Trauer-Ode Auf Hn. A. O. jüngsten Söhnlein A. Leich- begängnus den 9. Junii 1675...
Es laufft der Natur zuwieder
Ja
Wenn wir unsrer Kinder Glieder
Mit der Erden decken zu:
Wenn gleich einem Regen-Bogen
Unser Hoffen muß vergehn
Und die Lust so man gepflogen
Wir sehn auf der Bahre stehn.
Daß sie uns die Augen schliessen
Ist der wünschte Ziel und Zweck.
Wenn hingegen wir sie müssen
Auß den Augen tragen weg
Scheint es der Vernunfft zwar bitter
Und dem Hertzen schwer zu seyn
Daß deß Todes Ungewitter
Reist Gesetz und Ordnung ein.
Aber wie auff gleich Gewichte
Tod und Leben ist gelegt
Und das Göttliche Gerichte
Nicht zu unterscheiden pflegt
Ob es an begrauten Haaren
Seinenletzten Schluß vollzieht?
Oder die wirfft auff die Bahren
So in ihrer ersten Blüth?
Also müssen wir auch dencken
Daß beym Eintrit in die Welt
Ab- und Hinzug uns umbschrencken
Und der Tod gefangen helt.
Es sind bald die Windel-Binden
Fessel unsrer Sterbligkeit
Und der Vorrath den wir finden
Ist gehäufftes Hertzeleid.
Thränen sind die ersten Wahren
Und der letzte Sterbens-Zoll
Kummer wächset mit den Jahren
Elend macht das Leben voll.
So daß man muß Beyfall geben
Was der Weisen Mund gelehrt
Daß es besser gar nicht leben
Oder daß es bald auffhört.
Denn die Freuden so wir haben
Sind nur ein Sardinisch Graß
Und deß Glückes Gut und
Noch gebrechlicher als
Auch der
Ist ein falscher Jrrwisch-Schein
Der die Sinnen wird bethören
Und in Laster sencken ein.
Zwar
Söhne bauen das
Lassen uns viel Ruhm geniessen
Treten in der Eltern Recht
Sind nach häuffigem Bemühen
Unsers müden Alters Stab
Heissen Ruhm und Namen blühen
Wenn wir faulen in dem
Diß sind irrdische
Die auff keinen
Hoffnung so gar leicht kan wancken
Die man offt verlassen schaut.
Aber wenn sie auß ber Wiegen
Gott in seine Armen nimmt
Welch ein seeliges Vergnügen
Ist den Eltern da bestimmt!
Niemand kan den
Wenn der Himmel blitzt und kracht
Daß er Blumen die recht selten
Vor den andern nimmt in acht.
Sollen wir nicht GOttes Gnaden
Und grundlose Gütigkeit
Rühmen wenn vor Qual und Schaden
Seine Hand uns früh’ befreyt?
Eltern ihr dürfft euch nicht kümmern
Weiter für sein Wohlergehn
Wril nun in deß Himmels-Zimmern
Engel ihm zur Seiten stehn
Auß der Wiegen in die Erden
Hat er früh’ den Lauff vollbracht
Und soll einst verkläret werden
In der schönsten Sternen-Pracht.
Last die Thränen minder fliessen
Nennt den Tod ja nicht Verlust
Weil er jetzund kan geniessen
Statt der süssen Mutter-Brust
Jsraels beliebte Quellen
Die sein höchstes Labsall seyn
Die sein Unschulds-Kleid erhellen
Daß es wie die Lilgen rein.
Gleich wie nur auß schlechter Erden
Unser Anherr war erbaut
Und durch Sünde muste werden
Wieder ihrer Schoß vertraut:
So soll auch was Mensch ist sterben
Doch nicht ewig untergehn;
Denn es wird mit Christo erben
Und lebendig aufferstehn.