Tauff-Bundes Erinnerung
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Wer weiß das Element des Wasser zu entbehren?
Es träncket kocht und heilt: Wenn heisser Sonnen Glutt
Der Arbeit Last und Schweiß den Gliedern wehe thut
So muß uns Labung diß und neue Krafft gewehren
Diß giebt der Speise Safft aus wie viel edlen Brunnen
Kömmt krancker Glieder Heyl mit Bad und Tranck gerunnen?
Diß nähret was uns nährt gewehrt auff unsre Tische
Was ihm manch fremdes Volck vor Fleisch und Brod erwehlt
Was selbst die Erde nicht in so viel Arten zehlt
Zu unsrem Unterhalt und Uberfluß die Fische.
Doch wollen wir den Nutz des Wassers recht ergründen
Wird sich aus Gottes Wort noch bessre Probe finden:
Naemans Aussatz ward in Jordans Flutt geheilet
Ein heilsam Wasser war in Gottes Volck bekandt
Zur Reinigung gesprengt von Hohen-Priesters Hand.
Von wem Betheßdens Teich am ersten ward ereilet
Wenn ihn von oben her des Engels Hand berühret
Der hat sich aller Plag' und Siechthums frey gespüret.
Des Höchsten Wasser-Kunst ist höher noch gestiegen
Die Bilder zeigten uns im Schatten Wercke dar
Was von des Herren Gunst für uns bereitet war
Was in der Tauffe Brunn für Seelen-Schätze liegen
Nun Christus Gottes Sohn das Wasser selbst geweyhet
Und unsre Tauffe durch die seine benedeyet.
Wer weiß diß Sacrament des Wassers zu entbehren
Des Wassers dem das Wort des Höchsten beygesellt
Viel Wunder-Kräffte schenckt: Wir kommen auff die Welt
Ohnmächtig uns der Macht der Raub-Fisch zu erwehren
Als Schleyen die im Koth der schnöden Erb-Schuld stecken
Und die das Netze soll des Höllen-Fischers decken.
Uns wird durch dieses Bad verneute Krafft gegeben
Und Wachsthum in dem Geist uns macht die Quelle rein
Daß wir vom Sünden-Wust für Gott gesaubert seyn
Und nicht in Dienstbarkeit der Hölle dörfften kleben;
Den Heil-Brunn gabst du mir O GOTT auch zu geniessen
Laß drauß beständigs Heyl und Segen auff mich fliessen.