Trauer-thränen bey dem grabe Hn. D. Valent. Alberti.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Verzeihet mir ihr theuresten gebeine

Daß ich euch zwar mit hundert ach beweine

Nicht aber itzt nach würden rühmen kan:

Es kan mein hertz nicht euer thun erwegen

Ohn neue pein und thränen zu erregen

Und euer lob steht frembden besser an.

Ich darff von nichts als von betrübniß sagen.

Mein schwacher mund soll andern helffen klagen

Der heute kaum zu trost kan offen stehn.

Kommt kirch und schul die dieser tod betrübet

Verlaßnes hauß und die er sonst geliebet

Last euer weh durch meine lippen gehn.

Die kirche klagt: es fällt ein grosser Lehrer

Der warheit schild der gottesfurcht verehrer

Ein pfeiler sinckt der von den stärcksten war;

Mein heiligthum hat einen bruch erlitten

Der für mein heyl mit mund und hand gestritten

Liegt itzt erstarrt auff seiner toden-baar.

Ach menschen thut ach thut noch heute busse

Des hauses wohl beruht auf schwachen fusse

Wenn sich der fall an seine stützen macht.

Wenn berge schon sich pflegen zu verstecken

Will meist das land ein dunckler nebel decken:

Jtzt weicht ein berg nehmt euer licht in acht.

Der Musen-sitz an diesem werthen orte

Zeigt auch sein leid durch klagen-volle worte

Und spricht: dein witz hat mir so manches kind

Und noch vielmehr von fremden unterrichtet.

Wie viel sind dir vor deinen fleiß verpflichtet

Die itzt geehrt und grosse leute sind!

Doch dieser fall der andre nur verletzet

Hat leider dir gantz tödlich zugesetzet

O klägliches und jammerreiches hauß!

Der thränen naß das sonst viel treue sinnen

Umb ihr gesicht mit tropffen lassen rinnen

Bricht ja bey dir mit vollen strömen aus.

Wer dich besucht dem schallt in seinen ohren:

Es ist zu viel es ist zu früh verlohren:

Ein trüber tag entführt ein solches haupt

Das uns sonst nichs als freuden-tage machte

Und noch viel jahr uns zu versorgen dachte

Wir sind ein schiff dem man den mast geraubt.

Und sihe doch bey deiner noth und schmertzen

Vergeß ich fast was meinem eignen hertzen

Die gröste pein und marter angethan.

Dein herber stand und deines creutzes flammen

Gehn über mich mit voller glut zusammen

Und greiffen mir die seele selber an.

Der stirbet mir dem ich so lieb gewesen

Den GOtt in noth mir hat zum schutz erlesen

Und in gefahr zum rath und trost erkiest.

Ja gleich wie mir mein Vater geist und leben

So hat es der derjenigen gegeben

Die auf der welt mein ander leben ist.

Hier sinckt mein kiel das hertze will mir brechen

Mein arm wird schwach was kan ich weiter sprechen

Als: gute nacht mein Vater ruhe wohl

Ich will dir noch viel tausend tausend zähren

Zur letzten pflicht bey deiner grufft gewähren

Sonst weiß ich nicht wie ich dir dienen soll.

Jedoch du wilt noch eines von mir haben

Ich soll dein hauß mit himmels-stärckung laben

Du flössest mir die worte selber ein

Mit deren trost die deinen sind zu speisen

Und sprichst: nicht weint du wittwe und ihr wäysen

Der HErr wird mann der HErr wird vater seyn.