Trauer-Ode Uber frühzeitiges Verblühn J. L. S. v. S. den 27. Decembr. 1673.

By Heinrich Mühlpfort

Soll JEsus in dem Stalle liegen

Und findt nicht in der Herberg Raum?

So ruffst du ihn in deine Wiegen

Louys' und küst ihn in dem Traum?

Doch eylst du solchen Traum zu schliessen

Hier in der blassen Sterbligkeit

Umb daß du ihn dort mögest küssen

Und seyn in deinem Schatz erfreut.

Es ehre unsers Heylands Krippen

Entbrandter Hertzen Andachts-Schall

Du lispelst noch mit zarten Lippen

(ach! eine süsse Nachtigall.)

Jetzt unter tausend Cherubinen;

Ein Kind hat uns das Heyl gebracht:

Und stimmest bey den Seraphinen:

Diß Kind hat uns befreyt gemacht.

Man laß’ aus der Cumaner Grüfften

Sibyllen haben propheceyt

Wie GOtt ein Bündnüß würde stifften

Vermählen Zeit und Ewigkeit.

Du keine Heydnische Sibylle

Hast JEsum dir zum Trost erkiest

Und weiß daß aller Weißheit Fülle

Und aller Gütter Schatz er ist.

Sein Arm der hat dich auch geführet

In so ein ruhig Schlaff-Gemach

Da dich kein Schmertzen mehr berühret

Da dir kein Elend folget nach.

Wie friedsam lisst du deine Wiegen

Die Windeln als wie Fesseln stehn

Nun du an JEsus Brust solst liegen

Und mit ihm ein in Himmel gehn.

Dein’ Augen werden nicht ersterben

Bricht sie schon hier des Todes Hand.

Er wil mit seinem Blute färben

Der Wangen jetzt verblasten Rand.

Er wil den Todes-Schweiß weg wischen

Dich Lämchen nehmen in die Schoß

Und dich mit jenem Kelch erfrischen

Den er zu deinem Heyl vergoß.

Muß schon das Fleisch wie Heu verschwinden

Schlieff doch dein Heiland auff dem Heu

Als er sich erst bey uns ließ finden;

Und alles Fleisch ist Heu und Spreu.

Wie eine Blume auff der Wiese

Gar bald des Mäders Senß’ abmeyht

So auch Holdseeligste Louyse

Verfällst du in der ersten Zeit.

Du zartes Kind stirbst in der Wiegen

Gleich wie der Retter dieser Welt

Als Mensch wil in der Wiege liegen

Und uns die Ewigkeit fürstellt.

Versichert daß er wird dein weinen

Mit seinen Thränen trocknen ab

Du wirst verklärter einst erscheinen

Und als wie er gehn aus dem Grab.

Er Bruder kleidet deine Seele

Als Schwester in ein solch Gewand

Das hier auff düstrer Erden Höle

Kein sterblich Auge hat erkant.

Er schencket dir ein solch Geschmeide

Vor dem des Demants Straal erblast

Hat Leben Herrligkeit und Freude

In deinen Trau-Ring eingefast.

Laß Menschen Hände immer weben

Ein bald vermodrend Ehren-Kleid.

Die Unschuld so dich jetzt umbgeben

Ist reiner als die beste Seid.

Ach! Blum ins Paradieses Wiese

Stern dessen Licht sich nie verzehrt

Dreymal glückseelige Louyse

Was hat dein JEsus dir beschert.

Geehrtste Eltern stellt die Zähren

Der nassen Wehmuth Perlen ein

Die zwar der Liebe ihr Begehren

Und auch getreue Zeugen seyn.

Doch weil sie ist so wol versetzet

So rufft Gelück Sibyllen zu.

Und denckt daß die seyn hochgeschätzet

Die GOtt so zeitlich krönt mit Ruh.