Todes-Liebe Jfr. M. S. S. v. L. den 7. Aug. 1667.

By Heinrich Mühlpfort

So wilstu Seelige nicht mehr im Schatten leben?

So eilt dein reiner Geist dem Abend zu entgehn?

So sol kein sterblich Arm dir hier ein Brant-Kleid webẽ?

Nein; denn du wilst verklärt dort bey den Engeln stehn.

Beliebt dir ferner nicht den Schau-Platz zu beschreiten

Der deine Jugend selbst zum Bild der Schönheit macht?

Schlägstu großmüthig aus so viel Ergetzligkeiten

Und legst verächtlich hin den Frühling deiner Pracht?

Muß nun das schwartze Grab der Glieder Anmuth fressen?

Verfällt der Jahre Blum in einen dürren Sand?

Kröhnt dein so schönes Haupt ein Strauch von Leid-Cypressen

Da doch die gantze Stadt dir Myrten zuerkannt?

Ach jal so viel deucht uns es sey von dir verdorben

Wir albern Sterblichen wir nennen diß Verlust

Da doch die Seeligste im wenigsten gestorben

Sie lebt und lieget nun dem Heyland an der Brust.

Fleuch rieff er Freundin fleuch und geh’ in deine Kammer

Verbirg dich biß du wirst mein Antlitz wieder sehn

Der Jrrsaal dieser Welt hegt nichts als Angst und Jammer

Wer sich vergehen wird umb den ists auch geschehn.

Die Stimme trieb sie an die Erde zu verlachen

Und was sonst prächtig scheint das sah’ ihr heßlich aus

Sie wuste daß wie groß wir unsre Wercke machen

Sie endlich doch vergehn in Asche Staub und Grauß.

Daß die Begierden uns im Leben noch verzehren

Die Kindheit kennt sich nicht die Jugend brennt voll Gluth

Den Kern der besten Zeit wird Sorg’ und Neid beschweren

Das Alter weiß es nicht wie es so kindisch thut.

Und solt’ ein zarter Geist nicht diese Dornen fliehen

Die umb der Keuschheit Blum als Feind’ im Angriff stehn?

Sol sich ein reines Hertz dem Netze nicht entziehen

Das zwar die Wollust spinnt doch macht daß wir vergehn?

Es hat die

Als die ihr Bräutigam ihr von dem Himmel wieß

Und die uns Sterbliche mit GOtt so fest verbindet

Und zu Einwohnern macht in jenem Paradieß.

Wen solche Liebe rührt und solch Verlangen brennet

Der eilet aus dem Thal der Thränen Tag und Nacht

Und weiß daß weder Noth noch Tod den Vorsatz trennet

Den Glaube unterbaut und Andacht embsig macht.

Die

Ich bilde mir dich nicht wie man dich mahlet ein

Denn meine Seele wil dich liebster Gast umbfangen

Du solst ihr Führer und sie wird Gefärtin seyn.

Was säumstu mir anjetzt die Augen zuzudrücken?

Klopf’immer an das Hertz es schläget nur nach dir.

Ich trage keine Scheu vor deinem Pfeil’ und Stricken

Dein Ansehn das erweckt zum Sterben die Begier.

Mein Braut-Krantz den ich geb’ in des Erlösers Hände

Das ist mein rein Gemüth von keiner Brunst befleckt.

Die Seuffzer so ich aus dem Grund des Hertzens sende

Sind Zeugen daß nach ihm mein eintzig Ziel gesteckt.

Doch irr ich oder nicht mein Bräutgam ist zugegen

In seinen Armen find’ ich die gewünschte Rul.

Willkommen Seelen-Schatz mein eintziges Vermögen

Der mich vergnügen kan ist keiner sonst als du.

Klagt doch ihr Eltern nicht der Jugend Morgen-Röthe

Die hier im Sarg’ erbleicht geht dort den Sternen für.

Denckt nicht daß meinen Ruhm ein zeitlich Tod ertödte

Der neuen Klarheit weicht der schönsten Perlen Zier.

So starb

Gleich einer Blume die von grosser Hitze fällt

Die in der Sommers-Zeit der Hunds-Stern hat verdrungen

Daß ihre Hoheit nicht deu ersten Glantz behält.

Wiewol den edlen Stamm die Lieblichkeit der Jugend

Die Sitten guter Art den himmlischen Verstand

Des Leibes Hurtigkeit und angeerbte Tugend

Man nicht zu Grabe trägt noch scharret in den Sand.

Sie prangt im Sieges-Krantz der Schnee und Lilgen pochet

Die Unschuld kleidet sie in weisse Seiden ein.

Vergebens daß man was ihr Grab zu krönen suchet.

Sie ist des Höchstens Braut wie kan sie schöner seyn.

Ein andre frey nach Stand nach Hoheit nach Gelücke

Sie hat den Sammel-Platz der Freuden schon erlangt

Sie küßt des Liebsten Mund und gibt ihm solche Blicke

In welcher Straal und Blitz sie Engeln gleiche prangt.

Du Seelig' Edle Seel hast nun den Bitterkeiten

Die dir dein Name bringt glückselig obgesiegt

Die Würde so dich ziert kennt nicht das Rad der Zeiten

Du siehst wie Sonn und Mond zu deinen Füssen liegt.

Dein Ehren-Wagen gläntzt von tausend Lorbeer-Reisern

Die Ampel ist voll Oel und zeigt die lichte Loh

Dein Bräutgam schleust dir auff und wil sich nicht enteusern

Ob deiner Ankunfft Ruhm die Keuschheit macht ihn froh.

Die Liebe die du führst ist unerschöpffte Wonne

Die Flamme die dich brennt weiß weder Maß noch Ziel.

Die Gluth in der du stirbst gibt dir die Lebens-Sonne

Dein Brand ist solche Brunst die JEsus haben wil.

Es wird der blasse Mund mehr als Rubinen gläntzen

Der Wangen Ros’ ist dort an hundert Blättern reich.

Und ob wir schon den Sarg mit allem Schmuck bekräntzen

So kömmt er nimmermehr den Himmels-Schlüsseln gleich:

Geht hin ihr Sterblichen verliebt euch in Gestalten

Die offt ein einzig Wind und Fieber schändlich macht

Nein unsrer

Sie leuchtet wie ein Stern aus dunckel-stiller Nacht.

Wer irrdisch ist verliebt hat zur Belohnung Schmertzen

Wer seine Jungferschafft alleine GOtt geweiht

Empfindet nichts als Lust wenn er von hier sol stertzen

Und seine Seele wohnt im Schloß der Ewigkeit.