Trauer-Ode An Hn. D. F. O. M. P. V. bey Beerdigung seiner Eheliebsten Fr. A. O. ...
Hochwerther Freund der Musen Zier
Berühmter Artzt und Podalier
Muß itzt sein Lorber-Baum erblassen?
Der Baum der sonst den Blitz verlacht
Den wenn der Donner gleich erkracht
Doch nicht mit seinem Keil kan fassen.
Verwelckt sein immer-grünes Haar
Das seine schönste Zierath war
Und ihm viel Kronen hat gewunden?
Stehn seine Zweige sonder Frucht
Und hat der Nymfen zarte Zucht
Sich nicht bey ihm mehr eingefunden?
Ach ja selbst Phöbus ist betrübt
Beklagt den Baum den er geliebt
Weil er verwandelt in Cypressen
Es ist jetzt Wermuth hingepflantzt
Wo vor die Gratien getantzt
Und wo der Musen Volck gesessen.
Hygea seufftzet in dem Haus
Ziehrt nicht den Rock mit Blumen aus
Füllt den Gesundheits-Kelch mit Thränen;
Und Flora die von jedem Kraut
Jhm Geist und Seele hat vertraut
Entdeckt zugleich ihr bittres Sehnen.
Zudem Erhalter der Natur
Wil seine sonst bewehrte Cur
Bestürtzt den Fuß zurücke ziehen;
Dem Tode den er offt bekämpfft
Und durch Verstand und Kunst gedämpfft
Kan nun die
Sein Schmertzen ist nur allzugroß
Und könt auch wol ein härter Stoß
Jhm durch Gebein und Adern dringen?
Ja solt auch wol ein schwerer Leid
Jhm machen mehr Empfindligkeit
Als dieser Trauer-Fall kan bringen?
Es hat der Monden kaum zweymal
Verändert seine Farb und Stral
Daß er den
Den Bruder Sions Ruhm und Zier
Der wenig seines gleichen hier
Auch lange Zeit darnach wird haben.
Der noch bey der Gelehrten Welt
Diß unverfälschte Lob behält
Daß er ein Kirchen-Stern gewesen
Der seiner Sinnen edles Pfand
Durch Schrifften hat gemacht bekand
Die würdig von der Welt zulesen.
Wie war ihm Werthster da zu muth?
Schwamm nicht sein gantzes Hertz im Blut?
Schwand nicht sein Trost in diesem Leben?
Es preßte Frembden Thränen aus
Wie sie die
Einander sahen Abschied geben.
Die Wunden sind noch nicht geheilt
Als schon ein neuer Jammer eilt
Den Wellen gleich auff ihn zuschlagen
Als schon ein ander Hertzens-Stoß
Jhn machet
Daß er die Last kaum kan ertragen.
Er muß Ach Myrrhen-bittre Pflicht!
Der treusten Liebsten Augen-Licht
Mit Zittern und mit Thränen schliessen.
Er siebt die Jene von sich ziehn
Durch die sein Wohlstand konte blühn
Und er den besten Trost geniessen.
Die wie er bey der Krancken-Schaar
Hinwieder Rath und Artztin war
Sorgfältig seiner hat gepfleget
Durch Witz und durch Bescheidenheit
Offt seiner Schmertzen Bitterkeit
Und andre Sorgen hingeleget.
Die auff dem Schau-Platz dieser Welt
Der Welt sich nie mals gleich gestellt
Und Frömmigkeit ihr Kleinod nannte.
Es war ihr schon gepflantzt ins Blut
Daß ihrer Sinnen heilge Glut
Nur in der Himmels-Liebe brandte.
Sie macht ihr auch den Tod bekand
Eh’ sich derselbe zu ihr fand
Und harrte seiner sonder Schrecken;
Sie nam der Kranckheit Boten an
Und wuste daß zur letzten Bahn
Sie als Gefehrten solten wecken.
Und darumb war sie jederzeit
Jm Geist gerüstet und bereit
Sah’ in Gedult dieselben kommen
Gott kürtzte ihres Leidens-Qual
Und hat sie auß dem Thränen-Thal
Durch seine Hand hinweg genommen.
Jhm fällt es peinlich und nicht ihr
Betrübtster Freund der Pallas Zier
Daß nun in langen Einsamkeiten
Er seine Zeit beschliessen muß.
Wer aber will des Himmels-Schluß
Und seiner Satzung wieder streiten?
Er weiß durch seine Kunst genau
Daß unsers siechen Leibes Bau
Geht täglich ein und fällt darnieder
Daß weil wir noch auff Erden gehn
Mit einem Fuß im Grabe stehn
Und schon der Tod durchkreucht die Glieder.
Man gebe was man geben soll
Der Sterbligkeit den letzten Zoll
Den itzt sein Schatz hat abgeleget.
Die nach dem Trübsal dieser Zeit
Vor GOttes Antlitz wird erfreut
Und Lorber-Kräntz und Palmen träget.
Das Leid Machaon unsrer Stadt
So itzt sehr tieff gerissen hat
Kan doch Gedult und Zeit verbinden
Und wenn sein Himmels-gleicher
Des Lebens satt von hinnen reist
So wird er sie dort wieder finden.