Threnende Augen.

By Sigmund von Birken

Edle Hirtinn! deine Zähren

die du oft pflegst zuverröhren

aus den lieben Aeugelein

kan ich unberedt nit lassen

ich muß meine Feder fassen

sie in Threnen tunken ein.

Deine Schwanenweisse Wangen

wann daran die Zehrlein hangen

sind den Perlen Muscheln gleich,

Perle! du lässt Perlen rinnen:

fangt sie auf ihr Nereinnen!

solches Weinen machet reich.

Diamanten die zerflossen

kommen Backen-ab geschossen.

Deine Augen sihet man

viel Krystallen-tropfen ballen.

Ach! daß ich nit dieses Wallen

diese Threnen stopfen kan!

Ja sie fliessen mir zu Herzen:

die gewißlich nicht ohn Schmerzen

aus dem Herzen fliessen dir.

Sag doch mein! was für Ursachen

mögen dich wohl weinend machen?

Ich rah

Sind dann deine Aeuglein Bronnen?

die man sehend hält vor Sonnen?

Feur und Wasser reimt sich nicht.

Es wird strahlen nicht so helle

wann es seyn will eine Quelle

deiner Augenliechter Liecht.

Schöne Sonnen! ihr solt scheinen

nicht betrübte Threnen weinen.

Euer Himmel da ihr steht

dieses himmlisch’ Angesichte

siht viel schöner wann es liechte

als wann es trüb übergeht.

Zwar mein Urtheil beyzulegen:

ihr seit Sonne seit auch Regen.

Weil ihr Herzen zündet an

liebe Aeuglein! muß ingleichen

eure Quelle Löschung reichen

giessen manchen frischen Thran.

Ihr beweinet itzt die Schmerzen

die einmal Verliebten Herzen

eure Schönheit machen wird.

Die viel Weinens noch soll machen

weiner billig die ins Lachen

künftig eine Theurung führt.

selbst die Liebe recht zusagen

hat hier Wohnung aufgeschlagen.

Herzen die der Augen Glut

nicht zerschmelzet Stein und Eichen

soll bezwingen und aufweichen

eben dieser Augen Flut.

Oder wie die Thau-Krystallen

lässet Frau Aurora fallen

auf der Blumen buntes Beet:

also lässt auch Tropfen schiessen

auf die Wangenblumen fliessen

deiner Aeuglein Morgenröt.

Ja es sind auf deinen Wangen

Liljen Rosen aufgegangen.

Gern woltst du noch schöner seyn:

darüm daß sie wachsen mögen

giessen deine Aeuglein Regen

auf sie und auch Sonneschein.

Ey so werde schöner weine!

so beregne und bescheine:

deiner Wangen Liljenfeld:

daß daselbst auch Rosen glühen;

daß die Bäcklein röhter blühen

die man schier vor bleiche hält.

Doch so weine nicht so sehre!

diese nasse Threnen Meere

löschen deins Schönheit aus.

Wirst du vor das Weinen lachen:

wirst du dich viel schöner machen.

Lachen ist der Schönheit Haus.

An die falschen Weiber-zehren

sagt man soll sich niemand kehren.

An des feuchten Nilus Rand

weinen auch die Krokodilen

wann sie auf die Menschen zielen

sie zu tödten wie bekandt.

Weine nicht! man dörfte wähnen

daß du auch zu solchen Threnen

deine Augen richtest ab.

Wann man dacht die Son̄en scheinen:

säh man trübe Wolken weinen

alle Freude gieng zu Grab.

Doch wer wolt von dir das gläuben?

Recht dein Weinen zubeschreiben:

Treue Augen weinen gern.

Dieses helle Threnen-rinnen

ist ein Spiegel deiner Sinnen

O du klarer Tugend Stern!

Zwar wann ich es recht erreiche:

Feige Herzen die sind weiche

weichen bald und schmelzen hin

wann ein schwülligs Windlein wehet;

sind von Wachs das nicht bestehet.

So wird ja nit seyn dein Sinn?

Nein nein! einen Muht dir fasse:

blasses Leid laß dich nit nasse

laß es dich nit machen blöd.

Bey der Schönheit wie die deine

steht ein grosser Muht gar feine

der in Unglück fäste steht.

Eines noch! kein Zorn-erbitzen

wird dich ja nit machen schwitzen

diese Threnen die man siht?

Nein nein! dieser Augen Regen

wittert nicht mit Blitz und Schlägen;

diese Quell giest lauter Fried.

Nach dem Regen scheint die Sonne.

Auf das Weh folgt Wohl und Wonne.

Edle Hirrinn wein’ und!

Glück wird dich noch frölich machen:

daß wir süsse sehen lachen

deinen schönen Rosenmund.