Trauer-Zeilen Uber das Absterben Fr. A. F. g. G. den 9. Febr. 1674.

By Heinrich Mühlpfort

So hat des HErren Hand Dich abermal gebücket

Daß du must schwartz gekleidt in tieffstem Trauren

Hat diß

Daß wiederumb dein Schatz muß auff der Bahre stehn?

Und zwar ein gleicher Tod und fast auch gleiche Stunde

Reist sie im ersten Lentz der besten Jahre hin.

Wer tadelts wenn diß Ach! erschallt aus deinem Munde:

Ich glaube daß ich gar des Unglücks Wurffball bin:

Daß Kertzen meiner Lust sind Fackeln blasser Leichen

Und Grab und Hochzeit-Bett zusammen stehn gebaut.

Läst das Verhängnüß denn durch Flehn sich nicht erweichen

Daß man mich anders nicht als zweymal Wittber schaut!

Und zwar eh’ noch ein Jahr hat seinen Kreiß vollzogen

Vollziehet schon der Tod den Eisen-harten Schluß.

Ach daß für Rosen-Safft ich Wermuth nur gesogen!

Und meine Liebe stets ins Grab verschicken muß!

Ja was noch kläglicher und mich darnieder schläget

Der Seegen meiner Eh’ und Hoffnung geht mit ein

Die Mutter wird ein Grab des Pfandes so sie träget

Zwey Hertzen die mein Trost deckt itzt ein Leichen-Stein.

So nun solch Angst-Geschrey erthönt von deinen Lippen

So

So steh ich freylich zu: Wir sind nicht Fels’ und Klippen

Und ein vernünfftig Weib ist tausend Thränen werth.

Jedoch dir sind bekant nicht nur der Themis Rechte

Du weist auch GOttes Recht das sey unwandelbahr.

Beym ersten Apffel-Biß starb unser gantz Geschlechte

Des Ungehorsams Frucht war Sterben und Gefahr.

Biß dieses schwartze Recht mit seinem Blut durchstrichen

Der Mittler unsers Heils und Retter aller Welt.

Da ist der andre Tod von uns hinweg gewichen

Der erste so bewand daß er den Leib nur fällt.

Diß irrdische Gefäß erbaut von schlechter Erden

Wie leichtlich schlägtes nicht der Schopffer wieder ein?

Die Hütte so von Leim muß Koth und Asche werden

Der Glieder mürbes Glas kan nicht beständig seyn.

Befreyt uns nun der Tod von angelegten Banden

Führt uns sein dürrer Arm in stille Sicherheit

So ist uns mehr als wohl daß wir nun überstanden

Die Reise voller Angst den Weg der Sterbligkeit.

Mein Freund es ist voran die Liebste nur geschicket

Dies’ allgemeine Bahn betreten ich und du.

Wie sehnlich hat sie nicht von Andacht gantz entzücket

Jhr jeden Augenblick gewünscht die sanffte Ruh?

Sie schien im Himmel mehr als auff der Welt zu leben

Weil sie der Erden Lust verächtlich von sich stieß

Und sich der grösten Kunst der

Als die ihr auch den Zweck zu jenem Leben wieß.

Nicht Jugend Glück und Zeit und was wir Menschen achten

Hat ihren frommen Sinn in Eitelkeit verhüllt:

Jhr GOtts-ergebner Geist pflag selig zu betrachten

Bloß die Gerechtigkeit die dort für GOtte gilt.

Sie flog wie Monica mit Flügeln des Gemüthes

Aus diesem Marter-Haus und Kercker voller Noth:

Diß was hat auffgefacht die Funcken des Geblütes

War feurige Begier zu sehen ihren GOtt.

Jhr Wunsch ist auch erfüllt ihr Seuffzen ist erhöret

Und käm es

Du weist was sonst das Recht vom Tod und Sterben lehret

Gönn auch in diesem Fall des Himmels Erbtheil ihr.

Und klagst du ferner noch daß sie so bald verschieden

Daß eurer Seelen Bund so kurtze Zeit gewehrt

So dencke: daß sie ruht in ungekräncktem Frieden

Und daß sie dermaleins dir wieder wird beschehrt.

Entbehrst du ihre Pflicht und ewig-treues Lieben?

Sorgt ihre Häusligkeit wie vormals nicht vors Hauß?

Ja ich vernein es nicht diß kan den Geist betrüben

Doch Christliche Gedult steht alles Ubel aus.

Befrembdet dich der Fall daß du vor Kinder Leichen

Vor Liebes-Küsse nichts als Seelen-Risse sihst?

Erwege daß es seyn des Höchsten Allmachts-Zeichen

Daß unter Dornen du auch wie die Rosen blühst.

Gott wil kein feiges Hertz bey seinem Leib-Fahn haben

Der stets mit Winseln folgt ist gar ein schlecht Soldat.

Und wenn die Schmertzen uns biß zu der Seelen graben

So sieht man wer die Kron der Uberwindung hat.

Sieh’ in das Alterthum wie Christen Blut vergossen

Wie ihre Unschuld must in lichten Flammen stehn

Wie sie der Heiden Grimm an Pfäler eingeschlossen

Und ließ zerlassen Pech auff ihre Leiber gehn.

Sie trugens mit Gedult frolockten untern Wunden

Daß die Beständigkeit die Hencker abgeschreckt.

Wir sind mit gleicher Pflicht zu unserm Creutz verbunden

Wie wunderbarlich auch uns GOtt es auffgesteckt.

Es wird nie das Gemüth dem Himmel näher treten

Als wenn die Trübsal sich an unsre Seite legt.

Gedrucktes Fleisch und Blut wird viel erhitzter beten

Als wenn die Wollust es auf ihren Flügeln trägt.

Gemeine Fälle sind bey nur gemeinen Leuten

Ein rechter Helden-Muh kennt Auf- und Untergang.

Du wirst

Das Hoffen und Gedult besiegt des Jammers Zwang.

Ach unterwirff dich nur der Sterbligkeit Gesetze!

Hier ist kein Eigenthum kein Bleiben keine Statt:

Und glaube daß dein Schatz sich mehr beglücket schätze

Nun sie die Eitelkeit der Welt verlassen hat.

Sie ist als eine Bach ins Todten-Meer geronnen

Daß sie Jerusalems Heil-Quellen dort geneust.

Und schmiltze gleich dein Hertz in einen steten bronnen

Du bringst sie nicht zurück und kränckst nur deinen Geist.

Es kan unmöglich seyn der Höchste muß dich lieben:

Zwey Liebsten hohlt er heim die ruffen dich hernach.

Dich wird die

Die