Trauer-Ode An Hn. D. F. O. M. P. V. bey Beerdigung seiner Eheliebsten Fr. A. O. ...

By Heinrich Mühlpfort

Hochwerther Freund der Musen Zier

Berühmter Artzt und Podalier

Muß itzt sein Lorber-Baum erblassen?

Der Baum der sonst den Blitz verlacht

Den wenn der Donner gleich erkracht

Doch nicht mit seinem Keil kan fassen.

Verwelckt sein immer-grünes Haar

Das seine schönste Zierath war

Und ihm viel Kronen hat gewunden?

Stehn seine Zweige sonder Frucht

Und hat der Nymfen zarte Zucht

Sich nicht bey ihm mehr eingefunden?

Ach ja selbst Phöbus ist betrübt

Beklagt den Baum den er geliebt

Weil er verwandelt in Cypressen

Es ist jetzt Wermuth hingepflantzt

Wo vor die Gratien getantzt

Und wo der Musen Volck gesessen.

Hygea seufftzet in dem Haus

Ziehrt nicht den Rock mit Blumen aus

Füllt den Gesundheits-Kelch mit Thränen;

Und Flora die von jedem Kraut

Jhm Geist und Seele hat vertraut

Entdeckt zugleich ihr bittres Sehnen.

Zudem Erhalter der Natur

Wil seine sonst bewehrte Cur

Bestürtzt den Fuß zurücke ziehen;

Dem Tode den er offt bekämpfft

Und durch Verstand und Kunst gedämpfft

Kan nun die

Sein Schmertzen ist nur allzugroß

Und könt auch wol ein härter Stoß

Jhm durch Gebein und Adern dringen?

Ja solt auch wol ein schwerer Leid

Jhm machen mehr Empfindligkeit

Als dieser Trauer-Fall kan bringen?

Es hat der Monden kaum zweymal

Verändert seine Farb und Stral

Daß er den

Den Bruder Sions Ruhm und Zier

Der wenig seines gleichen hier

Auch lange Zeit darnach wird haben.

Der noch bey der Gelehrten Welt

Diß unverfälschte Lob behält

Daß er ein Kirchen-Stern gewesen

Der seiner Sinnen edles Pfand

Durch Schrifften hat gemacht bekand

Die würdig von der Welt zulesen.

Wie war ihm Werthster da zu muth?

Schwamm nicht sein gantzes Hertz im Blut?

Schwand nicht sein Trost in diesem Leben?

Es preßte Frembden Thränen aus

Wie sie die

Einander sahen Abschied geben.

Die Wunden sind noch nicht geheilt

Als schon ein neuer Jammer eilt

Den Wellen gleich auff ihn zuschlagen

Als schon ein ander Hertzens-Stoß

Jhn machet

Daß er die Last kaum kan ertragen.

Er muß Ach Myrrhen-bittre Pflicht!

Der treusten Liebsten Augen-Licht

Mit Zittern und mit Thränen schliessen.

Er siebt die Jene von sich ziehn

Durch die sein Wohlstand konte blühn

Und er den besten Trost geniessen.

Die wie er bey der Krancken-Schaar

Hinwieder Rath und Artztin war

Sorgfältig seiner hat gepfleget

Durch Witz und durch Bescheidenheit

Offt seiner Schmertzen Bitterkeit

Und andre Sorgen hingeleget.

Die auff dem Schau-Platz dieser Welt

Der Welt sich nie mals gleich gestellt

Und Frömmigkeit ihr Kleinod nannte.

Es war ihr schon gepflantzt ins Blut

Daß ihrer Sinnen heilge Glut

Nur in der Himmels-Liebe brandte.

Sie macht ihr auch den Tod bekand

Eh’ sich derselbe zu ihr fand

Und harrte seiner sonder Schrecken;

Sie nam der Kranckheit Boten an

Und wuste daß zur letzten Bahn

Sie als Gefehrten solten wecken.

Und darumb war sie jederzeit

Jm Geist gerüstet und bereit

Sah’ in Gedult dieselben kommen

Gott kürtzte ihres Leidens-Qual

Und hat sie auß dem Thränen-Thal

Durch seine Hand hinweg genommen.

Jhm fällt es peinlich und nicht ihr

Betrübtster Freund der Pallas Zier

Daß nun in langen Einsamkeiten

Er seine Zeit beschliessen muß.

Wer aber will des Himmels-Schluß

Und seiner Satzung wieder streiten?

Er weiß durch seine Kunst genau

Daß unsers siechen Leibes Bau

Geht täglich ein und fällt darnieder

Daß weil wir noch auff Erden gehn

Mit einem Fuß im Grabe stehn

Und schon der Tod durchkreucht die Glieder.

Man gebe was man geben soll

Der Sterbligkeit den letzten Zoll

Den itzt sein Schatz hat abgeleget.

Die nach dem Trübsal dieser Zeit

Vor GOttes Antlitz wird erfreut

Und Lorber-Kräntz und Palmen träget.

Das Leid Machaon unsrer Stadt

So itzt sehr tieff gerissen hat

Kan doch Gedult und Zeit verbinden

Und wenn sein Himmels-gleicher

Des Lebens satt von hinnen reist

So wird er sie dort wieder finden.