Tagtaumel

By Gerrit Engelke

Written 1914-01-01 - 1914-01-01

Und grüne Sommerwälder sausen her –

Und Menschheit wimmelt froh in Wegen –

Wolken baden tief im Blau –

Alles, alles mir entgegen!

Sonnevoll, strombeklommen –

Ach Ich!

Mir schaukelt Leben zu vom Strand, vom Kahn –

Zu mir kommt Fluß, und Fluß und See und Meer –

Schiffsgewimmel – Qualmhäfen – Ozean –

Immer mehr, immer mehr!

O' Ich! O Ich!

Und Nordlandküsten – Südseepalmenwälder –

Und Sternschwärme – Indiens Wunderstädte –

Und tausend Lichter aus der Welt

Taumeln, rauschen in ungeheurem wilden Wirbel

In eine weite Seele!

Ich! Ich!

Meine Blicke sind Sterne – Flut braust im Ohr!

Und eine Seele glüht weltdurchströmt und dröhnt

Und kann nicht dämpfen den rasenden Chor –

Ich berste – ersticke – blicke

Hoch:

Der du Alles ins Dasein reißt,

Löse, dunkel durchschwingender Lebensgeist,

Aus dem lähmenden Drange zu metallischem Klang,

Aus dem chaotischen Orgeln zum Weltgesang

Die lebensbestürzte Seele

Für Alles und Alle!