Tageszeiten

By Anastasius Grün

Written 1842-01-01 - 1842-01-01

Wann ich immer kommen mag,

So bei Nacht und so bei Tag,

Stets auf ihrem Leichenstein

Glänzet Thau wie Silber rein.

Zieht der Morgen erdenab,

Wallt er auch zu ihrem Grab,

Schüttet auf des Grabes Rain

Opfernd Perl' und Edelstein.

Zieht vorbei an ihrer Gruft

Abend mit Gesang und Duft,

Sprengt er sanften Regen hin,

Daß die Blumen fürder blühn.

Wenn in Kummer und Gebet

Nacht am frischen Hügel steht,

Ringt sich eine Thräne los

Ihrem Auge hell und groß.

Mehr als Morgen, Abend, Nacht,

Hat des Thau's Mittag gebracht;

Doch am Grab im Sonnenschein

Steh' nur ich, nur ich allein.