sicherheit die nie kein Unfall kränckt!
In dem der Erdenkreiß erschüttert von den Waffen
Und Auff- und Niedergang uns hinzurichten denckt!
Es mag der Heyden Mund den Tod erschrecklich nennen
Und ihrer Künstler Hand ihn heßlich stellen für;
Wir Christen werden ihn vor heilsam nur erkennen
Die Bahn zur Seligkeit zum Himmelreich die Thür.
Der Schlaff der seeliger für jenem ist zu schatzen
Den uns die Müdigkeit zuwege hat gebracht:
Hier folgt ein ewiges und himmlisches Ergetzen
Wenn jenes Lust und Ruh’ verschwindet mit der Nacht.
Doch was ist ohne Schlaff der Menschen gantzes Leben?
Kan auch ein sterblich Leib entbehren solche Krafft?
Muß nicht die süsse Ruh die Stärckung wieder geben?
Den Beinen neues Marck den Adern frischen Safft?
Der Tod der sanffte Schlaff bedeckt uns mit der Erde
Verwahret Fleisch und Blut in seiner kalten Schoß
Doch daß es dermaleins gleich jungen Adlern werde
Und schwinge sich verklärt an das gestirnte Schloß.
Wer schläfft empfindet nichts auch in des Grabes Kammer
Der Wohnung wahrer Ruh und sichrer Einsamkeit
Ist unsers Cörpers Rest entnommen allem Jammer
Und vor der Zeiten Sturm und Tyranney befreyt.
Des Leibes Mattigkeit befödert uns zu Bette
Doch daß wir mit dem Tag an unser Arbeit gehn:
Wir ruhen nicht daß uns das Grab auf ewig hätte
Es wird des Höchsten Stimm uns heissen aufferstehn.
Der Gorgias hat Recht als er nun sollen wandern
Und hatte hundert Jahr nechst sieben hingelegt
So sprach er: Schlaff und Tod ein Bruder küsst den andern
Diß isi der letzte Freund so mich zu Grabe trägt.
Ja was ist unser Bett in das wir uns vergraben?
Ein Sarch der lebend uns wie jener tod beschleust.
Wenn wir uns satt gemüht und laß gequälet haben
Ist diß allein der Ort wo man der Ruh geneust.
Ach schönstes Schlaffgemach! ach Grab du Port der Freuden!
Schatzkammer höchster Lust! Ertzschrancken reinster Zier!
Es mag ein irrdisch Geist in Ros’ und Lilgen weiden
Du bleibst der Gläubigen erquickendes Revier.
Vergebens mühen sich die Tichter abzubilden
Deß Schlaffes tunckles Haus wo nichts als Stille sitzt
Wo nur der blasse Mohn entsprost in den Gefilden
Und nie der Sonnen-Glantz den kalten Ort erhitzt
Wo Baum und Staude schweigt wo nichts als leichte Schatten
Und die Vergessenheit die stumme Herrschung führt
Wo nie kein Fluß entspringt kein Vogel singt in Matten
Und wo die Faulheit sich zu keinen Zeiten rührt.
Es ist solch Zimmer nur die Vorburg zu der Höllen
Wo ein verdammter Schlaff die Menschen sicher macht.
Mecönas weiß allhier ein Urtheil nicht zu stellen
Wie hoch ihn sonst sein Witz und scharffe Klugheit bracht.
Es soll ein güldnes Netz und Schwanen-weiches Küssen
Mit Rosen von Milet Haupt-zärtlich angefüllt
Sambt lindem Seitenspiel ihm seine Ruh versüssen
Indem Terentia den alten Weichling trillt.
Nein auch der theure Schlaff durch Künste zubereitet
Ist ein gefährlich Gast und ungewisser Freund:
Wo uns zu reiner Ruh nicht das Gewissen leitet
Wird auch der süßte Schlaff ein höchst gefährlich Feind.
Viel hat ein langer Schlaff zur langen Nacht gewiesen
Gleich wie der Attila in eignem Blut erstickt.
Doch dieser wird allein am seeligsten gepriesen
Den hier des Todes Schlaff zu größrer Lust erquickt.
Des Lebens Ewigkeit entwerffen auch die Gräntzen
Des Schlaffes wer genau desselben Ursprung weiß
Denn wenn sein Honigseim den Leib pflegt zu ergäntzen
So wachet erst recht auf der Seele hoher Fleiß.
Sie ist nicht wie zuvor an ihre Last gebunden
Rennt ihrem Ursprung nach zu der saphirnen Höh
Wird bey den Bösen böß und Frommen fromm gefunden
Denckt wie der Göttligkeit sie stets am nechsten steh.
Und diß kan unser Seel im Leibe noch vollbringen
Wenn ihr ein kurtzer Schlaff nur wenig Freyheit gibt:
Welch eine Herrligkeit wird sie bey GOtt umringen
Wo sie ihn anders hat beständig hier geliebt.
Herr Scholtzens edle Seel erkennt nun solche Güter
Geneust der Liebe Frucht der Treu erfreuten Lohn
Entgeht durch einen Schlaff viel herbem Ungewitter
Trägt Glauben und Gedult zu seinem Schmuck davon.
Es ist sein Lebens-Tag ihm hier auch saur erschienen
Weil ihn manch harter Wind zu See und Land geplagt.
Der Eyfer volle Ruhm durch Kunst und Witz zu grünen
Hat den geschickten Geist in frembde Lufft gejagt.
Europens meister Theil ist ihm bekand gewesen
Der Polen weites Land der Frantzen kluges Reich.
Er konte derer Schrifft in ihrer Mund-Art lesen
Und war von keiner Müh noch wachen Sorgen bleich.
Er hieß den Britten lieb dem Niederland willkommen
Biß daß ihn Spanien in seine Schoß gesetzt
Es ist zu Lisabon sein Ruhm noch unverglommen:
Wer etwas rühmlichs thut wird überal geschätzt.
Wie denn die Mutter-Stadt sich auch geneigt erzeiget
Und ein Hoch-edles Pfand ihm ehlich anvertraut:
Ja so die Tugend auch den Palmen gleiche steiget
So ward sie hier gewiß nicht unbelohnt geschaut.
Es hieß das Vaterland den Raths-Stuhl ihn begrüssen
Ach aber allzukurtz läst diß der Himmel zu!
Wie eifrig er sonst war gemeinem Nutz beflissen
Laufft doch sein Stunden-Glaß und rufft ihn zu der Ruh.
Ach
Die auß vermählter Treu benetzen Sarch und Bahr?
Doch last bey solchem Leid auch diesen Trost noch gelten:
Der
Glückseelig wer entschläfft in seines Heylands Händen
Dem wird der blasse Tod kein eisern Schlaff nicht seyn
Es pflegt der Jrrdische des Tages Last zu enden
Hier dieser alle Noth und führt uns Himmel ein.