Trauer-Ged ancken Bey Beerdigung Fr. R. G. g. K. den 17. Jan. 1671.

By Heinrich Mühlpfort

So ziehstu Seelige aus deiner irrdnen Hütten

Verläst des Leibes-Hauß von Erd und Leim erbaut

Nachdem du mit Gedult den Tod hast überstritten

Und deine Seele nun das Schloß der Freuden schaut.

Diß ist ein ander Hauß als unsre Leimne Wände

Die einer Folterbanck mit Recht zu gleichen sind;

Diß hellbesternte Schloß kennt keine Menschen-Hände

Weil es von Ewigkeit der Schöpffer hat gegründt.

Du sihst nun Sonn und Mond zu deinen Füssen ligen

Hast Engel neben dir als treue Nachbarn stehn

Wir leben noch im Kampf du prangst in lauter Siegen

Da uns das Creutze drückt kanst du gekrönet gehn.

Dich speist des Lebens Brod uns Salsen bittrer Sünden

Und deiner Herrligkeit ist keine Hoheit gleich.

Der beste Redner wird hier keine Worte finden

Womit er melden kan den Glantz in GOttes Reich.

Zu dem so ist dein Ruhm auch hier nicht gar gestorben

Dein frommer Lebens-Lauf ziert deinen Leichen-Sein;

Die wahre Gottesfurcht hat dir den Spruch erworben

Daß du ein Muster kanst betagter Witwen seyn.

Du hast wie Monica mit Beten und mit Singen

Die meiste Lebens-Zeit andächtig zugebracht

Und dir des HErren Furcht vor allen andren Dingen

Zur Richtschnur fürgesetzt und dich darnach geacht.

Du bist Zenobia dem Armuth stets gewesen

Und hast in Leid und Noth beständig dich geübt

Nun kanstu auch davor die Freuden-Erndt einlesen

Ob gleich der Thränen Bach zum öfftern dich betrübt.

Wie hastu nicht gewünscht in den verlebten Tagen

Und da die böse Welt in Lastern sich verjahrt

Die Hand voll Fleisch und Blut zu seiner Ruh zu tragen!

Wie hat sich nicht dein Geist geschickt zur letzten Fahrt!

Wol dem und aber wol der zeitlich lernet sterben!

Es hängt an diesem Punckt die gantze Seeligkeit.

Es ist kein leichtes Stück den Himmel zu ererben

Welt Teuffel Fleisch und Blut die führen uns in

Ein solcher Feind der stets uns dencket zu berücken

Wann Wollust Ehr und Glück uns ihre Schlingen

Bey so viel Hinterlist bey so viel argen Tücken;

Wie leichte wird doch nicht ein sterblich Mensch gefällt.

Die grosse Sicherheit so unsern Sinn bethöret

Läst nicht des Lebens Ziel und Kürtze dencken nach

Weil der Begierden Sturm der Sinnen Frieden störet

So schaffen wir uns selbst durch uns viel Ungemach

Vertrauen auf die Zeit da sie doch nur geliehen

Und keiner einen Tag besitzt zum Eigenthum.

Wann nun die Stunde schlägt die uns befihlt zu ziehen

Und uns der Tod abmeit gleich einer Wiesen-Blum

Ach welch ein kläglich Wort entbricht aus unserm Hertzen!

Wir werden erst gewahr was zu bestellen sey.

Allein den Demant-Schluß: Du solst und must jetzt ster-

Hemmt keine Bitte nicht noch kläglich Angstgeschrey.

Was zu verwundern ist: Wir tragen Frost und Hitze

Durchziehn so manches Land durchkreutzen manches

Der Wunsch ist Geld und Gut zu haben im Besitze

Hingegen bleibt die Seel von Himmels-Sorgen leer.

Diß allerschwerste Werck macht ihm der Mensch so leichte

Denckt wenig an den Tod den er im Busen trägt

Als ob des Lebens Ziel sich Phönix-Jahren gleichte

Und Nestors Alterthum wär jedem beygelegt.

Nein unsre Seelige war gar weit andrer Sinnen

Sie zog ihr Sterbe-Kleid der Pracht der Erden für

Jhr eintzig Hoffen war zu sehen Sions Zinnen

Die Stadt Jerusalem und ihrer Schönheit Zier.

Betrübte die ihr itzt erscheinet in der Klage

Und theils der Kinder Pflicht theils Enckel Liebe weist

Frolockt der Seeligen die nun von Angst und Plage

Entbunden Himmel an zu ihrem GOtt gereist.

Jhr rühmlich Wandel kan euch hier zum Troste dienen

Die Zucht und Erbarkeit lobt noch gemeine Stadt

Jhr Angedencken wird bey später Nachwelt grünen

Weil sie der Frömmigkeit sich gantz gewidmet hat.

Jhr Hingang machet uns zu folgen ein Verlangen.

Denn was erwarten wir als Jammer-reiche Noth?

Sind wir nicht Sclaven gleich mit Fesseln stets gefangen?

Glückseelig wen erlöst ein wolbereiter Tod,

Zwar das ist von Natur daß bey der Eltern Grabe

Ein Kind kein Marmel ist und es mit Thränen ehrt:

Doch wil das Christenthum daß man auch Maß hier habe

Weil endlich mit der Zeit das gröste Leid aufhört.

Sie ist recht Lebens satt versammlet zu den ihren

Jhr hohes Alter hat den letzten Grad erlangt

Wir wissen daß sie dort die Sieges Lorbern zieren

Daß sie im Unschulds-Kleid als eine Lilje prangt.