Tod der frommen Bey beerdigung Hn. G. A. v. Kottwitz. D. T.
Verzeih daß ich dein grab mit fernem auge netze
Der um ein ander grab ich hier bemühet bin
Und statt der letzten pflicht dir diese zeilen setze
Mein Kottwitz dessen mund so zeitlich muß verblühn;
Dein stundenglaß zerbricht dein lebens-licht verschwindet
Kaum eh es die natur gestellt und angezündet!
So ists des HErren rath hegt so verborgne schlüsse!
Es ist der alte spruch: Der fromme stirbet früh.
Nichts hindert was man auch vor sorg und ausflucht wisse;
Daß nicht des Höchsten arm die seinen nach sich zieh:
Wer einmahl sich dem thun des himmels hat ergeben
Kan nirgends besser als bey dessen sternen leben.
Zwar das verwehnte fleisch und mehr als zarte wallen
Das nach dem ersten fall in unsern adern glüht
Sucht lieber auff der welt sein höchstes wolgefallen;
Indem es irrdsche kost in seine nahrung zieht:
Man will mit grossem schein von vielem unrecht sagen
Wenn uns Gott zeitig läst zu unserm grabe tragen.
Bald soll der lichte schmuck gekrönter diamanten
Der hoch-erhabne thron des purpers fürstlich schein
Des zepters mächtig gold die schaaren der trabanten
Uns von der finstern nacht der engen grufft befreyn:
Und keiner fast bedenckt wie der verklärte schimmer
Der hellen ewigkeit trotz’ alle käyser-zimmer.
Bald soll der vorfahrn thun die längst die grufft geschauet
Und vieler schilde werth und vieler fahnen pracht
Das schloß das dazumahl der anherr noch gebauet
Verhindern und verwehrn des todes strenge macht:
Und niemand kennt den glantz der edlen seraphinen
Die um den sieges-stuhl des streitbarn lammes dienen.
Und die die durch verstand der erden sich entrissen
Und an der sterne pol den klugen geist gebracht
Begehren gleichfals nichts von irrdscher grufft zu wissen
Sie kleben an der welt die doch ihr sinn verlacht:
Verwegen; denn es ist nur stückwerck ihr studieren:
Dort kan der weißheit brunn das gantze werck vollführen.
Bald aber soll die zier der rosen-vollen wangen
Der frühling der verjüngt auf allen gliedern blüht
Die heßliche gestalt des todes nicht erlangen
Man ist vor wurm und wust mit safft und kraut bemüht:
Und dieser schimmel kan uns doch zu engeln machen
Und in den Eden führn wo tausend blumen lachen.
Auch die mit geld und gut bis oben an gefüllet
Bey derer überfluß die kargheit taffel hält
Die haben darum nie den hunger recht gestillet
Weil ihre närrsche furcht auf spätes alter fällt:
Unwissend daß der nutz der himmelischen schätze
Weit mehr als irrdscher koth der seelen wunsch ergötze.
Ja die erfahrenheit und der verdienste menge
Erfindung die der welt viel neues hat entdeckt
Hält das gesetzte ziel der grufft vor allzuenge;
Als wäre noch so viel in unsrer brust versteckt:
Und ieder weiß daß doch die kentniß aller dinge
Uns erst im paradis’ und nach der grufft gelinge.
Am meisten aber bricht der menschen kühnes klagen
Bey übereiltem fall der frühen jugend aus;
Da weiß man nicht genug von hoffnungen zu sagen:
Bejammern und verlust erfüllt das gantze hauß:
Da fallen pfeiler ein und schlösser der gedancken:
Da will der gantze bau von unsrer freude wancken.
Verwehnte sterblichen! und mehr als irrdsche sinnen!
Klebt euer niedrig geist so gar dem untern an?
Betrachtet nur einmahl die überirrdsche zinnen
Die ohn empfindlichkeit kein mensch betrachten kan!
Geht einmahl aus euch selbst entreißt euch der gedancken
Die euren geist verwirrn in diese erden-schrancken!
Und o wie bald solt ihr dis arme rund verachten
Und dessen eitelkeit mit eckel schauen an:
Wie gantz begierig solt ihr nach den schlössern trachten
Wo euch das höchste gut unendlich werden kan:
Euch soll in kurtzer zeit so sehnlich bange werden;
Umb nur so fort zu fliehn die eiteln lust-beschwerden!
Denn was verführt uns mehr in abgrund böser lüste
Als das Sirenen-lied der lockend-schlauen welt?
Dis wohnhauß da wir sind ist eine weite wüste
Wo löw und tieger uns nach fleisch und leben stellt:
Ein kercker in dem wir gefesselt speise nehmen
Und uns um kurtze lust zu ewger pein bequemen.
Wer diesem netze nun bey zeiten noch entgehet
Eh ihn die eitle pracht in dessen schlingen trieb
Eh er den schlauen kram der laster recht verstehet
Hat den des Höchsten hertz nicht wol vor andern lieb?
Das schaf ist aller list des wolffes bald entschwunden
Das zeitig seinen weg ins hirten-hauß gefunden.
Und also macht es auch der himmel mit den seinen
Die ihm in dieser welt mit treuer brust gedient:
Er fodert sie zu sich eh sie und wirs vermeinen
Und stellt sie an den ort wo sichres wohlseyn grünt:
Kein frommer wie gar bald er auch wird weggenommen
Ist wenn mans recht bedenckt der welt zu früh entkommen.
Und so verletzen wir auch mehr mit unsern thränen
Mein Kottwitz deinen tod als unsrer pflicht gebührt.
Du hast den port erlangt wornach viel tausend sehnen
Die dieser wüsten welt gefährlich Scylla rührt.
Du bist zwar früh doch fromm und mit viel nutz gestorben:
Denn eh du recht gekämpft hast du den sieg erworben.
Du stehst mit größrer pracht nun vor des HErren throne
Als tausend edele üm ihren fürsten stehn:
Nun deckt dich ein gewand nun schmückt dich eine krone
Vor derer kostbarkeit uns aug’ und ohr vergehn
Und deine seiten schleust der engel heilig orden:
Denn ihrer anmuth ist dein alter gleiche worden.
Mehr kan mein sterblich kiel in keine reime bringen
Hier schwindet mein verstand der dir weit unten steht;
Du hörst die ältesten des HErren heilig singen
Da meine lehrsamkeit mit kindern noch umgeht:
Wer der entseelten stand vollkommen will beschreiben
Muß selbsten auch nicht mehr in seinem leibe bleiben.
Viel besser müh ich mich bey deinen grufft-cypressen
Dein fromm-geführtes thun nachrühmlich zu erhöhn:
Mein Kottwitz deiner wird man nicht so bald vergessen
So lange diß noch wird auf deinem grabe stehn:
Hier liegt ein Edelmann der weil er in dem orden
Der frommen hat gelebt zum himmels-fürsten worden.