Trauer-Ged ancken Bey Beerdigung Fr. R. G. g. K. den 17. Jan. 1671.
So ziehstu Seelige aus deiner irrdnen Hütten
Verläst des Leibes-Hauß von Erd und Leim erbaut
Nachdem du mit Gedult den Tod hast überstritten
Und deine Seele nun das Schloß der Freuden schaut.
Diß ist ein ander Hauß als unsre Leimne Wände
Die einer Folterbanck mit Recht zu gleichen sind;
Diß hellbesternte Schloß kennt keine Menschen-Hände
Weil es von Ewigkeit der Schöpffer hat gegründt.
Du sihst nun Sonn und Mond zu deinen Füssen ligen
Hast Engel neben dir als treue Nachbarn stehn
Wir leben noch im Kampf du prangst in lauter Siegen
Da uns das Creutze drückt kanst du gekrönet gehn.
Dich speist des Lebens Brod uns Salsen bittrer Sünden
Und deiner Herrligkeit ist keine Hoheit gleich.
Der beste Redner wird hier keine Worte finden
Womit er melden kan den Glantz in GOttes Reich.
Zu dem so ist dein Ruhm auch hier nicht gar gestorben
Dein frommer Lebens-Lauf ziert deinen Leichen-Sein;
Die wahre Gottesfurcht hat dir den Spruch erworben
Daß du ein Muster kanst betagter Witwen seyn.
Du hast wie Monica mit Beten und mit Singen
Die meiste Lebens-Zeit andächtig zugebracht
Und dir des HErren Furcht vor allen andren Dingen
Zur Richtschnur fürgesetzt und dich darnach geacht.
Du bist Zenobia dem Armuth stets gewesen
Und hast in Leid und Noth beständig dich geübt
Nun kanstu auch davor die Freuden-Erndt einlesen
Ob gleich der Thränen Bach zum öfftern dich betrübt.
Wie hastu nicht gewünscht in den verlebten Tagen
Und da die böse Welt in Lastern sich verjahrt
Die Hand voll Fleisch und Blut zu seiner Ruh zu tragen!
Wie hat sich nicht dein Geist geschickt zur letzten Fahrt!
Wol dem und aber wol der zeitlich lernet sterben!
Es hängt an diesem Punckt die gantze Seeligkeit.
Es ist kein leichtes Stück den Himmel zu ererben
Welt Teuffel Fleisch und Blut die führen uns in
Ein solcher Feind der stets uns dencket zu berücken
Wann Wollust Ehr und Glück uns ihre Schlingen
Bey so viel Hinterlist bey so viel argen Tücken;
Wie leichte wird doch nicht ein sterblich Mensch gefällt.
Die grosse Sicherheit so unsern Sinn bethöret
Läst nicht des Lebens Ziel und Kürtze dencken nach
Weil der Begierden Sturm der Sinnen Frieden störet
So schaffen wir uns selbst durch uns viel Ungemach
Vertrauen auf die Zeit da sie doch nur geliehen
Und keiner einen Tag besitzt zum Eigenthum.
Wann nun die Stunde schlägt die uns befihlt zu ziehen
Und uns der Tod abmeit gleich einer Wiesen-Blum
Ach welch ein kläglich Wort entbricht aus unserm Hertzen!
Wir werden erst gewahr was zu bestellen sey.
Allein den Demant-Schluß: Du solst und must jetzt ster-
Hemmt keine Bitte nicht noch kläglich Angstgeschrey.
Was zu verwundern ist: Wir tragen Frost und Hitze
Durchziehn so manches Land durchkreutzen manches
Der Wunsch ist Geld und Gut zu haben im Besitze
Hingegen bleibt die Seel von Himmels-Sorgen leer.
Diß allerschwerste Werck macht ihm der Mensch so leichte
Denckt wenig an den Tod den er im Busen trägt
Als ob des Lebens Ziel sich Phönix-Jahren gleichte
Und Nestors Alterthum wär jedem beygelegt.
Nein unsre Seelige war gar weit andrer Sinnen
Sie zog ihr Sterbe-Kleid der Pracht der Erden für
Jhr eintzig Hoffen war zu sehen Sions Zinnen
Die Stadt Jerusalem und ihrer Schönheit Zier.
Betrübte die ihr itzt erscheinet in der Klage
Und theils der Kinder Pflicht theils Enckel Liebe weist
Frolockt der Seeligen die nun von Angst und Plage
Entbunden Himmel an zu ihrem GOtt gereist.
Jhr rühmlich Wandel kan euch hier zum Troste dienen
Die Zucht und Erbarkeit lobt noch gemeine Stadt
Jhr Angedencken wird bey später Nachwelt grünen
Weil sie der Frömmigkeit sich gantz gewidmet hat.
Jhr Hingang machet uns zu folgen ein Verlangen.
Denn was erwarten wir als Jammer-reiche Noth?
Sind wir nicht Sclaven gleich mit Fesseln stets gefangen?
Glückseelig wen erlöst ein wolbereiter Tod,
Zwar das ist von Natur daß bey der Eltern Grabe
Ein Kind kein Marmel ist und es mit Thränen ehrt:
Doch wil das Christenthum daß man auch Maß hier habe
Weil endlich mit der Zeit das gröste Leid aufhört.
Sie ist recht Lebens satt versammlet zu den ihren
Jhr hohes Alter hat den letzten Grad erlangt
Wir wissen daß sie dort die Sieges Lorbern zieren
Daß sie im Unschulds-Kleid als eine Lilje prangt.