Trauer-Gedancken Bey Beerdigung F. M. W. g. H. den 25. May 1674.
Ich solte Werthster Freund mit tieffgesinnten Rei- men
Und Reden-voller Zier besänfftigen sein Leid:
Was nur erquickend ist von Pindus Lorberbäumen
Von Flüssen Castalis das solt’ ihm seyn geweyht;
Denn es schreckt unser Ohr wenn man von Gräbern saget
Und daß der arme Mensch so bald verfaulen muß
Und wer bey Traurenden nicht auch mitleidend klaget
Vergrössert nur das Leid erweckt nichts als Verdruß.
Allein ich wil allhier der Aertzte Kunst-Grief brauchen
Die aus dem ärgsten Gifft die heilsamst Artzney ziehn.
Wir werden wenn der Dampff des Blutes wird verrauchen
Auch mitten aus dem Grad sehn unser Leben blühn.
Es hängt an einem Punct der Anfang und das Ende
In einem Zirckel seyn
Vergebens daß der Mensch Fleiß Wünsche Klag’ einwende:
Dem ewigen Gesetz kan niemand wiederstehn.
Es mahlt uns die Natur an jeden Blum’ und Zweigen
Den Auff- und
Man sieht der Sonnen-Rad bald auff-bald abwerts steigen
Wie offt deckt Finsternüß des Mondes Silber-Zier?
Wie ändern nicht den Lauff die feurigen Cometen?
Wie schnell zerfleust die Lufft in Regen Wolck’ und Wind?
Es wird eiu Purpur-Glantz die Demmerung erröthen
Wenn auff den Mittag gleich die schwartzen Wetter sind.
Der lebende Crystall der Brunnen muß offt sterben
Wenn dort ein rauschend Strom die Ufer überschwemmt:
Den grossen Ocean wird Eol so erherben
Daß den erbosten Schaum noch Kunst noch Macht mehr
Wie ungeheur die Fluth so wird sie endlich schwinden
So daß man schliessen muß daß nichts beständig sey.
Sehn wir die Erden an! sie lehrt mit tausend Gründen
Daß sie nicht feste steh’ und vor Zerrüttung frey.
Bald bebt vor zittern ihr das innerste Geweide
Bald schluckt das wilde Meer die schönsten Inseln ein
Dort finckt ein hoher Berg hier wächst in Wellen Seide
Es werden Dörffer auff Neptunus Rücken seyn.
So diese Cörper nun abnehmeu und vergehen
Die man vor ewig doch in unsern Augen schaut:
Wie können Königreich und Länder doch bestehen
Die so gebrechlich seyn als der so sie erbaut:
Wer kennet jetzt Corinth und Thebens stoltze Mauren?
Wo ist Numantia? der Künste Sitz Athen?
Wo Rom die Herrscherin die immer wolte tauren?
Durch wie viel Tode must ihr Glantz nicht untergehn?
Was wil der spröde Thon der Mensch für Rechnung machen?
Die besten Redner sind in Griechenland verstummt:
Die klügsten Köpffe führt des Charons stiller Nachen
Schönheiten hat die Hand der Atropos vermummt.
Beherrschern so der Welt ihr meistes Theil besessen
Hat eine Hand-voll Sand zu ihrem Grab gefehlt
Und die so hochberühmt die liegen ietzt vergessen
Daß auch die Nach-Welt nicht mehr ihre Namen zehlt.
Diß predigt uns den Tod mit mehr als hundert Zungen
Ja unser eigen Leib legt stündlich Zeugnüß ab
Wie allenthalben uns die freye Lufft umbrungen;
So hält von Anbegin uns auch umbringt das Grab.
Und mehr
So stellt sein Kirchen-Ampt ihm klar Beweißthum für.
Wir setzen unsern Fuß auch in der Kirch auff Leichen:
Der Glocken ihr Geläut rufft: Morgen gilt es dir.
Jtzt wird des Priesters Mund für Schwach’ und Krancke beten
Drauff kommt ein naher Freund und bitts Begräbnüß aus:
Wir werden kaum zurück von dem Verscharrten treten
So grüst ein anderer umb gleichen Dienst sein Hauß.
So gar hat ihm der Tod für Augen wollen schweben
Damit sein Christenthum durch die Gedult geschmückt;
Sich GOttes Willen nun kan willig untergeben
Da ihm die Liebste wird von seiner Seit entrückt.
Zwar diß vernein ich nicht daß Myrrhen-bitter Schmertzen
Beängstigen den Geist nun ihm sein Schatz entfällt:
Daß wenn der Tod zertrennt zwey gleich gesinnte Hertzen
Dadurch die längre Lust zu leben wird vergällt.
Jedoch wenn er bedenckt daß sie hat müssen sterben
Daß unser Leben Wind Dampff Wasser Graß und Heu
Daß weil wir lebend seyn der Leib muß schon verderben
Und jede Stunde was schlägt an dem Bau entzwey
Ja daß sie numehr ruht und schläfft in ihrer Kammer
Ist für viel Ungelück und Trübsal weggerafft:
So wird der edle Tausch was mindern seinen Jammer
Und der Verblichnen Ruhm ihm geben Trost und Krafft.
Es war die Gottesfurcht ihr gleichsam angebohren
Als die aus
Und was sonst Frauen ziert zum Kleinod ihr erkohren
Ein gantzes Tugend Chor Witz Demuth Zucht und Scham.
Die ungefärbte Treu das embsige Bemühen
Für seines Hauses Heil rühmt noch gemeine Stadt:
Die Söhne so er siht des Stammes Säulen blühen
Sind statt der Mutter jetzt im Kummer Trost und Rath.
Wer so wie sie gelebt der fährt mit Lust von hinnen
Und läst das Sünden-Hauß den Leib den Kercker stehn
Kan durch den kurtzen Tod den Himmel ihm gewinnen
Und in des Vatern Reich mit Sieges-Kronen gehn.
Man sol der Frommen Tod glückwünschende begleiten
Als der den Jammer endt der Freuden Anfang macht.
Sie haben obgesiegt wir liegen noch im streiten
Sie schmückt der Klarheit Glantz uns deckt Egyptens Nacht.
Ich weiß
Der Vater alles Trosts steh ihm genädig bey
Und woll’ ihn durch und durch mit Krafft und Heil erfüllen
Daß er noch lange Zeit der Kirchen Vater sey
Und rühmlich wie bißher gemeinem besten diene.
Die späte Nach-Welt nennt darvor sich Schuldnerin.
Vernünfft’ger Leute Ruhm bleibt nach dem Tode grüne
Wenn man die andern sonst vergessen trägt dahin.