Thüringer Wald
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
O schöne Gegend welche mir
Das alte Deutschland stellet für
Wie unsrer Tuisconen Schaar
Vorzeiten so vergnüget war
Wie sie dem linden Strome nach
Der Silber-hellen Spiegel-Bach
In ein begrüntes Thal hinaus
Gebauet manch geringes Hauß
In welchem sie mit Fried und Ruh
Ihr langes Alter brachten zu
Und ohne schnödes Mein und Dein
Mit dem vergnüget konten seyn
Was sonder viel-gebrauchte Müh
Darreichte Wiese Wald und Vieh.
O selig wer zu dem bereit
Beschlüssen kan den Lauff der Zeit
In seines Vaterlandes Schoß
Von gutten Freunden nimmer bloß
Um Schätz und Gütter unbetrübt
In keine Pracht der Welt verliebt
Läst seine beste Lust allein
Freund Bücher und Gewissen seyn
Geniest des Orts in stiller Ruh
Der seinen Sitten saget zu.
Ihm zeiget sich der grüne Wald
Nicht minder nütz als wohlgestalt
Der Glutt und Kühlung bey sich trägt
Und tausend Sänger in sich hegt.
Da sieht er wie der kläre Fluß
Zum Tranck und Spiegel dienen muß:
Da giebt ihm Ruhe bey der Nacht
Vor Sorgen-voller Bette Pracht
Die mehr als Bley und Centner schwer
Das auffgebreitte Blumen-Heer
Wenn seine Lichter schläffet ein
Der viel beschaute Monden-Schein
Der Himmel und ein freyer Mutt
Deckt seine Glieder mehr als gutt
Zur Speise dienet Frucht und Wild
So den gesunden Magen füllt
Ohn eitle Sorge für den Leib.
Gedancken seyn der Zeit-Vertreib
Die sich ohn allen Kummer frey
Dem Sternen-Dache schwingen bey
Und hat er keinen Uberfluß
So ist nichts was er darben muß.