Trauer-Ode Uber dem frühen Absterben Jungf. A. D. B. den 6. April 1678.
Dein Freund ist wie ein Püschel Myrrhen
Das zwischen deinen Brüsten liegt.
Du hast satt auß den Angst-Geschirren
Verblichnes Jungfer-Bild gekriegt;
Die Aloe war nur zu bitter
Die dir dein Leben abgezehrt
Und durch der Kranckheit Ungewitter
In eine Leiche dich verkehrt.
Allein da alle dich verlassen
Und niemand mehr mit Hülff erscheint
So will dein JEsus dich umbfassen
Der allerbest’ und treuste Freund.
Der will dich in den Rosen weiden
Biß daß deß Todes Schatten kömmt
Und er durch seinen Tod und Leiden
Die Nacht der Sünden von dir nimmt.
Kan eine Liebe dieser gleichen
Die über Erd’ und Himmel geht?
Ach Liebe du thust Wunder-Zeichen!
Du bist der seeligste Magnet!
Der unsern Staub mit GOtt vermählet
Und uns durch desseu Wunden führt.
Ja daß uns ewig nichts mehr fehlet
Gut machet was wir selbst verbührt.
Du wilst mit deinem Heyland sterben
Und Seel und Hertz zerschmeltzt in ihm.
Der Tod mag Lipp und Wang entferben
Du weist daß dieses ein
An dem dein JEsus sich ergetzet
Daß man aus Dornen Kronen flicht
Wie sehr die Fäulnüß dich verletzet
Je schöner bist du zugericht.
Er will gekeltert dir gefallen
Du kennst’ es daß sein Kleid blut-roth.
Er ist der Schönste unter allen
Dein Retter in der letzten Noth.
Ach geh ach geh mit ihm zu grabe
Wie prächtig wirstu aufferstehn!
Wenn diß was itzt frist Wurm und Schabe
Wird über Stern und Sonn gehn.
Braut eile laß die Myrrhen-Hügel
Der Seelen Trost und Labsal seyn.
Die Myrrhen bleibt deß Bundes Siegel
Den er mit dir gegangen ein.
Die ihn am Creutze hat geträncket
Vertreibt der Sünden Bitterkeit
Und die man seinem Grab geschencket
Giebt dir die Unverwesenheit.
Dein Freund ist reiner als die Lilgen
Als Hyacinth und Tausendschön.
Er will die Flecken dir vertilgen
Du solst ihm Lilgen-gleiche gehn.
An Reinigkeit in deinem Glauben
Der Sitten unbeflecktem Schnee;
Du bist ein Safft auß seinen Trauben
Und Blume von der Sarons Höh’.
Erwege was er hat gelitten
Er leidet Schmach und läst dir Ruhm.
Du siegest und er hat gestritten
Dein Herr räumt dir sein Eigenthum.
Er wird zerrissen du vereinet
Er wird ein Schatten du das Licht.
Er ist der dürfftig hier erscheinet
Auf daß dir dorte nichts gebricht.
Er trägt die Schmach du prangst in Cronen
Er schlingt Verachtungs-Speichel ein
Daß Ruhm und Ehren umb dich wohnen
Wird Knecht auf daß du frey kanst seyn
Er neigt das Haupt das du erhöhet
Als Fürstin gehst ins Himmel-Schloß.
Unseelig wer itzt nicht verstehet
Wie seine Liebe wunder-groß!
Die Myrrhen hastu nun gelesen
Wie bistu doch so schon und reich
Gesetzt auch daß itzt dein Verwesen
Die treuste Mutter machet bleich.
So ist doch dein Geruch der Tugend
Ein Myrrhen der GOtt wolgefällt.
Drumb hat er deiner zarten Jugend
So einen frühen Tod bestellt.
Betrübtste Freundin daß ihr Klagen
Ans recht verwundtem Hertzen geht
Nun ihre Tochter fortzutragen
Hier auf bedeckter Bahre steht
Bezeugt ihr thränendes Gesichte;
Und der wär’ härter als ein Stein
Der bey dergleichen Traur-Geschichte
Gantz ohne Beyleid wolte seyn.
Doch dencke sie daß die itzt stirbet
Und fest ihr Püschel Myrrhen trägt
Durch den des Lebens Heil erwirbet
Mit dem sie sich ins
Sie eilt den Herrn zu balsamiren
Wie Magdalen und Salome:
Solt es der Heyland nicht verspühren
Es sey ihr Anna Dorothe?