Trauer-Ode Bey Beerdigung Fr. H. H. g. S. den 11. Novembr. 1676.

By Heinrich Mühlpfort

Jm Ehren-Schnee der grauen Haare

Du Cron der Frauen Zier der Stadt

Legstu dich auch hin auff die Bahre

Deß jammer vollen Lebens satt?

Wohl dir du hast das Ziel getroffen

Weil deines Alters gantze Zeit

Jm

Dem Allerhöchsten war geweiht.

Denn ob sonst ein vernünfftig schweigen

Der klugen Leute Kleinod bleibt:

Sind doch die Wunder anzuzeigen

Die GOttes Finger in uns schreibt.

Der dich von Jugend auff gelehret

Und seinen Weg dir kund gethan

Den hast durch

Gewandelt auff des HErren Bahn.

Du hast mit David auch gebeten

Verlaß mich GOtt im Alter nicht

Wenn nun die grauen Tag antreten

Und Mattigkeit die Kräffte bricht:

Damit ich meinen Kindes-Kindern

Verkündige von deinem Arm

Wie du dein Heil nicht pflegst zu mindern

Und sich dein Hertze stets erbarm’.

Alsdenn hast du mit

Des grossen GOttes Herrligkeit

Wie hoch sein Sitz im Himmel oben

Wie prächtig er ihm zubereit.

Wie gar nichts gleichet seiner Güte

Die geht so weit die Wolcken gehn.

Wie seine Warheit uns behüte

Daß wir in Noth und Tod bestehn.

Auff diesen Fels hast du gebauet

Und deine

In grosser Augst dich ihm vertrauet

Der ob er schläget und verletzt

So ist er der aus tieffer Erden

Die Seinigen erheben kan:

Und läst sie groß und herrlich werden

Mit Trost und Seegen angethan.

Diß alles Seelige Matrone

War deines Alters Ampt nnd Pflicht.

Nun trägst du auch die Ehren-Krone

Die selbst die Tugend zugericht.

Was sollen dunckele Cypressen

Bey deines Grabes-Höle thun?

Du wirst und bleibest unvergessen

In vieler Angedencken ruhn.

Wie sich der Printz der Vögel schwinget

Der Adler zu der Sternen-Höh

Und Pfeilen gleich die Lufft durchdringet

Daß er der Sonn’ am nechsten steh’.

So hast du zu der Lebens-Sonne

Auch deiner Andacht-Feur geschickt

Die dich mit unerschöpffter Wonne

Biß an den letzten Gieb erquickt.

Dein

Entrieß dich dieser Eitelkeit

Du sahst schon hier den Himmel offen

Und wenn des blöden Fleisches Streit

Die Sinnen wolte niederbeugen

Stand Gottesfurcht dir an der Hand.

Die pflag was ewig ist zu zeigen

Für dieser Erden Pracht und Tand.

Man wird dich nur zu sehr vermissen

Denn frommer Leute Tod ist werth.

Wenn solcher Schnee fängt an zufliessen

Wenn diese Lilg’ ein Nord verheert

So kommen nicht beglückte Zeiten;

Des Hauses Trost und Sonne fleucht

Man siehet wie zu allen Seiten

Sie Thränen-Wolcken nach sich zeucht.

Die Enckel den das Mutter-Hertze

So unvergleichlich wol geneigt

Gehn jetzt aus tieffem Seelen-Schmertze

Jm Flor verhüllet und gebeugt.

Sie müssen doppelt Leid ertragen

Die erste Mutter ist dahin

Und die Groß-Mutter zubeklagen

Kränckt noch mehr ihren treuen Sinn.

Wol Edler Herr Er wird bekennen

Wie redlich sie es hat gemeynt.

Daß sie des Hauses Hertz zu nennen

Der liebsten Söhne bester Freund.

Jedoch er kan vernünfftig schliessen

Daß sie an Ehr und Leben satt

Nunmehr im Himmel zugeniessen

Das Bürger-Recht der Heil’gen hat.

Belobte Frau von Tugend-Gaben

Schlaff in der stillen Erden wol:

Dein Ruhm der bleibet unbegraben

Die Tugend baut dir ein Mausol.

Du hast das beste Ziel getroffen

Auff dieser Welt und GOtt erkannt

Dein Reden Beten Rühmen Hoffen

Hat dir den Himmel zugewand.