[Thorheit ists/ daß unsre Zeit soll in Furcht und Angst verflüssen]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Thorheit ists daß unsre Zeit soll in Furcht und Angst verflüssen

Besser ists in Freud und Lust der bestimmten Frist genüssen

Nimm die Stunden willig an

Die dir Gott und Glücke schencken

Warum soll dich heute kräncken

Was sich morgen ändern kan?

Laß das ernste Sauersehn laß die eingezogne Stirne

Laß den ausgehangnen Mund laß die Grillen im Gehirne

Laß die Mucken um das Haubt

Biß ins Alter seyn verschoben

Biß sich allgemach von oben

Kopff und Hals zum Grabe schraubt.

Laß der alten Weisen Schaar frey und ohnbewegt erscheinen

Laß den tollen Heraclit gantze Thränen-Ströme weinen.

Menschen die empfindlich seyn

Halten mehr von Schertz und Lachen;

Sich vergebens traurig machen

Gehet ja wohl bitter ein.

Wir an Beutel Weib und Ort Zeit und Zustand ungebunden

Brauchen billig weil es geht unsrer Jugend freye Stunden

Was bringts einem Kargen ein

Wenn er noch so reich an Schätzen:

Also was kan ohn Ergötzen

Unser bestes Leben seyn?

Rosen die der Sommer giebt kan man nicht im Winter pflücken

Freude so die Jugend hegt kan das Alter nicht erquicken

Wenn des siechen Leibes Hauß

Sich zum schnellen Falle neiget

Wenn der Lebens-Strom verseiget

Glutt und Hitze dämpffen aus.

Drum last uns den edlen Schatz der erlaubten Zeit gebrauchen

Eh die Kräffte noch in uns eh noch Marck und Blutt verrauchen.

Last uns dieses Tages Schein

Der sich offte noch soll finden

Dich mit Freuden anzubinden

Frey und froh und freudig seyn.

Unter Freunden eine Lust kan uns kein Gesetze wehren

Wer weiß was das Glücke noch ein- und andern kan bescheren.

Ey so geht es Sorgen-bloß

Auff die unverzehrten Gütter

Unsrer lieben Schwieger-Mütter

Bruder im Vertrauen loß.