Thränen der Musen Zu Ehren Fr. U. M. v. A. g. v. K. geheiliget den 23. Aug. 1671...

By Heinrich Mühlpfort

Deckt Schwestern euer Haupt mit blassen Leid-Cypressē

Denckt auff ein Klage-Lied das Felsen machet weich

Denn eure Lust und Zier ist nunmehr kalt und bleich

Ja von dem grimmen Raub des Todes auffgefressen.

Apollo unser Fürst kan nicht den Fall ermessen

Der ihm höchst-schmertzlich scheint und in dem gantzen Reich

Ein Beyleid hat erweckt; Auff Schwestern! stim̃t zugleich

Die Leyr last uns den Ruhm der Werthsten nicht vergessen.

Die Thränen trocknen nicht so ihr dem Grabe weyht

Es wil den Trauer-Klang das Echo hoch erheben

Und durch den Lorbeer-Wald dreyfältig wiedergeben

Des Pindus Blumenstehn vor Wehmuth wie beschneyt.

Ach Schwestern! ach beklagt die Sonne von den Frauen

Bey der Zucht Adel Witz und Keuschheit war zu schauen!

Wich dünckt ich sehe noch die halb gebrochnen Blicke

So auffdes Liebsten Seel als Pfeile giengen loß;

Ich seh ein blutend Hertz von diesem Todes-Stoß

Von Grund aus durchgebohrt zerschmettert in viel Stücke.

Verhängnüß voller Noth und zorniges Gelücke!

Die ein gesegnet Band der treusten Lieb umbschloß

Aus derer Regungen ein gleicher Wille floß

Die trennet und entzweyt das himmlische Geschicke!

Timantes Pinsel muß hier einen Fürhang ziehen

Es würd ein güldner Mund solch unaussprechlich Leid

Das Marck und Blut verzehrt und in die Seele schneidt

Durch Trost zu legeu hin umbsonst sich nur bemühen.

Der Inbegrieff von Angst der Schau-Platz aller Schmertzē

Ist wenn der Tod zerreist zwey treu-vermählte Hertzen.

So liegt sein Augen-Trost im Blumen-reichen Lentzen

Der Jahre hingerafft so schweigt der Rosen-Mund

Der durch Behäglich seyn den Unmuth wenden kont

Und der Gespräch und Schertz nie ließ von seinen Gräntzen?

So sieht man ferner nicht der Augen Sterne gläntzen

Noch Nelck und Lilien blühn auff der Wangen Rund

So stärckt kein Blick kein Kuß hinfort der Liebe Bund

Das werth-geschätzte Haupt wird nicht ihr Arm bekräntzen?

Ach schmertzlicher Verlust! die seine Seele war

Ohn derer Gegenwart er nicht zu leben schiene

Die eilt aus dieser Welt der grossen Trauer-Bühne

Und legt sein halbes Hertz zugleich mit auff die Bahr.

Hoch-Edler ausser Streit soll er diß Zeugnüß haben

Daß bey der Liebsten Tod er selber sich begraben.

Die Cedern des Geschlechts sind nicht vom Tode frey

Der Ahnen grauer Ruhm kan nicht dem Schim̃el wehrē

Sonst könte dieses Grab nicht diesen Schatz verzehren

Den unter tausend Ach! und Weh! man leget bey.

Es wird ohn alles Ziel der

Jhr hoch-geliebtes Kind Blut-thränende begehren

Mit Seufftzen voller Gluth des Himmels Gunst beschweren

Ob nicht ihr eintzig Trost zurück zu ruffen sey.

Nicht seltne Frömmigkeit nicht angeborne Tugend

Und was die Menschen sonst auff Erden himmlisch macht

Vermögen zu entfliehn des schwartzen Grabes Nacht

Sie deckt des Alters Schnee und auch den Kern der Jugend.

Vermöchten diß der Stand Zucht Schönheit holde Sitten

Es wär der Seligen ihr Faden nicht zerschnitten.

Sind Sarg und Hochzeit-Bett einander so verwand?

Der gantze Helicon klang voller Freuden-Lieder

Die Venus und die Schaar der kleinen Liebes-Brüder

Entzündten beyder Hertz in angenehmen Brand

Und streuten Myrten aus und legten Hand in Hand

Daß weder Noth noch Tod diß Bündnüß risse nieder.

Ach aber! eh der Herbst zum vierdten kommet wieder

So liegt die Gratie verblast im kühlen Sand.

Jhr Braut-Krantz ist zu früh verkchrt in Wermut-Sträuche

Jhr prächtger Ehren-Rock ins dünne Sterbe-Kleid

Die Fackeln erster Lust bezeugen nun das Leid

Und sind von Angst geschwärtzt Geferthen bey der Leiche.

So viel Ergetzligkeit das Hochzeit-Fest gezieret

So viel Betrübnüß wird jetzt umb den Sarg gespüret.

Was Schwestern last ihr doch so bittre Thränen rinnen?

Es lebt die Selige in höchster Wonn und Lust

Sie liegt als eine Braut dem Heiland an der Brust

Und wohnt als Königin in Zions heilgen Zinnen.

Jetzt wird sie allererst der Herrligkeiten innen

Nun sie den Kelch des Heils das Brod des Lebens kost.

Was keines Menschen Aug und Ohren ist bewust

Diß kan sie gantz verklärt vor GOttes Thron gewinnen.

Sie tritt die Sterbligkeit nun unter ihre Füsse

Und siehet Sonn und Mond weit niedriger gestellt

Sie lacht der Eitelkeit der Grund-erboßten Welt

Nachdem sie JEsus labt durch heisse Liebes-Küsse.

Ach selig wer so wol legt ab des Fleisches Kleid!

Dem ist das finstre Grab ein Thor zur Ewigkeit.

Es ist der edle Geist dem Ursprung nachgegangen

Dieweil der Himmel ihm zum Ziele war gesteckt

Damit ihn nicht die Welt das Sünden-Haus befleckt

Wo Laster stets an uns wie Kletten bleiben hangen

Wo Frömmigkeit erstirbt wo Redligkeit gefangen

Und an den Fesseln liegt wo Tugend man verdeckt

Hingegen Trug und List im Grund des Hertzens heckt

Und gleich wie Etna brennt von Hoffart und Verlangen.

Der Kercker voller Qual der konte sie nicht halten

Wo wahre Liebe schwindt wo Glaub und Demuth sinckt

Wo eines lachende dem andern Gifft zutrinckt

Und alle gute Werck im Christenthum erkalten.

Drumb hat sie ihren Fuß der Laster-Bahn entzogen

Damit sie freudiger schritt’ auffdes Himmels Bogen.

Hoch-Edler seine Seel Urania ist todt

Allein ihm bleibt bekand der Wechsel den sie troffen

Wie viel der Herrligkeit er dermaleins zu hoffen

Wenn sie wird neben ihm vereinigt stehn bey GOtt.

Jetzt ist nicht Wunderns werth daß unerhörte Noth

Und Jammer-reicher Schmertz läst seine Wunden offen

Daß in der Thränen-Flut die Geister sind ersoffen

Und seine Seele speist der Trübsal hartes Brod.

Jedoch ein groß Gemüth in Weißheit ausgeübet

Mit Tugend wol verwahrt und mit Gedult umbsetzt

Weiß daß die jenigen so GOtt am liebsten schätzt

Offt mit dem schwersten Creutz und härtsten Proben übet.

Wiewol was sorg ich viel mit Trost ihn zu beschencken?

Er selbst der Weisheit Licht weiß sich hierin zu lencken.

Kommt Schwestern schmückt das Grab singt himmlische Gedichte!

Des Adels schöne Blum der Keuschheit Glantz uñ Zier

Der Tugend Sammelplatz muß zwar verwesen hier

Doch gläntzt die reine Seel in unumschriebnem Lichte.

Was seufftzt ihr Clarien mit blassem Angesichte?

Schafft daß ein ewig May sproß’ aus der Grufft herfür

Und daß die Nach-Welt auch kenn eure Dienst-Begier

So meldt den Sternen an ihr herrliches Gerüchte.

Sonst solt ihr euch nicht mühn ein Denck-Mahl auffzubauen:

Sie lebt ins Liebsten Hertz durch sich und durch ihr Kind.

Wo solche Zeugen nun stets gegenwärtig sind

Da darff man nicht die Lieb in Ertz und Marmel hauen

Sie ist auffs prächtigste der Seelen eingeprägt

Und wird nicht in das Grab als wie der Leib gelegt.