Trauer-Ode Auf Hn. A. O. jüngsten Söhnlein A. Leich- begängnus den 9. Junii 1675...

By Heinrich Mühlpfort

Es laufft der Natur zuwieder

Ja

Wenn wir unsrer Kinder Glieder

Mit der Erden decken zu:

Wenn gleich einem Regen-Bogen

Unser Hoffen muß vergehn

Und die Lust so man gepflogen

Wir sehn auf der Bahre stehn.

Daß sie uns die Augen schliessen

Ist der wünschte Ziel und Zweck.

Wenn hingegen wir sie müssen

Auß den Augen tragen weg

Scheint es der Vernunfft zwar bitter

Und dem Hertzen schwer zu seyn

Daß deß Todes Ungewitter

Reist Gesetz und Ordnung ein.

Aber wie auff gleich Gewichte

Tod und Leben ist gelegt

Und das Göttliche Gerichte

Nicht zu unterscheiden pflegt

Ob es an begrauten Haaren

Seinenletzten Schluß vollzieht?

Oder die wirfft auff die Bahren

So in ihrer ersten Blüth?

Also müssen wir auch dencken

Daß beym Eintrit in die Welt

Ab- und Hinzug uns umbschrencken

Und der Tod gefangen helt.

Es sind bald die Windel-Binden

Fessel unsrer Sterbligkeit

Und der Vorrath den wir finden

Ist gehäufftes Hertzeleid.

Thränen sind die ersten Wahren

Und der letzte Sterbens-Zoll

Kummer wächset mit den Jahren

Elend macht das Leben voll.

So daß man muß Beyfall geben

Was der Weisen Mund gelehrt

Daß es besser gar nicht leben

Oder daß es bald auffhört.

Denn die Freuden so wir haben

Sind nur ein Sardinisch Graß

Und deß Glückes Gut und

Noch gebrechlicher als

Auch der

Ist ein falscher Jrrwisch-Schein

Der die Sinnen wird bethören

Und in Laster sencken ein.

Zwar

Söhne bauen das

Lassen uns viel Ruhm geniessen

Treten in der Eltern Recht

Sind nach häuffigem Bemühen

Unsers müden Alters Stab

Heissen Ruhm und Namen blühen

Wenn wir faulen in dem

Diß sind irrdische

Die auff keinen

Hoffnung so gar leicht kan wancken

Die man offt verlassen schaut.

Aber wenn sie auß ber Wiegen

Gott in seine Armen nimmt

Welch ein seeliges Vergnügen

Ist den Eltern da bestimmt!

Niemand kan den

Wenn der Himmel blitzt und kracht

Daß er Blumen die recht selten

Vor den andern nimmt in acht.

Sollen wir nicht GOttes Gnaden

Und grundlose Gütigkeit

Rühmen wenn vor Qual und Schaden

Seine Hand uns früh’ befreyt?

Eltern ihr dürfft euch nicht kümmern

Weiter für sein Wohlergehn

Wril nun in deß Himmels-Zimmern

Engel ihm zur Seiten stehn

Auß der Wiegen in die Erden

Hat er früh’ den Lauff vollbracht

Und soll einst verkläret werden

In der schönsten Sternen-Pracht.

Last die Thränen minder fliessen

Nennt den Tod ja nicht Verlust

Weil er jetzund kan geniessen

Statt der süssen Mutter-Brust

Jsraels beliebte Quellen

Die sein höchstes Labsall seyn

Die sein Unschulds-Kleid erhellen

Daß es wie die Lilgen rein.

Gleich wie nur auß schlechter Erden

Unser Anherr war erbaut

Und durch Sünde muste werden

Wieder ihrer Schoß vertraut:

So soll auch was Mensch ist sterben

Doch nicht ewig untergehn;

Denn es wird mit Christo erben

Und lebendig aufferstehn.