Tempel der Liebe.

By Johann Georg Gressel

Füngst als das Sonnen-Licht in letzten Zügen lag

Da sich sein Purpur-Schein nach blauen Wellen

lenckte

Da schon die Demmerung aus grauen Wolcken brach

Und den geflammten Glantz in

Da stützte ich mein Haupt auf den ermüdten Arm

Den Sorgen zu entgehn die Geister zu erfrischen

Und das beklummne Hertz aus der Gedancken-Schwarm

Durch Frölichkeit zu ziehn und Lustbarkeit zu mischen

In Kummer-volle Angst damit mein Schicksahl glüht.

Indessen überspann ein Nebel das Gesichte

Ein Schlaff der alle Macht dem müden Leib entzieht

Nam mir im Augenblick die meisten Lebens-Früchte.

Mein Haupt das senckte sich von der erstarrten Hand

Mein Leichnam stellte für den rechten Todes-Schatten

Mein Geist verreißte fast ins

Und wolt’ in

Inzwischen traumte mir wie ich da schiffend fuhr

Wo in des

In lauter Marmor-Milch entdeckten ihre Spuhr

Mir selbsten kahm die Lust in dieser See zu baden

Wie ich denn auch so fort mein morsches Schiff verließ

Und mich der sanfften Fluth in ihre Schooß vertraute

Ein kühler Anmuths-Wind das weiche Meer auffbließ

Worauf ich mich sofort in einem Lande schaute;

Wo ich ein Frembdling war mir war kein Weg bekannt

Wo sonst die Dornen stehn da zeigten sich die Rosen

Vor Nessel und

Gewächse die man gern pflegt küssend liebzukosen.

Indeme nun mein Fuß das zarte Feld betrat

Und als ein schüchtern Schaaf durch Au und Wälder irrte

Ward ich von fern gewahr ein ausgelegtes Pfad

Worauf ein lichter Strahl bald hier bald dorthin schwirrte.

Daselbsten schwenckte ich die müden Glieder hin

Weil mein neugierger Geist dahin mit Macht begehrte

Ich kam auch an das Pfad und sah den

Den ein geweyhter Krantz von grünen Myrthen ehrte.

Kaum wie er mich ersehn fand er sich bey mir ein

Er reichte mir die Hand in dem er dieses fragte

Woher mir doch das Land so kundbahr könnte seyn

Und wie mir dessen Lust und Lager-Stadt behagte?

Noch ferner fuhr er fort ob mir auch wol bewust

Daß dis die Insul wär wo

Wo man vor Schmertz und Pein nur ungemeine Lust

Vor Diesteln Liljen und schöne Rosen fünde.

Wo wenig Sterbliche den Fuß noch vest gestellt

Wenn sie nicht

Und ihrer Majestät den halben Kreyß der Welt

Zum Opffer dargereicht und her zu ihr geleitet.

Ich sprach mein

Ist sonder meine Schuld in dis

Denn als ich unterfing in jenem Marmor-Fluß

Den Leib zu kühln bin ich an dieses Land geschwummen.

Wo ich den Ausgang nicht noch dessen Eingang weiß

Dort was erscheinet dort mit seinen güldnen Zinnen?

Was ists vor ein Gebäu vor dem ein kaltes Eyß

Weil es so helle scheint wie Wasser muß zerrinnen?

Hierauf sprach

Da küßt sich

Da blitzet strahlt und brennt vergönnter Liebe-Blitz

Da schmeltzet Mann und Weib in heisser Gluth zusammen.

Da gehet niemand frey ohn Strick und Band zurück

Wer als ein lüstern Gast in diese Gegend wallet

Ehrt den beliebten Strahl mit einem heissen Blick

Der aus der

Ich den das Schicksahl längst zum Sclaven auserkiest

Ersuchte

Er sprach: Dieweil dein Geist so neubegierig ist

Sey dir dein Wunsch gewehrt dein Bitten soll geschehen.

Ich fuhr er fort der längst von

Daß ich entseelet soll ihr Heiligthum behüten

Als einer der den Schatz am allerbesten kennt

Den aus der blauen Schooß der bittern

Sie mit ans Licht gebracht und allda auffgestellt.

Sie hat mehr Perlen-Kost als süsse Milch genossen

Und ist dennoch ein Brunn der Anmuth in sich hält

Unendlich kommt aus ihr die Wollust hergeflossen

Ob gleich dis grosse Rund ihr täglich viel entführt.

Ich habe nur die Quell mit Wenigen beschrieben

Die mein verstumpffter Kiel nicht wie es ihr gebührt

Nur wie er es gekonnt den Sternen zugetrieben.

Er führte mich hierauf in einen grünen Wald

Wo Myrthen und

Der war zur Abends-Zeit der

Wenn sie sich aller Last und Vorsehung entbunden.

Recht in der Mitten floß ein Crystalliner Bach

Worauf ihr Schwaanen Spann im Schwim̃en sich erhitzte

Dione ging darinn dem kühlen Baade nach

Wenn ihr Albaster Leib

Am Ausgang dieses Hayns stund ein erhöht Altaan

Darunter wir hindurch in einen Vor-Hof gingen

Daselbsten zündete man geilen Weyrauch an

Den durfften sie nicht hin zum rechten Tempel bringen.

Aus diesem Hofe kam ich wo der Tempel ist

Daran das Morgen-Land den größten Schatz verwendet

Wo

Wo

Wo Gold aus

Wohin gantz

Wo

Wo der

Kein Pinsul ist so zart der so gelinde zieht

Als dieser Göttin Haus und Tempel ist geziehret;

Kein Nelcken-Straus so nett in sich gemarmelt blüht

Als man dis Heiligthum von aussen auffgeführet.

Es war gantz Circul-rund von

Zwölff Pfeiler stützeten der

Nach Ordnung die

Die innersten

Umfing ein

Hier brannte

Dem

Drauf ließ sich der

Nach diesen

Zur lincken Seiten sah ich alle die

Die

Auf Harffen Lauten-Spiel und angenehmen Flöhten

Bis an die Sternen-Burg durch ihre Kunst geführt

Hier stund

Recht prächtig angethan mit Lorbern ausgeziert

Und dort

Den Nahmen nach fand man da unvergleichlich mehr.

Zuletzt so fiel der Sitz wo ihre Gottheit wohnte

Mir Blöden ins Gesicht als ein Erstaunungs-Heer.

Woselbst der Diamant des Türckis-Schein belohnte

Wo ein gewünschter Stein den andern angestrahlt

Woselbst der Anmuth-Schmuck aus allen Theilen lachte

Wo sich Rubin und Gold ein Rosen-Feld gemahlt

Wo dieses theure Bund ein nettes Schau-Spiel machte

Da war

Sah ich ein Opffer-Feur in blanen Flammen lodern

Die holden

Die musten

Die Göttin selbst war nur mit zarten Flor geziert

Wodurch der Glieder-Pracht mit starcken Flammen blitzte.

Weil sie durch ihre Krafft Stein Bäum’ und Thiere rührt

So fiel es ihr nicht schwehr daß sie mein Hertz erhitzte.

Denn wie

Durch Liebe an sich zieht so auch die nackten Brüste

Die Nelcken gleiche Schooß zeigt daß sie lebhafft sey

Denn welcher schaut sie wol dems nicht so fort gelüste.

Der Weinstock liebt den Ulm weil er die Rinde küßt

Das

Dian' und Nereus zeugt das Cypris mächtig ist

Vor

Es zündet ihm die Welt viel tausend Opffer an

Der Mutter siegt er ob und macht sie selber brennen

Da doch der grosse

Ja es erhitzt so gar

Das auffgefrorne Meer als ein gethürmter Berg

Hegt

Das Löwens grimme Macht und seine wilde Stärck

Kan ihm der

Indeme nun mein Geist auf

Und seine Wunder-Krafft im Hertzen überlegte

Ward mir von

Das vieler Helden-Schrifft in seinen Blättern hegte

So ihr gelehrter Kiel aufs weisse Blat gepflügt.

Er sprach: Hier must du auch ein Ehren-Denck-Mahl setzen.

Wie so? ersetzte ich wird denn auch beygefügt

Ein ungelehrter Spruch den klugen Wunder-Schätzen?

Doch daß man über mich nicht aller Orten klagt

So schreibe ich ins Buch nur wenig keusche Zeilen.

Schreib was und wie du wilt es ist dir unversagt

Sprach

Hierauf nahm ich zur Hand Buch Dinte und den Kiel

Und schrieb auf eine Schrifft an einem reinen Orte

Sie füllete den Raum bis zum gezeichten Ziel

Und hegte wo mir recht fast eben diese Worte:

„ich flieh den süssen Klang der schmeichelnden

„und stopffe mein Gehör mit der Verachtung zu;

„ich binde die Begierd mit der Enthaltungs-Sehne

„am Mast-Baum der Vernunfft und gebe mich zur Ruh.

„ich wende meinen Lauff von den verborgnen Klippen

„und lenck mein Sinnen-Schiff nach reiner Keuschheit hin

„mein Bau begehret nicht auf ihren falschen Lippen

„den Untergang zu sehn; des ich gewisser bin

„als Nacht und Sonnenschein sich um einander zeiget

„als eine Woch’ ein Jahr sich Wechsel-weise küßt.

„denn welcher sein Gemüth auf Huren-Wollust neiget

„an statt gewünschter Kost vergiffte Kröten frist.

„er schmeckt vergallt

„er behtet Nessel-Kraut vor Purpur-Rosen an.

„vor den verlangten Port stöst er auf scharffe Syrten

„die auch die Klugheit selbst nicht stets vermeiden kan.

„sie fällt wenn sie dem Ort sich allzu nahe machet

„wo ein verbuhltes Weib der Geilheit-Priesterinn

„dem die verbotne Lust aus Stirn und Auge lachet

„das nach der Uppigkeit gelenckt den lüstern Sinn.

„das der gemeinen Lust ein fettes Opffer bringet

„das dem entzäumten Siñ noch Peitsch und Spornen reicht

„das sich wie

„in dessen Nieren nie der

„doch aber wenn Vernunfft aus klugen Augen siehet

„man wie

„der

„und in des

„der muß Vorsichtig seyn und gar behutsahm gehen

„der je zuweilen noch ein wenig lieben will

„hält er seyn Leben hoch so muß er dahin sehen

„daß sein Verlangen nicht nach einer Hütten ziel

„wo Mord und Tyranney bey falschen Geistern wohnen

„die die Verzweiffelung mit Zucker überstreut

„die ihre Laster-Brut so wie die Keuschen lohnen

„und denen nichts als nur dis eintzige gereut

„daß sie in geiler Lust nicht Obermeister heissen

„daß ihnen nur ein Krantz als Hauptmann wird geschenckt

„daß sie nicht

„dis ist der grosse Schmertz so ihre Sinnen kränckt.

„hierüber quählen sich die geilen Creaturen

„bey denen nur die Form und Ansehn menschlich fällt

„die ihre Hertzens-Lust aufs Löffeln und auf Huren

„und ander Schandbarkeit in dieser Welt gestellt.

„die wenn ein reiner Geist durch ihre Wohnung irret

„so gleich den Boden kehrn wo er den Fuß gesetzt

„da doch der Höllen-Mohr durch Schooß u. Schlösser schwirret

„und ihr verdammtes Haus mit Pech und Schweffel letzt.

Hier reichte ich das Buch ihm wieder in die Hand

Das er denn auch sofort an seine Stelle brachte

Und mir in einem Huy aus dem Gesicht verschwand

Der Tempel regte sich die gantze Gegend krachte

Die

Die

Wurd’ ich von aller Pracht gar nichtes mehr gewahr.

Die Ampeln gingen aus ein grosser Wind verrückte

Zu letzt den gantzen Bau. Indem erwachte ich

Ich wust’ nicht wo ich war noch wo ich mich befunde

Ich sahe gar kein Licht und kunte keinen Stich

Vor meinen Augen sehn. Die Dunckelheit verbunde

Mit ihren schwartzen Flohr mein schläffriges Gesicht

Die Wolcken waren gantz mit Finsterniß bezogen

Und

So hatte mich der Schlaff und

Zuletzt besonn ich mich ich wuste wo ich war

Als

Und in Metall und Wein den Lebens-Safft gebahr

Wie sie das Sternen-Heer mit ihrem Glantz bestrahlte.

Es war ein leerer Traum und eitel Phantasey

Das mir verwichne Zeit den Sinnen-Bau bethöret

So gleich schlug auch das Uhr durch seinem Hammer zwey

Dadurch ward mir die Zeit nach Bett zu gehn gelehret.