Trauer-Gedichte Bey Beerdigung Hn. H. v. G. u. S. R. P. den 4. April. 1677.
Wenn itzt des Himmels Hertz und Auge dieser Welt
Der Sternen Königin und Fürstin aller Zeiten
Den Strahlen-reichen Lauff zu Trost und Nutz den
Durch das gevierdte Rund mit reicher Frucht bestellt
Ermüdet in die Schoß der blauen Thetis sincket
Und uns zu letzte noch mit güldnen Blicken wincket.
So siht man wie entzuckt die gantze Sterbligkeit
Den lichten Purpur ehrt ihr Glantz sol nun erbleichen
Doch pflegt sie so ein Gold den Wolcken darzureichen
Das den Carfunckeln Kampff Rubinen Hohn anbeut.
Die Wälder stehn erschreckt und fürchten schwartze Schatten
Die Kräuter bücken sich für Trauren auff den Matten.
Die Flora drückt bestürtzt der Kinder Augen zu
Die Flüsse schlaffen ein die stillen Lüffte schweigen.
Es muß die Clytie ihr Haupt zur Erde neigen
Der Vogel sucht im Nest das Wild im Forste Ruh.
Ja selbst die kleine Welt der Mensch klagt daß der Sonnen
Durchlauchte Treffligkeit in Finsternüß zerronnen.
So auch da itzt das Hertz und Auge dieser Stadt
Der Hochverdiente Greiß der Edle
Wil aus der Sterbligkeit die müden Füsse setzen
Und seiner Tugend
Siht man die Funcken noch von seinem Ehren-Leben
Der Nachwelt neuen Glantz zu gleichem Spiegel geben.
Die Fackel von dem Ruhm dem längst die Ewigkeit
Sich zugeschworen hat muß itzt weit heller schimmern;
Es scheint des Rathes Licht noch in des
Der Sinnen waches Feur so bey verwirrter Zeit
Dem Pharus gleich geleucht und Weg und Bahn gewiesen
Wird bey dem Untergang von männiglich gepriesen.
Des Lebens Demmerung zeigt so ein Abend roth
Daß wie die Sonne geht im Golde nur zu Grunde
Wie aber seufftzt die Stadt mit allgemeinem Munde?
Ach unser Scipio und Appius ist todt!
Es ist der Mund erstummt der uns offt Rath gegeben
Und Geist und Seel ist hin durch die wir konten leben.
Verzeih höchstwerther Götz Astr
An Ernst dem Cato gleich dem Phocion an Güte
Lycurgen an dem Witz Camillen am Gemüthe
Periclen am Verstand der wahren Tugend Bild
Wo ich bey deiner Grufft nicht mit gelehrten Thränen
Kan stellen an das Licht der Bürger Schmertz und Sehnen.
Es stirbt der Phönix so wenn nun achthundert Jahr
Der Sonnen-Vogel sich Siegprangende gewiesen
Wenn seine Treffligkeit die gantze Welt gepriesen
Baut ihm der Lüffte Printz von Zimmet eine Bahr
Legt an das Balsam Holtz zu einem reichen Zunder
Den übergiebet sich der Gluth das seltne Wunder.
Das leichte Feder-Volck zerhackt die weiche Brust
Singt ein beweglich Lied das Stein und Fels entzücket
Bringt eine Harmoni die Götter selbst erquicket
Vollzieht den süssen Thon thut was ihm nur bewust
Und giebt durch Sängerey und Andacht zuerkennen
In was vor edler Gluth sein Hertzog müsse brennen.
Gewiß
Erscheint der Musen Chor Apollo steht betrübet
Und dencket wie er dir ein würdig Opffer giebet.
Was auff dem Helikon nur mag vortrefflich seyn
Ist einzig dir geweyht, der Pierinnen Säiten
Und Harff- nnd Lauten-Klang die wollen dich begleiten.
Wie aber leg ich ab die tieffverbundne Pflicht?
Steckt noch was ewiges in meinen krancken’ Reimen?
Empfind ich noch den Hauch von jenen Lorber-Bäumen?
Vergönnt mein Zustand mir ein solches Traur-Gedicht
Das Gluth und Geister hat das nach dem Himmel schmecket
Und dich in deinem Grab
So nimm doch hoch geneigt was ich itzt liefern kan
Und was dein weiser Mund im Leben noch begehret
Ach das nichts schätzbahres mein danckbar Hertz gewehret!
Doch sehn die Götter offt auch den Gehorsaman.
Und dein so hoher Ruhm darff keiner Farbe Strahlen
Er kan sich von sich selbst durch eigne Würde mahlen.
Als dich Lucina trug beschloß des Himmels Rath
Es solte dieser Zweig in einen Baum sich breiten
Der seiner Blätter Pracht und Gipffel auch von weiten
Geb’ allen anzuschaun: Drauff hat dich Brixen-Stadt
Jm freyen Francken-Land ein freyer Ort empfangen
Als deiner Eltern Pfand Trost Hoffen und Verlangen.
Das Glücke wiegte dich die Tugend war dein Freund
Die Gottesfurcht dein Zweck; es zeigten schon die Minen
Wie mit der Zeit dein Geist auff hohen Ehren-Bühnen
Berühmet würde stehn. Gleich wie der Demant scheint
Noch in der Erden Schoß und herrlich pflegt zu brennen
So gabst du auch dein Feur durch Funcken zu erkennen.
Drauffrieß ein stärcker Zug dich in die weite Welt
Es war der Jugend Wachs die Weißheit einzudrücken
Es lernte sich dein Sinn in Menschen Händel schicken;
Witz und Ersahrenheit die sich zu dir gesellt
Durchschärfften den Verstand und zierten ihn mit Sitten
Krafft welcher du gar offt der meisten Hertz bestritten.
Ein himmlisches Gemüth eilt seinem Ursprung nach
Und steiget in die Höh verläst des Pöfels Schrancken
Sucht seinen Thaten Raum voll feuriger Gedancken;
Erschrickt vor keiner Müh Gefahr noch Ungemach
Weiß daß der Tugend Cron durch Schweiß sey zugewinnen
Und daß der nichts erlangt der nichts nicht wil beginnen.
Dich hat Ulyssens Witz O
Bey schwerer Krieges Zeit geführt auff deinen Reisen
Wenn hier Brand Seuch und Pest dort ein verräthrisch Eisen
Die Menschen weggerafft so schiffte doch dein Fleiß
Durch die Charybden hin und kam mit gutem Winde
An Hafen des Gelücks der Wolfahrt ihr Gemünde.
Noch hat kein Ort der Welt so deinen Sinn bestrickt
Als dich die Herrligkeit von Breßlau eingenommen.
Es solte hier dein Glück zum höchsten Wachsthum kommen
So hat der Ausgang auch den Vorsatz nie verrückt;
Die Sorgfalt der Verstand die ungemeine Gaben
Bemühte Breßlau sich zum Eigenthum zu haben.
Die Mutterkluger Köpff’ und Richtschnur aller Zucht
Der Weißheit Nährer in ist dir mit Huld begegnet;
Es schien dein gantzes Hauß mit Segen überregnet
Als sie ein gleich Gemahl vorsichtig ausgesucht
Durch derer Häußligkeit dein Wolstand ist beklieben
Die biß ins Grab jetzt zeigt ihr unverrucktes Lieben.
Es wächst ein Cedern-Baum nicht irgend über Nacht
Es heist die Aloe die lange Zeit erst blühen
Nach unerschöpfftem Fleiß nach embsigem Bemühen
Hat Glück und Ruhm zugleich für deinen Stand gewacht.
O Solon unsrer Stadt es schafft der Väter Orden
Daß du in ihrem Rath ein würdig Mitglied worden.
Hier gieng dein edler Sinn als wie ein Adler pflegt
Weit über alle Lufft und Wolcken sich zu schwingen
Biß er der Sonne kan ins Schlaffgemach eindringen
Von Gottesfurcht erhitzt von Tugend angeregt
Gemeinem Nutzen nach es wird das Ampt der Wäysen
So lang ein Mensch noch lebt die treue Sorgfalt preisen.
Es sey daß Jupiter theils Köpffe macht von Gold
Theils nur von Ertz und Bley: So muß doch wer regieren
Und nutzbar herrschen sol nichts schlechtes in sich führen.
Verdienen unsers GOtts und auch der Menschen Huld
Ist ein hochwichtig Werck; in nichts das Recht verletzen
Bleibt bey dem Himmel selbst ein Schatz von allen Schätzen.
Du andrer
Verblichner
Und Unruh noch für uns als du im Ampt der Cammer
(das warlich hat verzehrt des Lebens bestes Theil )
Bey später Abends Zeit und auch bey frühem Morgen
Mit höchstem Nutzen hast geführt viel tausend Sorgen.
Ich schweige daß der Neid mir nicht die Heucheley
Die ich als Gifft und Pest der Redligkeit verfluche
Wie er sonst pflegt zu thun hier vorzuwerffen suche:
Diß sag ich wenn ich solt’ ein wahres Conterfey
Vom Staats-Mann stellen für so müst ich den
Mit gutem Fug und Recht auch in die Rolle setzen.
Wer GOttes Diener ehrt den ehrt hinwieder GOtt.
Du hast ihm sein Altar im Hospital gebauet
O Numa dieser Zeit! der hat dich auch bethauet
Mit Seegen aus der Höh dieweil du sein Gebot
So eifrig hast bewahrt und alles so erhoben
Daß Priester und Music dich noch im Kirchlein loben.
Es kommt das Leinwand-Hauß mir niemals aus dem Sinn
So offt ich an das Heil der Schulen nur gedencke;
Wie selten ach geschichts! daß Lehrern ein Geschencke
Von milder Hand kommt zu! Nein die Ernährer in
Zukünfft’ger Policey die Schule war dein Sorgen
So daß die Wolthat noch bey keinem ist verborgen.
Dein Rath hieß eine Maur’ und die Beredsamkeit
Ein scharf durch dringend Pfeil Gemüther zu bewegen
Und deine Wachsamkeit die kont ein Bollwerck legen
Daß wenn ein Sturm gleich kam stets die Bescheidenheit
Den Mittel-Punckt erzielt; das selbst das Ende lehrte
Was vor ein reiffer Witz zum Regiment gehörte.
Du zogst Begierden aus als wie ein täglich Kleid
So offt dich hieß das Recht den scharffen Ernst gebrauchen
Ließ schlechte Fehler bald gleich einem Dampff verrauchen
Befreyt von Lieb und Haß von Argwohn Zorn uud Neid
Wollst wie der Sonnen Licht nur allen Menschen nützen
Wolt’st wie die Themis selbst nur alle Menschen schützen.
Die seltne Treffligkeit der himmlische Verstand
Hat gar der Hohen Gunst und Hold an sich gezogen.
Es blieb ein jeder Hoff im Lande dir gewogen
Biß daß der
Dich hochverdienten Mann in Ritterstand zusetzen
Und dich als einen Rath vor andern werth zuschätzen.
Ich weiß die Demuth nech wie du der Majestät
Großmächtigste Genad in tieffster Pflicht geehret.
Es hat mein Ohre noch den treuen Wunsch gehöret
Wie du zu deinem GOtt andächtig hast gefleht
Daß unserm
Der Erden weiter Kreiß zu seinen Füssen liegen.
Es trägt der Eltern Blut zwar viel dem Adel bey
Die Tugend wird noch mehr die Ehren-Fahn auffstecken
Wenn diese Glocke klingt pflegt sie die Welt zuwecken
Daß ein Themistocles ein edles Hertze sey.
Denn sol das Vaterland in vollem Flor gedeyen
Muß erst der Kopff den Witz die Faust die Krafft darleihen.
Agrippa voller Rath nun Seeliger Patron
Als Präses Säbisch ließ des müden Leibes Bürde
Und dir ward anvertraut der gantzen Herrschafft Würde
Wie mancher Hertzens-Wunsch wie mancher Jubel-Thon
Brach bey den Bürgern aus? Sie schryen unser hoffen
Hat nun mit unsrem Haupt glückseelig eingetroffen.
Ach Vater unsrer Stadt! wie wol hastu regirt!
Du Leuchte die zum Nutz gemeinem Heil gebrennet
Ist noch ein Schlesier der deinen Ruhm nicht kennet?
Und was für Sorgen du die lange Zeit geführt?
Es hinderten niemals die Raths und Ampts-Geschäffte
Des Alters schwere Last und abgeschwächte Kräffte.
Schwan den der Tugend Gold der Ehre Silber krönt
Die graubeschneyte Haar sind unsrer Wolfarth Lilgen.
Dein Angedencken kan nie aus dem Hertzen tilgen
Der Zeiten Tyranney so alles sonst verhöhnt:
Eh muß die gantze Welt in lichter Gluth vergehen
Als deiner Tugend Ruhm nicht solt’ in Blüthe stehen.
Ach Wächter unsrer Stadt der zwey und dreyßig Jahr
So redlich hat gewacht so treulich es gemeinet
Du bist der Sonne gleich wenn die am schönsten scheinet
Und nun ihr letztes Gold ermüdet stellet dar
So sinckt sie in die Nacht du auch nach vielen Strahlen
Must itzt der Sterbligkeit den letzten Rest bezahlen.
Ach unser Rathhaus klagt! wir schauen dich nicht mehr
Dein Ansehn von Gestalt der Ernst beliebter Sitten
Mit Freundligkeit vermischt die Pracht in Tritt und Schritten
Ist alles nun hinweg die treue Pflicht und Ehr
So deiner Scheitel Schnee wir jederzeit erwiesen
Muß bey so herbem Fall die Thränen nur erkiesen.
Doch
Und Sieges-Kronen stirbt und läst uns seines gleichen
Mag auch ein Sterblicher mehr Wolfahrt hier erreichen
Als wenn aus seiner Asch’ entspriesst so eine Blum?
Geschwistert an der Frucht und zeiget durch den Saamen
Daß nicht ver gehen kan der
Versichert daß dein Grab voll Herrligkeit und Pracht
Wird auch der späten Welt noch in die Augen blitzen.
Kein kostbahres Mausol Egyptens hohe Spitzen
Und was für Wercke mehr das güldne Rom gemacht.
Besiegen Zeit und Tod. Nein sondern tapffre Thaten
Die können uns allein für der Verwesung rathen.
Du hast den Künstlern gleich O hohes Meisterstück
Die letzte Linie des Lebens wol gezogen
Den Grundstein fest gelegt geschlossen recht den Bogen.
Nun ist der Bau vollbracht an dem sich das Gelück
Nicht satt verwundern kan und schamroth muß gestehen
Daß über seine Macht kan deine Weißheit gehen.
Empfang’
Du siehest Sonn und Mond zu deinen Füssen liegen
Und überschwenglich Heil und himmlisches Vergnügen
Erhält dein edler Geist zu einem Gnaden-Lohn.
Orion macht dir Raum und bey Astr
Solt du ein neuer Stern im höchsten Glantze strahlen.
Der Marmel macht sich weich zu fassen deinen Ruhm.
Wiewol man darff dir nicht Gedächtnüß Tempel bauen
Man mag der Bürgerschafft ihr treues Hertz anschauen
Da steht dein Ehrenmahl der Tugend Eigenthum.
Die schönsten Wercke hat der Zeiten Zahn zerrieben
Was Seelen eingeprägt ist unvergänglich blieben.
Ruh wol in deiner Grufft O
Es müssen sich daselbst die Palmen hoher Ehren
Der Cedern Ewigkeit des Ruhmes Lorbern mehren
Ruh und schlaff ewig wol des müden Lebens satt.
Es wil der Nachruff dir die schöne Grabschrifft setzen:
Hier liegt der Bürger Haupt der Edle