Thränen der Musen Zu Ehren Fr. U. M. v. A. g. v. K. geheiliget den 23. Aug. 1671...
Deckt Schwestern euer Haupt mit blassen Leid-Cypressē
Denckt auff ein Klage-Lied das Felsen machet weich
Denn eure Lust und Zier ist nunmehr kalt und bleich
Ja von dem grimmen Raub des Todes auffgefressen.
Apollo unser Fürst kan nicht den Fall ermessen
Der ihm höchst-schmertzlich scheint und in dem gantzen Reich
Ein Beyleid hat erweckt; Auff Schwestern! stim̃t zugleich
Die Leyr last uns den Ruhm der Werthsten nicht vergessen.
Die Thränen trocknen nicht so ihr dem Grabe weyht
Es wil den Trauer-Klang das Echo hoch erheben
Und durch den Lorbeer-Wald dreyfältig wiedergeben
Des Pindus Blumenstehn vor Wehmuth wie beschneyt.
Ach Schwestern! ach beklagt die Sonne von den Frauen
Bey der Zucht Adel Witz und Keuschheit war zu schauen!
Wich dünckt ich sehe noch die halb gebrochnen Blicke
So auffdes Liebsten Seel als Pfeile giengen loß;
Ich seh ein blutend Hertz von diesem Todes-Stoß
Von Grund aus durchgebohrt zerschmettert in viel Stücke.
Verhängnüß voller Noth und zorniges Gelücke!
Die ein gesegnet Band der treusten Lieb umbschloß
Aus derer Regungen ein gleicher Wille floß
Die trennet und entzweyt das himmlische Geschicke!
Timantes Pinsel muß hier einen Fürhang ziehen
Es würd ein güldner Mund solch unaussprechlich Leid
Das Marck und Blut verzehrt und in die Seele schneidt
Durch Trost zu legeu hin umbsonst sich nur bemühen.
Der Inbegrieff von Angst der Schau-Platz aller Schmertzē
Ist wenn der Tod zerreist zwey treu-vermählte Hertzen.
So liegt sein Augen-Trost im Blumen-reichen Lentzen
Der Jahre hingerafft so schweigt der Rosen-Mund
Der durch Behäglich seyn den Unmuth wenden kont
Und der Gespräch und Schertz nie ließ von seinen Gräntzen?
So sieht man ferner nicht der Augen Sterne gläntzen
Noch Nelck und Lilien blühn auff der Wangen Rund
So stärckt kein Blick kein Kuß hinfort der Liebe Bund
Das werth-geschätzte Haupt wird nicht ihr Arm bekräntzen?
Ach schmertzlicher Verlust! die seine Seele war
Ohn derer Gegenwart er nicht zu leben schiene
Die eilt aus dieser Welt der grossen Trauer-Bühne
Und legt sein halbes Hertz zugleich mit auff die Bahr.
Hoch-Edler ausser Streit soll er diß Zeugnüß haben
Daß bey der Liebsten Tod er selber sich begraben.
Die Cedern des Geschlechts sind nicht vom Tode frey
Der Ahnen grauer Ruhm kan nicht dem Schim̃el wehrē
Sonst könte dieses Grab nicht diesen Schatz verzehren
Den unter tausend Ach! und Weh! man leget bey.
Es wird ohn alles Ziel der
Jhr hoch-geliebtes Kind Blut-thränende begehren
Mit Seufftzen voller Gluth des Himmels Gunst beschweren
Ob nicht ihr eintzig Trost zurück zu ruffen sey.
Nicht seltne Frömmigkeit nicht angeborne Tugend
Und was die Menschen sonst auff Erden himmlisch macht
Vermögen zu entfliehn des schwartzen Grabes Nacht
Sie deckt des Alters Schnee und auch den Kern der Jugend.
Vermöchten diß der Stand Zucht Schönheit holde Sitten
Es wär der Seligen ihr Faden nicht zerschnitten.
Sind Sarg und Hochzeit-Bett einander so verwand?
Der gantze Helicon klang voller Freuden-Lieder
Die Venus und die Schaar der kleinen Liebes-Brüder
Entzündten beyder Hertz in angenehmen Brand
Und streuten Myrten aus und legten Hand in Hand
Daß weder Noth noch Tod diß Bündnüß risse nieder.
Ach aber! eh der Herbst zum vierdten kommet wieder
So liegt die Gratie verblast im kühlen Sand.
Jhr Braut-Krantz ist zu früh verkchrt in Wermut-Sträuche
Jhr prächtger Ehren-Rock ins dünne Sterbe-Kleid
Die Fackeln erster Lust bezeugen nun das Leid
Und sind von Angst geschwärtzt Geferthen bey der Leiche.
So viel Ergetzligkeit das Hochzeit-Fest gezieret
So viel Betrübnüß wird jetzt umb den Sarg gespüret.
Was Schwestern last ihr doch so bittre Thränen rinnen?
Es lebt die Selige in höchster Wonn und Lust
Sie liegt als eine Braut dem Heiland an der Brust
Und wohnt als Königin in Zions heilgen Zinnen.
Jetzt wird sie allererst der Herrligkeiten innen
Nun sie den Kelch des Heils das Brod des Lebens kost.
Was keines Menschen Aug und Ohren ist bewust
Diß kan sie gantz verklärt vor GOttes Thron gewinnen.
Sie tritt die Sterbligkeit nun unter ihre Füsse
Und siehet Sonn und Mond weit niedriger gestellt
Sie lacht der Eitelkeit der Grund-erboßten Welt
Nachdem sie JEsus labt durch heisse Liebes-Küsse.
Ach selig wer so wol legt ab des Fleisches Kleid!
Dem ist das finstre Grab ein Thor zur Ewigkeit.
Es ist der edle Geist dem Ursprung nachgegangen
Dieweil der Himmel ihm zum Ziele war gesteckt
Damit ihn nicht die Welt das Sünden-Haus befleckt
Wo Laster stets an uns wie Kletten bleiben hangen
Wo Frömmigkeit erstirbt wo Redligkeit gefangen
Und an den Fesseln liegt wo Tugend man verdeckt
Hingegen Trug und List im Grund des Hertzens heckt
Und gleich wie Etna brennt von Hoffart und Verlangen.
Der Kercker voller Qual der konte sie nicht halten
Wo wahre Liebe schwindt wo Glaub und Demuth sinckt
Wo eines lachende dem andern Gifft zutrinckt
Und alle gute Werck im Christenthum erkalten.
Drumb hat sie ihren Fuß der Laster-Bahn entzogen
Damit sie freudiger schritt’ auffdes Himmels Bogen.
Hoch-Edler seine Seel Urania ist todt
Allein ihm bleibt bekand der Wechsel den sie troffen
Wie viel der Herrligkeit er dermaleins zu hoffen
Wenn sie wird neben ihm vereinigt stehn bey GOtt.
Jetzt ist nicht Wunderns werth daß unerhörte Noth
Und Jammer-reicher Schmertz läst seine Wunden offen
Daß in der Thränen-Flut die Geister sind ersoffen
Und seine Seele speist der Trübsal hartes Brod.
Jedoch ein groß Gemüth in Weißheit ausgeübet
Mit Tugend wol verwahrt und mit Gedult umbsetzt
Weiß daß die jenigen so GOtt am liebsten schätzt
Offt mit dem schwersten Creutz und härtsten Proben übet.
Wiewol was sorg ich viel mit Trost ihn zu beschencken?
Er selbst der Weisheit Licht weiß sich hierin zu lencken.
Kommt Schwestern schmückt das Grab singt himmlische Gedichte!
Des Adels schöne Blum der Keuschheit Glantz uñ Zier
Der Tugend Sammelplatz muß zwar verwesen hier
Doch gläntzt die reine Seel in unumschriebnem Lichte.
Was seufftzt ihr Clarien mit blassem Angesichte?
Schafft daß ein ewig May sproß’ aus der Grufft herfür
Und daß die Nach-Welt auch kenn eure Dienst-Begier
So meldt den Sternen an ihr herrliches Gerüchte.
Sonst solt ihr euch nicht mühn ein Denck-Mahl auffzubauen:
Sie lebt ins Liebsten Hertz durch sich und durch ihr Kind.
Wo solche Zeugen nun stets gegenwärtig sind
Da darff man nicht die Lieb in Ertz und Marmel hauen
Sie ist auffs prächtigste der Seelen eingeprägt
Und wird nicht in das Grab als wie der Leib gelegt.