Trauer-Ode an die Fr. Wittib Bey Beerdigung Hn. G. P. den 7. May 1679.
Jetzt gehst du aus des Kerckers Nacht
Und bist gantz frey die Fessel springen
Von Band und Ketten loß gemacht
Und kanst nun ein Triumf-Lied singen.
Du schickst ja nur den Leib zu Grabe
Den Leib der faulen muß ein Raub der Mott’ und Schabe.
Dein Wohnhauß das so manche Noth
Und heiß entbranter Schmertz bestritten
Darinnen du nicht einen Tod
Ja wol viel tausend hast erlitten
Den Nothstall lässest du jetzt stehen
Und wilst in ein Gemach wol aus zuruhen gehen.
Ach freylich suchst du nichts als Ruh
O
Wenn dir nicht einen Schlaff ließ zu
Die Gicht so peinlich dich gequälet
Und bey Verlauff so vieler Jahre
Dein Bette dir verkehrt in eine Todten-Baare.
Der Japoneser Folter-Banck
Und was von Martern nur zu finden
Jhr Singkod oder Höllen-Tranck
Der durch sein Brennen pflag zu schinden
Sind Julep für den Angst-Geschirren
Die täglich dich getränckt mit mehr als Gall und Myrchẽ.
Wie nenn ich deine Lagerstadt
Die zugericht von Dorn und Hecken?
War es Jxions Marter-Rad?
Der Felß wo Titius sich strecken
Den Geyern muß zu neuen Plagen
Der täglich wird verzehrt und doch nicht weggetragen.
Was Nero hat an Grausamkeit
Und Menschen Pein zu Rom begangen
Caligula nur zubereit
Dem langsam Tödten ein Verlangen
Und Hertzens-Lust sehn in dem Sterben
Wie sich der arme Mensch in letzter Angst muß färben.
Das gliech doch deinen Schmertzen nicht
Die schnelle Zeit macht offt ein Ende.
Hier aber schnürte dir die Gicht
So unauffhörlich Füß’ und Hände
Daß auch den unbelebten Steinen
Dein Leiden ausgeprest Erbarmen wo nicht weinen.
Was hast du anders angeschaut
Als trübe Tag elende Nächte?
So daß dir für dir selbst gegraut
Daß du geseuffzt: Ach wenn doch brächte
Ein Bote mir die Post zu scheiden
Eh’ daß ich Gliedweiß muß so gar empfindlich leiden.
Da war als wie der Plato lehrt
Dein Leib ein rechtes Grab zu heissen
Doch ob er täglich schon zerstört
Durch foltern brennen stechen reissen;
So wiech doch nie des Geistes Stärcke
Daß nicht Gedult verübt die grösten Wunder-Wercke.
Dein Bette war dein Kämpffer-Platz
Nicht umb vergänglich Gut und Gaben
Du wustest daß der Seelen-Schatz
Durch hartes Streiten nur zu haben
Und daß der Feind braucht alle Rencke
Daß er durch Tück und List uns zuberücken dencke.
Daß des Aleidens Helden-Hand
Erleget die zwölff Ungeheuer
Und so den Weg zum Himmel fand
Zuvor verzehrt von Glut und Feuer
Diß ist wie Fabeln aus zulachen:
Du hast mit mehr gekämpft als Löwen Tygern Drachẽ.
Ja wie ein hurtig Ritters-Mann
Geläutert durch deß Crentzes Hitze
Mit Tapfferkeit gewapffnet an
Verlacht des Feindes Höllen Blitze
Weil in des Heylands Purpur-Wunden
Du da dein Sieges-Fahn und Feld-Panier gefunden;
Jetzt führst du im Triumph den Tod
Und hast den Schmertzen obgesieget
Du siehst wie aller Kranckheit Noth
Nunmehr zu deinen Füssen liget.
Wie nach dem ausgestandnem Wachen
Dem Winseln und Geschrey Frolocken folgt und Lachen.
Laß doch nur in der Erden Schos
Den Leib verzehren Fäul und Schimmel;
Die Seele steiget Kercker-loß
Weit über die gestirnten Himmel
In jenem grossen Licht zu wohnen
Und der du Ketten trugst prangst itzt in Sieges-Kronen.
Betrübtste
Der über uns pflegt zu gebieten
Heist sie zwar einen Thränen-Guß
Bey ihres Eh-Herrn Grab ausschütten
Doch wird er auch dabey diß sagen
Daß man nur mit Gedult soll seine Satzung tragen.
Wiewol diß Kleinod ihr bekandt
Und es ihr Liebster muste preisen
Wenn sie bey seinem schweren Stand
Jhm alle Treu pflag zu erweisen
Und durch viel Wartung und viel Mühen
Sein Heil wolt ihrem Heil und Leben gar vorziehen.
Es sey daß Artemisia
Deß Ehmanns Asche hat getruncken;
Ach sein Gedächtnüß stehet da
In ihrer Seelen unentsuncken
Herr
Er wird in ihrem Hertz stets einen Tempel haben.
Sein Name blüht bey vielen noch
Die ihm durch Freundschafft sind verbunden
Betrübtste Frau sie gönn’ ihm doch
Daß er so seelig überwunden.
Er kan in reiner Freyheit schweben
Da wir im Fleisch und Blut hier als Gefangne leben.