Trauer-thränen bey dem grabe Hn. D. Valent. Alberti.
Verzeihet mir ihr theuresten gebeine
Daß ich euch zwar mit hundert ach beweine
Nicht aber itzt nach würden rühmen kan:
Es kan mein hertz nicht euer thun erwegen
Ohn neue pein und thränen zu erregen
Und euer lob steht frembden besser an.
Ich darff von nichts als von betrübniß sagen.
Mein schwacher mund soll andern helffen klagen
Der heute kaum zu trost kan offen stehn.
Kommt kirch und schul die dieser tod betrübet
Verlaßnes hauß und die er sonst geliebet
Last euer weh durch meine lippen gehn.
Die kirche klagt: es fällt ein grosser Lehrer
Der warheit schild der gottesfurcht verehrer
Ein pfeiler sinckt der von den stärcksten war;
Mein heiligthum hat einen bruch erlitten
Der für mein heyl mit mund und hand gestritten
Liegt itzt erstarrt auff seiner toden-baar.
Ach menschen thut ach thut noch heute busse
Des hauses wohl beruht auf schwachen fusse
Wenn sich der fall an seine stützen macht.
Wenn berge schon sich pflegen zu verstecken
Will meist das land ein dunckler nebel decken:
Jtzt weicht ein berg nehmt euer licht in acht.
Der Musen-sitz an diesem werthen orte
Zeigt auch sein leid durch klagen-volle worte
Und spricht: dein witz hat mir so manches kind
Und noch vielmehr von fremden unterrichtet.
Wie viel sind dir vor deinen fleiß verpflichtet
Die itzt geehrt und grosse leute sind!
Doch dieser fall der andre nur verletzet
Hat leider dir gantz tödlich zugesetzet
O klägliches und jammerreiches hauß!
Der thränen naß das sonst viel treue sinnen
Umb ihr gesicht mit tropffen lassen rinnen
Bricht ja bey dir mit vollen strömen aus.
Wer dich besucht dem schallt in seinen ohren:
Es ist zu viel es ist zu früh verlohren:
Ein trüber tag entführt ein solches haupt
Das uns sonst nichs als freuden-tage machte
Und noch viel jahr uns zu versorgen dachte
Wir sind ein schiff dem man den mast geraubt.
Und sihe doch bey deiner noth und schmertzen
Vergeß ich fast was meinem eignen hertzen
Die gröste pein und marter angethan.
Dein herber stand und deines creutzes flammen
Gehn über mich mit voller glut zusammen
Und greiffen mir die seele selber an.
Der stirbet mir dem ich so lieb gewesen
Den GOtt in noth mir hat zum schutz erlesen
Und in gefahr zum rath und trost erkiest.
Ja gleich wie mir mein Vater geist und leben
So hat es der derjenigen gegeben
Die auf der welt mein ander leben ist.
Hier sinckt mein kiel das hertze will mir brechen
Mein arm wird schwach was kan ich weiter sprechen
Als: gute nacht mein Vater ruhe wohl
Ich will dir noch viel tausend tausend zähren
Zur letzten pflicht bey deiner grufft gewähren
Sonst weiß ich nicht wie ich dir dienen soll.
Jedoch du wilt noch eines von mir haben
Ich soll dein hauß mit himmels-stärckung laben
Du flössest mir die worte selber ein
Mit deren trost die deinen sind zu speisen
Und sprichst: nicht weint du wittwe und ihr wäysen
Der HErr wird mann der HErr wird vater seyn.