Todes-Liebe Jfr. M. S. S. v. L. den 7. Aug. 1667.
So wilstu Seelige nicht mehr im Schatten leben?
So eilt dein reiner Geist dem Abend zu entgehn?
So sol kein sterblich Arm dir hier ein Brant-Kleid webẽ?
Nein; denn du wilst verklärt dort bey den Engeln stehn.
Beliebt dir ferner nicht den Schau-Platz zu beschreiten
Der deine Jugend selbst zum Bild der Schönheit macht?
Schlägstu großmüthig aus so viel Ergetzligkeiten
Und legst verächtlich hin den Frühling deiner Pracht?
Muß nun das schwartze Grab der Glieder Anmuth fressen?
Verfällt der Jahre Blum in einen dürren Sand?
Kröhnt dein so schönes Haupt ein Strauch von Leid-Cypressen
Da doch die gantze Stadt dir Myrten zuerkannt?
Ach jal so viel deucht uns es sey von dir verdorben
Wir albern Sterblichen wir nennen diß Verlust
Da doch die Seeligste im wenigsten gestorben
Sie lebt und lieget nun dem Heyland an der Brust.
Fleuch rieff er Freundin fleuch und geh’ in deine Kammer
Verbirg dich biß du wirst mein Antlitz wieder sehn
Der Jrrsaal dieser Welt hegt nichts als Angst und Jammer
Wer sich vergehen wird umb den ists auch geschehn.
Die Stimme trieb sie an die Erde zu verlachen
Und was sonst prächtig scheint das sah’ ihr heßlich aus
Sie wuste daß wie groß wir unsre Wercke machen
Sie endlich doch vergehn in Asche Staub und Grauß.
Daß die Begierden uns im Leben noch verzehren
Die Kindheit kennt sich nicht die Jugend brennt voll Gluth
Den Kern der besten Zeit wird Sorg’ und Neid beschweren
Das Alter weiß es nicht wie es so kindisch thut.
Und solt’ ein zarter Geist nicht diese Dornen fliehen
Die umb der Keuschheit Blum als Feind’ im Angriff stehn?
Sol sich ein reines Hertz dem Netze nicht entziehen
Das zwar die Wollust spinnt doch macht daß wir vergehn?
Es hat die
Als die ihr Bräutigam ihr von dem Himmel wieß
Und die uns Sterbliche mit GOtt so fest verbindet
Und zu Einwohnern macht in jenem Paradieß.
Wen solche Liebe rührt und solch Verlangen brennet
Der eilet aus dem Thal der Thränen Tag und Nacht
Und weiß daß weder Noth noch Tod den Vorsatz trennet
Den Glaube unterbaut und Andacht embsig macht.
Die
Ich bilde mir dich nicht wie man dich mahlet ein
Denn meine Seele wil dich liebster Gast umbfangen
Du solst ihr Führer und sie wird Gefärtin seyn.
Was säumstu mir anjetzt die Augen zuzudrücken?
Klopf’immer an das Hertz es schläget nur nach dir.
Ich trage keine Scheu vor deinem Pfeil’ und Stricken
Dein Ansehn das erweckt zum Sterben die Begier.
Mein Braut-Krantz den ich geb’ in des Erlösers Hände
Das ist mein rein Gemüth von keiner Brunst befleckt.
Die Seuffzer so ich aus dem Grund des Hertzens sende
Sind Zeugen daß nach ihm mein eintzig Ziel gesteckt.
Doch irr ich oder nicht mein Bräutgam ist zugegen
In seinen Armen find’ ich die gewünschte Rul.
Willkommen Seelen-Schatz mein eintziges Vermögen
Der mich vergnügen kan ist keiner sonst als du.
Klagt doch ihr Eltern nicht der Jugend Morgen-Röthe
Die hier im Sarg’ erbleicht geht dort den Sternen für.
Denckt nicht daß meinen Ruhm ein zeitlich Tod ertödte
Der neuen Klarheit weicht der schönsten Perlen Zier.
So starb
Gleich einer Blume die von grosser Hitze fällt
Die in der Sommers-Zeit der Hunds-Stern hat verdrungen
Daß ihre Hoheit nicht deu ersten Glantz behält.
Wiewol den edlen Stamm die Lieblichkeit der Jugend
Die Sitten guter Art den himmlischen Verstand
Des Leibes Hurtigkeit und angeerbte Tugend
Man nicht zu Grabe trägt noch scharret in den Sand.
Sie prangt im Sieges-Krantz der Schnee und Lilgen pochet
Die Unschuld kleidet sie in weisse Seiden ein.
Vergebens daß man was ihr Grab zu krönen suchet.
Sie ist des Höchstens Braut wie kan sie schöner seyn.
Ein andre frey nach Stand nach Hoheit nach Gelücke
Sie hat den Sammel-Platz der Freuden schon erlangt
Sie küßt des Liebsten Mund und gibt ihm solche Blicke
In welcher Straal und Blitz sie Engeln gleiche prangt.
Du Seelig' Edle Seel hast nun den Bitterkeiten
Die dir dein Name bringt glückselig obgesiegt
Die Würde so dich ziert kennt nicht das Rad der Zeiten
Du siehst wie Sonn und Mond zu deinen Füssen liegt.
Dein Ehren-Wagen gläntzt von tausend Lorbeer-Reisern
Die Ampel ist voll Oel und zeigt die lichte Loh
Dein Bräutgam schleust dir auff und wil sich nicht enteusern
Ob deiner Ankunfft Ruhm die Keuschheit macht ihn froh.
Die Liebe die du führst ist unerschöpffte Wonne
Die Flamme die dich brennt weiß weder Maß noch Ziel.
Die Gluth in der du stirbst gibt dir die Lebens-Sonne
Dein Brand ist solche Brunst die JEsus haben wil.
Es wird der blasse Mund mehr als Rubinen gläntzen
Der Wangen Ros’ ist dort an hundert Blättern reich.
Und ob wir schon den Sarg mit allem Schmuck bekräntzen
So kömmt er nimmermehr den Himmels-Schlüsseln gleich:
Geht hin ihr Sterblichen verliebt euch in Gestalten
Die offt ein einzig Wind und Fieber schändlich macht
Nein unsrer
Sie leuchtet wie ein Stern aus dunckel-stiller Nacht.
Wer irrdisch ist verliebt hat zur Belohnung Schmertzen
Wer seine Jungferschafft alleine GOtt geweiht
Empfindet nichts als Lust wenn er von hier sol stertzen
Und seine Seele wohnt im Schloß der Ewigkeit.