Talestris stehet viel vor der Thüre.

By Johann Georg Gressel

Talestris die nunmehr nach dreyßig Jahren gehet

Und ihre Kinder-Schuh bereits vertreten hat

Die grämt sich daß ihr Mund nicht mehr voll Rosen stehet

Wie er ihr vor der Zeit in jungen Jahren that.

Doch weil sie noch nicht gantz auf Wang’ und Mund verblühet

So stellt das grosse Kind sich täglich vor die Thür

Das stumme Wesen spricht wie! daß denn keiner siehet

Daß ich so artig bin ist denn kein Käuffer hier?

Sie läst wol hundert mahl sich an die Gassen schauen

Und danckt den Grüssenden mit grosser Freundlichkeit;

Allein dis alles kan ihr Glücke nicht erbauen

Kein Freyer findt sich ein es ist niemand der beut.

Das stehen nützt ihr nichts umsonst läst sie sich sehen

Es beist kein Käuffer an die Waare will man nicht;

Doch hört ihr losen Leut man muß wol draussen stehen

Und vor der Thüren seyn wenn Raum und Platz gebricht.