Trauer-OdeUber Sr. Königl. Maj. von Preussen Friederich des Ersten AbsterbenFußn...

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Als wir in vollem Glücke lebten

Das Friedrichs Tugend uns gebahr;

Als wir in tausend Aengsten schwebten

Da unser König in Gefahr;

Als wir mit Freuden hörten sagen:

Die Kranckheit habe keine Noth:

So hören wir den Donner schlagen

Daß Friederich der Erste todt.

Wie wenn in sechs und zwantzig Jahren

Ein Land in klarer Sonnen sitzt;

Kein feindlich Wetter recht erfahren;

Und denn mit eins der Himmel blitzt:

So wird ein gantzes Reich erzittern

Da dieser hohe Fall erklingt:

Weil es das gröste von Gewittern

Das Preussen in die Seele dringt.

Je mehr wir unser Wohl ergründen

Das aus des Königs Liebe floß

In welcher nie ein Grund zu finden:

Je mehr bricht unser Schmertzen loß.

Ihr Zeiten seyd zu gut gewesen

Als daß die Nach-Welt unsre Lust

Soll sonder unsern Jammer lesen

Der uns durch Seinen Todt bewust.

Entkleidet euch belaubten Bäume!

Grün trauret nicht der Preussen Land.

Ihr Schätze der Natur seyd Träume

Vor unsern unglückseelgen Stand.

Der Himmel läßt den Frühling werden;

Uns wird das Hertz vor Schrecken kalt.

Die rauhe Zeit muß von der Erden

Und nimt in uns den Aufenthalt.

Die Posten fliegen hin und wieder

Und legen durch ein schwartzes Blat

Der grösten Fürsten Hertzen nieder

Weil Friedrich sich geleget hat.

Welch klagen schallet auf der Höhe!

Das Seuffzen dringt durch jedes Thal.

Von Preussens-Wonne Preussens-Wehe

Gehn die Concerten allzumahl.

Wie traurig klingen doch die Glocken!

Wer fürchtet nicht den herben Thon

Dadurch ein gantzes Reich erschrocken?

Diß Ertz klagt allenthalben schon.

Die Lufft muß unser Leiden sagen.

Man wird kein Jahr an diß Metall

Doch länger an die Hertzen schlagen

Ob unsers theuren Königs-Fall.

Des Hofes Seele wird gerühret

Der Friedrichs Tugend hat gekennt.

Der Friedrichs Gnade hat verspüret

Der noch vor Ihn von Liebe brennt.

Die Großen klagen in die Wette.

Berlin dringt mit Gewalt zur Bahr

Und sieht auf seinem Purpur-Bette

Noch einst was sein Vergnügen war.

Der Unterthan kan nichts mehr sprechen;

Die Angst redt immer einerley.

Nur diß muß aus der Seelen brechen:

Daß Friederich gestorben sey.

Genug gesagt sich zu betrüben:

Ihr König der ihr aller Hertz

Und Vater biß ins Grab geblieben

Ist auch im Todt ihr aller Schmertz.

Ihr Lebenden mögt immer weinen

Beweint ein unvergleichlich Gut.

Denn solt' ein Todten-Heer erscheinen

Das dreysig Jahr im Sande ruht

Es würde mit Verwundrung sehen

Berlin in Pracht und Hall im Flor

Sein Reich vermehrt und denn gestehen:

Dein Fürst gieng allen Fürsten vor.

Ihr Musen legt den Lorber nieder

Cypressen stehn euch besser an.

Singt bey dem Sarge Schwanen Lieder

Um euren König ists gethan.

Fridriciana geht im Leide

Weil sie den Stiffter nun verliehrt

Der sie mit Purpur und Geschmeide

Vor allen Weißheits Töchtern ziert.

Die Danckbarkeit fließt aus den Augen

In aller Wissenschafften Mund

Der muß das Saltz der Thränen saugen

Und machet nichts als Leiden kund.

Diß Klagen soll die Nach-Welt lesen

Doch sonder eitler Worte Schein:

Ein König der so fromm gewesen

Will fromm von uns betrauret seyn.

Der Tag der Ihn zur Welt gebohren

War groß in der Zufriedenheit

Der Tag der Ihn zur Chur erkohren

War noch von mehrer Herrlichkeit.

Doch dieser Tag der uns das Leben

Zu eben dieser Zeit verliehn

Da es der Himmel Ihm gegeben

Ist allen Tagen vorzuziehn.

Wenn andre dieses Fest begehen

In eitler Lust und bloßer Pracht

War hier der Weißheit Pomp zu sehen

Die allen Glantz zu nichte macht.

Da hat ein Friedrich triumphiret

So herrlich leicht kein Fürst gethan;

Und weil die Welt die Tugend zieret

Steht Sein Gedächtniß oben an.

Wer feyrt der Todten Lebens-Tage?

Weil dieser Tugend-Tempel prangt

Weil hier nach Weißheit eine Frage

Wo man sie mehr als sonst erlangt

Wird man in Reden und in Schrifften

So einer unschätzbaren That

Dem Tag' ein Ehren Denckmahl stifften

Da Friedrich uns geliebet hat.

Fridriciana ward gebohren

Da man der Musen sonst vergißt

So daß die Zeit die sie erkohren

Höchst rühmlich vor den Stifter ist.

Die Weißheit bildet man in Wassen

Sein Heer zog damahls in das Feld

So hat er dieses Kind erschaffen

Im Harnisch als ein weiser Held.

So kondten wir glückseelig schauen

Die Feinde fern von uns bekrigt

Den Hahn in unsers Adlers Klauen

Der wenn er über ihn gesiegt

Mit Palmen kam zurück gezogen.

Uns aber sind in stoltzer Ruh

Nur holde Tauben zugeflogen

Die brachten uns den Oelzweig zu.

So hoch hat Friedrich uns beglücket.

Ein danckbahr Hertz vergißt es nicht.

Das gantze Reich ist noch entzücket

Wenn es von diesem Fürsten spricht.

Verfolgte die Er hat geschützet

Die rühmen Preussens Canaan

So daß Sein Denckmahl unterstützet

Was lebt und ewig leben kan.

Um Sein so Königlich bezeigen

Da Gott voraus an Ihm gekandt

Ließ Er Ihn wunderbahrlich steigen:

Ihm ward das Erb-Recht zugewandt.

Diß Glück war groß für Ihn zuwenig.

Als Chur-Fürst saß Er auf dem Thron.

Und endlich herrschte der als König

Der in der Weißheit Salomon.

Die Welt muß zu den Wundern zehlen

Sein selbst gepflantztes Königreich.

Gott der die Crone seiner Seelen

Der krönt und salbet Ihn zugleich.

Die Fürsten hatt' Er sich verbunden

Daß sie durch Sein Verdienst gerührt

Aus Lieb' Ihm freudig zugestunden

Was Seiner Tugend längst gebührt.

Was kan wohl mehr gesaget werden:

Als daß Ihn alle Welt geliebt?

Durch Liebe that Er mehr auf Erden

Als andre durch ein Heer verübt.

Und wenn man in den schwersten Dingen

Zum öftern an zu zweifeln fieng

Half Ihm die Gottesfurcht vollbringen

Was über Menschen Kräfte gieng.

Ihr Großen diese Kunst zu lernen

Wie Euer Scepter glücklich sey

So wachet bey dem Glantz der Sternen

Eh noch die Morgen-Röth herbey

Daß Ihr ins Cabinet Euch schliesset

Und da in tiefster Niedrigkeit

In heissen Thränen fast zerfliesset

Um Eures Landes Sicherheit.

Denn so hats Friedrich angefangen.

Aurora stund so früh nicht auf

Als Ihm die Thränen auf den Wangen.

Des Himmels-Seegen folgte drauf.

Ihm ward auf Lebens-lang beschieden

Was eines frommen Fürsten Lust:

Das Reich bekam den güldnen Frieden

Den Himmlischen des Königs-Brust.

Kein Herr hat iemahls größre Gaben

Kein Herr hat ein vollkommner Lob

Als unser weiser Held muß haben.

Doch wenn Ihn alles nun erhob

Wenn aus dem allerbesten Grunde

Sein hoher Ruhm: so hörten wir

Die Demuth aus dem Königs-Munde:

Mein Ruhm ist immer Gott von dir.

Nun dieser Ruhm wird vor uns bleiben:

Die Ehrfurcht schweigt o König still

Weil ihn kein Redner kan beschreiben,

Wenn er Dich würdig preisen will.

Was Klugheit Helden Muth erworben

Faßt ein Geschichts-Buch kaum in sich.

Wie Du gelebt wie Du gestorben

Das ist weit mehr als Königlich.

Wenn wir nun höchst empfindlich weinen

Um dein so gnädigs Vater Hertz:

Muß uns durch dich ein Trost erscheinen;

Du machst und linderst auch den Schmertz:

Die Hand rührt ihre schwache Glieder

Zeigt auf den Erben deiner Cron:

Hier habt ihr einen Vater wieder

In meinem auserwehlten Sohn.

So sprach dein gründliches Vertrauen.

Nun Friedrich Wilhelm sey beglückt

Der alle Tugend lässet schauen

Die Helden Könige geschmückt.

Gott wohnte Friedrichs seinen Wegen

Mit großer Ehr und Gnade bey:

Herr! gib durch deinen Wunder-Seegen

Daß Friedrich Wilhelm grösser sey.