Trauer-Aria auf diesen hohen Todes-Fall ...
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Die Sonne geht nunmehr zu Rüste
Wo tausend hingegangen seyn.
Der Glantz der uns zuvor begrüste
Hült sich in Todes Schatten ein.
Die Hertzen aber möchten brechen
Die schon im Blute thränend stehn
Daß wir die Worte sollen sprechen:
Den Gang der Welt muß alles gehn
Ein Herr der stets vor Augen schwebet
Hat andern gleich den Todt erlebet.
Echo: Er lebet.
Er lebet weil kein Glantz verschwindet
Den Tugend angezündet hat.
So wenig man das Meer ergründet
So wenig man das Sonnen Rad
In seinem Lauffe weiß zu halten
So wenig wird dieß hohe Hauß
An Sternen klaren Ruhm erkalten
So wenig löscht sein Feuer aus.
Doch was uns muß zu Wermuth werden
So lebt der Graf nicht mehr auf Erden.
Echo: auf Erden.
Auf Erden wo? in aller Hertzen
Der Hochbetrübten Gräfin Brust?
Wo ihrer güldnen Treue Kertzen
Kein Sturm zu löschen nie gewust?
Weil Phœnix aus der Aschen steigen
So lebt er auch und wird zuletzt
Mit tausend tiefen Ehr-Bezeigen
Bey jedem lebend beygesetzt.
Trost Augen-Lust sind nur gehoben
Hier lebt er nicht rufft man dort oben.
Echo: dort oben.
Er lebt auf Erden und dort oben
So rufft der Wiederschall zurück!
Man muß auch Gott im Creutze loben.
Betrübt doch seeliges Geschick!
Durch Thränen die auf Erden fallen
Muß eine Freuden-Ernd' entstehn
Daß wir einst Perlen und Corallen
In diesem Unglücks Meere sehn.
Gott laß uns hier im Seegen schweben
Und unsre theure Herrschafft leben.