Trauer-Ode Uber frühzeitiges Verblühn J. L. S. v. S. den 27. Decembr. 1673.
Soll JEsus in dem Stalle liegen
Und findt nicht in der Herberg Raum?
So ruffst du ihn in deine Wiegen
Louys' und küst ihn in dem Traum?
Doch eylst du solchen Traum zu schliessen
Hier in der blassen Sterbligkeit
Umb daß du ihn dort mögest küssen
Und seyn in deinem Schatz erfreut.
Es ehre unsers Heylands Krippen
Entbrandter Hertzen Andachts-Schall
Du lispelst noch mit zarten Lippen
(ach! eine süsse Nachtigall.)
Jetzt unter tausend Cherubinen;
Ein Kind hat uns das Heyl gebracht:
Und stimmest bey den Seraphinen:
Diß Kind hat uns befreyt gemacht.
Man laß’ aus der Cumaner Grüfften
Sibyllen haben propheceyt
Wie GOtt ein Bündnüß würde stifften
Vermählen Zeit und Ewigkeit.
Du keine Heydnische Sibylle
Hast JEsum dir zum Trost erkiest
Und weiß daß aller Weißheit Fülle
Und aller Gütter Schatz er ist.
Sein Arm der hat dich auch geführet
In so ein ruhig Schlaff-Gemach
Da dich kein Schmertzen mehr berühret
Da dir kein Elend folget nach.
Wie friedsam lisst du deine Wiegen
Die Windeln als wie Fesseln stehn
Nun du an JEsus Brust solst liegen
Und mit ihm ein in Himmel gehn.
Dein’ Augen werden nicht ersterben
Bricht sie schon hier des Todes Hand.
Er wil mit seinem Blute färben
Der Wangen jetzt verblasten Rand.
Er wil den Todes-Schweiß weg wischen
Dich Lämchen nehmen in die Schoß
Und dich mit jenem Kelch erfrischen
Den er zu deinem Heyl vergoß.
Muß schon das Fleisch wie Heu verschwinden
Schlieff doch dein Heiland auff dem Heu
Als er sich erst bey uns ließ finden;
Und alles Fleisch ist Heu und Spreu.
Wie eine Blume auff der Wiese
Gar bald des Mäders Senß’ abmeyht
So auch Holdseeligste Louyse
Verfällst du in der ersten Zeit.
Du zartes Kind stirbst in der Wiegen
Gleich wie der Retter dieser Welt
Als Mensch wil in der Wiege liegen
Und uns die Ewigkeit fürstellt.
Versichert daß er wird dein weinen
Mit seinen Thränen trocknen ab
Du wirst verklärter einst erscheinen
Und als wie er gehn aus dem Grab.
Er Bruder kleidet deine Seele
Als Schwester in ein solch Gewand
Das hier auff düstrer Erden Höle
Kein sterblich Auge hat erkant.
Er schencket dir ein solch Geschmeide
Vor dem des Demants Straal erblast
Hat Leben Herrligkeit und Freude
In deinen Trau-Ring eingefast.
Laß Menschen Hände immer weben
Ein bald vermodrend Ehren-Kleid.
Die Unschuld so dich jetzt umbgeben
Ist reiner als die beste Seid.
Ach! Blum ins Paradieses Wiese
Stern dessen Licht sich nie verzehrt
Dreymal glückseelige Louyse
Was hat dein JEsus dir beschert.
Geehrtste Eltern stellt die Zähren
Der nassen Wehmuth Perlen ein
Die zwar der Liebe ihr Begehren
Und auch getreue Zeugen seyn.
Doch weil sie ist so wol versetzet
So rufft Gelück Sibyllen zu.
Und denckt daß die seyn hochgeschätzet
Die GOtt so zeitlich krönt mit Ruh.