Theon an Lyda

By Friedrich von Matthisson

Written 1779-01-01 - 1779-01-01

Nimmer, nimmer darf ich dir gestehen

Was, beim ersten Drucke deiner Hand,

Süsse Zauberin, mein Herz empfand!

Meiner Einsamkeit verborgnes Flehen,

Meine Seufzer wird der Sturm verwehen,

Meine Thränen werden ungesehen

Dir, o Holde, rinnen, bis die Gruft

Mich in ihr verschwiegnes Dunkel ruft!

Ach! du schautest mir so unbefangen,

So voll Engelunschuld ins Gesicht,

Wähntest den Triumph der Schönheit nicht!

Lyda! Lyda! sahst du nicht den bangen

Blick der Lieb' an deinen Blicken hangen?

Schimmerte die Röthe meiner Wangen

Dir nicht Ahndung der verlornen Ruh'

Meines hofnungslosen Herzens zu?

Daß uns Meere doch geschieden hätten

Nach dem ersten, leisen Druck der Hand!

Schaudernd wank' ich nun am jähen Rand

Eines Abgrunds, wo, auf Dornenbetten,

Thränenlos, mit diamantnen Ketten,

Die Verzweiflung lauscht. Ach! mich zu retten,

Holde Feindin meiner Ruh', verbeut

Dir des strengen Schicksals Grausamkeit!