Trauer-Ode an die Fr. Wittib Bey Beerdigung Hn. G. P. den 7. May 1679.

By Heinrich Mühlpfort

Jetzt gehst du aus des Kerckers Nacht

Und bist gantz frey die Fessel springen

Von Band und Ketten loß gemacht

Und kanst nun ein Triumf-Lied singen.

Du schickst ja nur den Leib zu Grabe

Den Leib der faulen muß ein Raub der Mott’ und Schabe.

Dein Wohnhauß das so manche Noth

Und heiß entbranter Schmertz bestritten

Darinnen du nicht einen Tod

Ja wol viel tausend hast erlitten

Den Nothstall lässest du jetzt stehen

Und wilst in ein Gemach wol aus zuruhen gehen.

Ach freylich suchst du nichts als Ruh

O

Wenn dir nicht einen Schlaff ließ zu

Die Gicht so peinlich dich gequälet

Und bey Verlauff so vieler Jahre

Dein Bette dir verkehrt in eine Todten-Baare.

Der Japoneser Folter-Banck

Und was von Martern nur zu finden

Jhr Singkod oder Höllen-Tranck

Der durch sein Brennen pflag zu schinden

Sind Julep für den Angst-Geschirren

Die täglich dich getränckt mit mehr als Gall und Myrchẽ.

Wie nenn ich deine Lagerstadt

Die zugericht von Dorn und Hecken?

War es Jxions Marter-Rad?

Der Felß wo Titius sich strecken

Den Geyern muß zu neuen Plagen

Der täglich wird verzehrt und doch nicht weggetragen.

Was Nero hat an Grausamkeit

Und Menschen Pein zu Rom begangen

Caligula nur zubereit

Dem langsam Tödten ein Verlangen

Und Hertzens-Lust sehn in dem Sterben

Wie sich der arme Mensch in letzter Angst muß färben.

Das gliech doch deinen Schmertzen nicht

Die schnelle Zeit macht offt ein Ende.

Hier aber schnürte dir die Gicht

So unauffhörlich Füß’ und Hände

Daß auch den unbelebten Steinen

Dein Leiden ausgeprest Erbarmen wo nicht weinen.

Was hast du anders angeschaut

Als trübe Tag elende Nächte?

So daß dir für dir selbst gegraut

Daß du geseuffzt: Ach wenn doch brächte

Ein Bote mir die Post zu scheiden

Eh’ daß ich Gliedweiß muß so gar empfindlich leiden.

Da war als wie der Plato lehrt

Dein Leib ein rechtes Grab zu heissen

Doch ob er täglich schon zerstört

Durch foltern brennen stechen reissen;

So wiech doch nie des Geistes Stärcke

Daß nicht Gedult verübt die grösten Wunder-Wercke.

Dein Bette war dein Kämpffer-Platz

Nicht umb vergänglich Gut und Gaben

Du wustest daß der Seelen-Schatz

Durch hartes Streiten nur zu haben

Und daß der Feind braucht alle Rencke

Daß er durch Tück und List uns zuberücken dencke.

Daß des Aleidens Helden-Hand

Erleget die zwölff Ungeheuer

Und so den Weg zum Himmel fand

Zuvor verzehrt von Glut und Feuer

Diß ist wie Fabeln aus zulachen:

Du hast mit mehr gekämpft als Löwen Tygern Drachẽ.

Ja wie ein hurtig Ritters-Mann

Geläutert durch deß Crentzes Hitze

Mit Tapfferkeit gewapffnet an

Verlacht des Feindes Höllen Blitze

Weil in des Heylands Purpur-Wunden

Du da dein Sieges-Fahn und Feld-Panier gefunden;

Jetzt führst du im Triumph den Tod

Und hast den Schmertzen obgesieget

Du siehst wie aller Kranckheit Noth

Nunmehr zu deinen Füssen liget.

Wie nach dem ausgestandnem Wachen

Dem Winseln und Geschrey Frolocken folgt und Lachen.

Laß doch nur in der Erden Schos

Den Leib verzehren Fäul und Schimmel;

Die Seele steiget Kercker-loß

Weit über die gestirnten Himmel

In jenem grossen Licht zu wohnen

Und der du Ketten trugst prangst itzt in Sieges-Kronen.

Betrübtste

Der über uns pflegt zu gebieten

Heist sie zwar einen Thränen-Guß

Bey ihres Eh-Herrn Grab ausschütten

Doch wird er auch dabey diß sagen

Daß man nur mit Gedult soll seine Satzung tragen.

Wiewol diß Kleinod ihr bekandt

Und es ihr Liebster muste preisen

Wenn sie bey seinem schweren Stand

Jhm alle Treu pflag zu erweisen

Und durch viel Wartung und viel Mühen

Sein Heil wolt ihrem Heil und Leben gar vorziehen.

Es sey daß Artemisia

Deß Ehmanns Asche hat getruncken;

Ach sein Gedächtnüß stehet da

In ihrer Seelen unentsuncken

Herr

Er wird in ihrem Hertz stets einen Tempel haben.

Sein Name blüht bey vielen noch

Die ihm durch Freundschafft sind verbunden

Betrübtste Frau sie gönn’ ihm doch

Daß er so seelig überwunden.

Er kan in reiner Freyheit schweben

Da wir im Fleisch und Blut hier als Gefangne leben.