Taille douce eines süßen Herrn in bittrer Manier von 1650 .

By Clemens Brentano

Hört zu, ein neuer Pantalon ist auf dem Markt an-

kommen,

Den Charletan jagt er davon, hat selbst den Platz ge-

nommen,

Der seltsam Kund in einer Stund wird tausend Possen

reißen,

Bist du ein Mann, trutz schau ihn an und's Lachen thu'

verbeißen.

Was ist das für ein Strobelhaar, sind's Igel oder

Ratzen?

Vielleicht nur einmal in dem Jahr thu'n kämmen ihn die

Katzen.

Sein Haar ist g'wiß ein Storchennest, krumm hin und

wieder bogen,

Er hat ein Schopf wie ein Wiedhopf, viel Volks darein

erzogen.

Am linken Ohr hängt ihm herab ein a la Mode Zot-

ten,

Den darf er gar nicht stutzen ab, bey Leibstraf ists ver-

boten,

Dünkt ihm sehr toll, wie ihm die Woll herumschwebt vor

den Augen,

Ist lang und dick, für einen Strick thu't es dem Henker

taugen.

Bald flicht er ihn wie einen Zopf, thut ihn zusammen-

drehen,

Läst rausser schaun ein'n kleinen Schopf, damit man ihn

thut kennen,

Er bindt darein ein Nestel ein, das er bey'm Krämer

funden,

Ein Dama nennt, die ihn nit kennt; sagt, hab's ihm

eingebunden.

Der Huth ist voller Federbüsch, als ob er wollte flie-

gen,

Er gäb ein'n guten Flederwisch, damit man kehrt die

Stiegen,

Er macht's mit Fleiß hell gelb halb weiß fein scheckigt wie

die Narren,

Er schmieget sich schön, und fliegt davon, will hier nicht

länger harren.

Der Bart ist spitzig überaus, krum hin und her gezo-

gen,

Mich däucht es sey ein Fledermauß ihm für das Maul

geflogen,

Mich dünkt wie daß ihm bey der Nas die Flügel sie

ausbreite.

Ein schöne Art von Ratzenbart, thu't Noth, daß man ihn

schneide.

Das Streichen währt den ganzen Tag und sonderlich am

Morgen

Bis er sich schickt, macht ihm viel Plag, und wunder-

große Sorgen,

Muß spitzig seyn, ein Nädelein könnt man damit ein-

födel'n,

Es hat kein End, all beyde Händ haben daran zu

knödel'n.

Ein Leilach, wenn's erklecken kann, braucht er für einen

Kragen,

Ein Hasengarn hängt unten dran, Zahmwildprett drinn

zu jagen,

Er dient ihm statt als Fazolett, das Maul thut er dran

putzen,

Stärkt ihn mit Schmutz, der Hudelbutz, mit Falten thut

er stutzen.

Um seinen Hals trägt er zumal ein breite rothe Bin-

den,

Damit ihn kein Catharr befall, er könnt sonst nicht mehr

schlingen,

Das Hälsle das ist weiß und rein; es möchts die Sonn

verbrennen,

Der lose Tropf verdeckt den Kropf, man mög't den Schelm

sonst kennen.

Zu dem Reitmantel, den er trägt, kaum zwanzig Ellen

klecken,

In Ermeln, die er überschlägt, könnt er zwei Dieb ver-

stecken.

Das Tuch ist roth, es wäre noth, wenns giebt ein'n

großen Regen,

Daß allemal ein Futteral er drüber thät anle-

gen.

Da braucht es Müh und Arbeit viel den Mantel recht zu

tragen,

Wenn er hinauf ihn ziehen will; so runzelt er den Kra-

gen,

Er muß allzeit auf einer Seit, gar weit hinunter han-

gen,

Liegt viel daran, daß man auch kann in schönem Wam-

mes prangen.

Das Wammes wie ein Vogelhaus zerhauen und zersto-

chen,

Ach Gott wie mancher Vogelstrauß ist aus und eingekro-

chen,

Es ist darbey ein Vortheil neu, kanns nit besser zer-

reißen,

Er besserts noch, giebt nur ein Loch, wenn zwei zusam-

menschleißen.

Damit er noch mehr Luft empfang, thut er die Knöpf

aufschließen;

Im Winter ist ihm heiß und bang, er würd sonst schwitzen

müssen.

Der Nestel viel ohn' Maaß und Ziel sind um und um

herbunden,

Er geb wohl ab ein Nestel Schwab, wie man schon längst

hat funden.

Die Tätzle wie die Pattenfleck, jetzt auf jetzt nieder schlin-

gen,

Wann er die Händ' vom Leib hin rek't, thu'n hin und

wieder schwingen,

Hat Händsche an, die man wohl kann ein halbe Meil

weit schmecken,

Wo das nit wär; so röche er gleich allen andern

Böcken.

Er weiß gar nit mehr wie er soll den Degen jetzt an-

henken,

Er will sich nirgend schicken wol, hat zwanz'gerley Be-

denken,

Thu't ihn vielmehr ganz hinten her, als an der Seite

tragen,

Es leben noch all, die er zumal in einem Streich er-

schlagen.

Die Bloderhosen um die Bein sind weiter als um d' Len-

den,

Die krumme Schenkel sieht man nie, damit sie ihn nit

schänden,

Ein Spangen weit, drey Finger breit sind sie am End

aufschnitten,

Dort kratzt er sich, wenn er ein Stich von

erlitten.

Groß Fischerstiefel hat er an, so weit als ein Wasch-

kübel,

Nit g'nugsam er d'rein prangen kann, wiewohl sie stehn

gar übel.

Ein Regenfaß kann man zum Spaß gar leicht daraus

formiren,

Sie waklen nicht, sind fest gericht, auf Stöcklein sich

fundiren.

Groß Sporenleder hat er an, gar weit ein halbe

Ellen,

Gallotschen hangen unten dran, mag alles nit erzäh-

len,

Wie ein Pflugrad er Spornen hat, mit Resonant hell

klingen,

Wie wohl er sie, vielleicht gar nie aufs Pferd hinauf thut

schwingen.

Der trutzig Gsell tritt da herein, als wollt er alle

fressen,

Ist allzeit doch beim Sonnenschein beim Ofen hinge-

sessen.

Die deutsche Sprach ist all sein Sach, kann kein Hund

anders loken;

Sein Vater sizt und Stecken schnizt, sein Mutter spinnt

am Rocken.

Kömmt er zur Burst (Gesellschaft), thut er zur Stund

Basalamana schneiden,

Zieht seinen Huth, fährt zu dem Mund, sagt Servitor

von weitem.

Macht Cortesie, biegt doch die Knie, gar nicht oder gar

wenig,

Das Haupt er buckt, die Achseln zuckt

terthänig.

Wann er dann in die Kirche geht, auf ein Fuß kniet er

nieder,

Er macht kein Kreuz, spricht kein Gebet, er gafft nur hin

und wieder,

Er dreht sein Bart zusammen hart, streicht die Razzen-

schnauz zur Seiten,

Gar weit von hinn mit feinem Sinn thut er spazieren

reiten.

Sein Red' ist lauter Phantasie, viel schwätzen und viel

lügen,

Er lügt daher ohn alle Scheu, bis sich die Balken

biegen,

Erzählet frei, wie daß er sey in fremdem Land' ge-

wesen,

Er könn viel Sprach, kann allem nach ja kaum ein Buch-

stab lesen.

Er lügt daher manch Ritterthat, die er nit hat be-

gangen,

Wie er belagert jene Stadt und jenen Kriegsmann

g'fangen,

In einem Streich hab er zugleich zwei Kürassier er-

schlagen,

Kein todten Hund hat er verwundt, er thet daran ver-

zagen.

Wann er dann auf die Fechtschul geht, sich da zu

exerziren,

Und einer ihm entgegen steht, die Wehr thut presen-

tiren,

Da zuckt er zwar, darf doch nit gar, er thut zu leztens

wagen,

Fängt fechten, er muß wohl dran, man thät ihn sonst

ausjagen.

Jezt nimmt er ein Postur an sich, jezt spanisch, jezt

französisch,

Passiert jezt durch, jezt über sich, haut drein zulezt po-

läckisch,

Weil er nichts kann, so geht er an, und thut die Nas'

verstossen,

Das rothe Blut verderbt den Muth, ihm schmecken nit

solch Possen.

Auf dem Tanzboden läßt er sich im Jahr nit zweimal

sehen,

Hüpft in die Höh ganz wunderlich, kann nichts als rum-

mer drehen,

Macht Capriol, als wär er toll, thut hin und wieder

fallen,

Hurtig dazu, gleich einer Kuh, fällt nieder, das thut

knallen.

Die Reitschul sucht er selten heim, er thut vorbei nur

schnurren,

Er hat ein hinkend Pferd daheim, ein alte Krämer

Gurren,

Giebt ihr kein Heu, kein Futterei, läßt sie nur ewig

grasen,

Sie geht den Zelt bis daß sie fällt, den vierten Schritt

auf d' Nasen.

Hiemit so end ich mein Gesang, vom Allomodo ge-

sungen,

Wer es nit leiden mag der gang und binde mir die

Zungen,

Der Eitelkeit zu dieser Zeit, dienen viel solcher Lap-

pen,

Die dazumal verdienen all eine große Narrenkap-

pen.