Threnende Augen.
Edle Hirtinn! deine Zähren
die du oft pflegst zuverröhren
aus den lieben Aeugelein
kan ich unberedt nit lassen
ich muß meine Feder fassen
sie in Threnen tunken ein.
Deine Schwanenweisse Wangen
wann daran die Zehrlein hangen
sind den Perlen Muscheln gleich,
Perle! du lässt Perlen rinnen:
fangt sie auf ihr Nereinnen!
solches Weinen machet reich.
Diamanten die zerflossen
kommen Backen-ab geschossen.
Deine Augen sihet man
viel Krystallen-tropfen ballen.
Ach! daß ich nit dieses Wallen
diese Threnen stopfen kan!
Ja sie fliessen mir zu Herzen:
die gewißlich nicht ohn Schmerzen
aus dem Herzen fliessen dir.
Sag doch mein! was für Ursachen
mögen dich wohl weinend machen?
Ich rah
Sind dann deine Aeuglein Bronnen?
die man sehend hält vor Sonnen?
Feur und Wasser reimt sich nicht.
Es wird strahlen nicht so helle
wann es seyn will eine Quelle
deiner Augenliechter Liecht.
Schöne Sonnen! ihr solt scheinen
nicht betrübte Threnen weinen.
Euer Himmel da ihr steht
dieses himmlisch’ Angesichte
siht viel schöner wann es liechte
als wann es trüb übergeht.
Zwar mein Urtheil beyzulegen:
ihr seit Sonne seit auch Regen.
Weil ihr Herzen zündet an
liebe Aeuglein! muß ingleichen
eure Quelle Löschung reichen
giessen manchen frischen Thran.
Ihr beweinet itzt die Schmerzen
die einmal Verliebten Herzen
eure Schönheit machen wird.
Die viel Weinens noch soll machen
weiner billig die ins Lachen
künftig eine Theurung führt.
selbst die Liebe recht zusagen
hat hier Wohnung aufgeschlagen.
Herzen die der Augen Glut
nicht zerschmelzet Stein und Eichen
soll bezwingen und aufweichen
eben dieser Augen Flut.
Oder wie die Thau-Krystallen
lässet Frau Aurora fallen
auf der Blumen buntes Beet:
also lässt auch Tropfen schiessen
auf die Wangenblumen fliessen
deiner Aeuglein Morgenröt.
Ja es sind auf deinen Wangen
Liljen Rosen aufgegangen.
Gern woltst du noch schöner seyn:
darüm daß sie wachsen mögen
giessen deine Aeuglein Regen
auf sie und auch Sonneschein.
Ey so werde schöner weine!
so beregne und bescheine:
deiner Wangen Liljenfeld:
daß daselbst auch Rosen glühen;
daß die Bäcklein röhter blühen
die man schier vor bleiche hält.
Doch so weine nicht so sehre!
diese nasse Threnen Meere
löschen deins Schönheit aus.
Wirst du vor das Weinen lachen:
wirst du dich viel schöner machen.
Lachen ist der Schönheit Haus.
An die falschen Weiber-zehren
sagt man soll sich niemand kehren.
An des feuchten Nilus Rand
weinen auch die Krokodilen
wann sie auf die Menschen zielen
sie zu tödten wie bekandt.
Weine nicht! man dörfte wähnen
daß du auch zu solchen Threnen
deine Augen richtest ab.
Wann man dacht die Son̄en scheinen:
säh man trübe Wolken weinen
alle Freude gieng zu Grab.
Doch wer wolt von dir das gläuben?
Recht dein Weinen zubeschreiben:
Treue Augen weinen gern.
Dieses helle Threnen-rinnen
ist ein Spiegel deiner Sinnen
O du klarer Tugend Stern!
Zwar wann ich es recht erreiche:
Feige Herzen die sind weiche
weichen bald und schmelzen hin
wann ein schwülligs Windlein wehet;
sind von Wachs das nicht bestehet.
So wird ja nit seyn dein Sinn?
Nein nein! einen Muht dir fasse:
blasses Leid laß dich nit nasse
laß es dich nit machen blöd.
Bey der Schönheit wie die deine
steht ein grosser Muht gar feine
der in Unglück fäste steht.
Eines noch! kein Zorn-erbitzen
wird dich ja nit machen schwitzen
diese Threnen die man siht?
Nein nein! dieser Augen Regen
wittert nicht mit Blitz und Schlägen;
diese Quell giest lauter Fried.
Nach dem Regen scheint die Sonne.
Auf das Weh folgt Wohl und Wonne.
Edle Hirrinn wein’ und!
Glück wird dich noch frölich machen:
daß wir süsse sehen lachen
deinen schönen Rosenmund.