Trauer-Ode Bey Beerdigung Fr. H. H. g. S. den 11. Novembr. 1676.
Jm Ehren-Schnee der grauen Haare
Du Cron der Frauen Zier der Stadt
Legstu dich auch hin auff die Bahre
Deß jammer vollen Lebens satt?
Wohl dir du hast das Ziel getroffen
Weil deines Alters gantze Zeit
Jm
Dem Allerhöchsten war geweiht.
Denn ob sonst ein vernünfftig schweigen
Der klugen Leute Kleinod bleibt:
Sind doch die Wunder anzuzeigen
Die GOttes Finger in uns schreibt.
Der dich von Jugend auff gelehret
Und seinen Weg dir kund gethan
Den hast durch
Gewandelt auff des HErren Bahn.
Du hast mit David auch gebeten
Verlaß mich GOtt im Alter nicht
Wenn nun die grauen Tag antreten
Und Mattigkeit die Kräffte bricht:
Damit ich meinen Kindes-Kindern
Verkündige von deinem Arm
Wie du dein Heil nicht pflegst zu mindern
Und sich dein Hertze stets erbarm’.
Alsdenn hast du mit
Des grossen GOttes Herrligkeit
Wie hoch sein Sitz im Himmel oben
Wie prächtig er ihm zubereit.
Wie gar nichts gleichet seiner Güte
Die geht so weit die Wolcken gehn.
Wie seine Warheit uns behüte
Daß wir in Noth und Tod bestehn.
Auff diesen Fels hast du gebauet
Und deine
In grosser Augst dich ihm vertrauet
Der ob er schläget und verletzt
So ist er der aus tieffer Erden
Die Seinigen erheben kan:
Und läst sie groß und herrlich werden
Mit Trost und Seegen angethan.
Diß alles Seelige Matrone
War deines Alters Ampt nnd Pflicht.
Nun trägst du auch die Ehren-Krone
Die selbst die Tugend zugericht.
Was sollen dunckele Cypressen
Bey deines Grabes-Höle thun?
Du wirst und bleibest unvergessen
In vieler Angedencken ruhn.
Wie sich der Printz der Vögel schwinget
Der Adler zu der Sternen-Höh
Und Pfeilen gleich die Lufft durchdringet
Daß er der Sonn’ am nechsten steh’.
So hast du zu der Lebens-Sonne
Auch deiner Andacht-Feur geschickt
Die dich mit unerschöpffter Wonne
Biß an den letzten Gieb erquickt.
Dein
Entrieß dich dieser Eitelkeit
Du sahst schon hier den Himmel offen
Und wenn des blöden Fleisches Streit
Die Sinnen wolte niederbeugen
Stand Gottesfurcht dir an der Hand.
Die pflag was ewig ist zu zeigen
Für dieser Erden Pracht und Tand.
Man wird dich nur zu sehr vermissen
Denn frommer Leute Tod ist werth.
Wenn solcher Schnee fängt an zufliessen
Wenn diese Lilg’ ein Nord verheert
So kommen nicht beglückte Zeiten;
Des Hauses Trost und Sonne fleucht
Man siehet wie zu allen Seiten
Sie Thränen-Wolcken nach sich zeucht.
Die Enckel den das Mutter-Hertze
So unvergleichlich wol geneigt
Gehn jetzt aus tieffem Seelen-Schmertze
Jm Flor verhüllet und gebeugt.
Sie müssen doppelt Leid ertragen
Die erste Mutter ist dahin
Und die Groß-Mutter zubeklagen
Kränckt noch mehr ihren treuen Sinn.
Wol Edler Herr Er wird bekennen
Wie redlich sie es hat gemeynt.
Daß sie des Hauses Hertz zu nennen
Der liebsten Söhne bester Freund.
Jedoch er kan vernünfftig schliessen
Daß sie an Ehr und Leben satt
Nunmehr im Himmel zugeniessen
Das Bürger-Recht der Heil’gen hat.
Belobte Frau von Tugend-Gaben
Schlaff in der stillen Erden wol:
Dein Ruhm der bleibet unbegraben
Die Tugend baut dir ein Mausol.
Du hast das beste Ziel getroffen
Auff dieser Welt und GOtt erkannt
Dein Reden Beten Rühmen Hoffen
Hat dir den Himmel zugewand.