Trauerrede Vber das Leiden ChristiFußnoten

By Johann Klaj

Written 1636-01-01 - 1636-01-01

Ich weiß ich weiß wie viel an dẽ verglastẽ Schantzen

goldgüldne Sternlein tantzen.

Ich weiß ein reiches Reich

dem unser Reich nicht gleich.

Es hilfft mich nichts. Das nützt die Stunden überschlagen

die uns das Heil getragen;

Es führt uns auf die Spur

der blinden Juden Vhr.

Vm Eins kömmt Gottes Sohn auß zwier-ehlosem Bette

weint mit uns in die Wette

legt an deß Fleisches Kleid

und träget Menschenleid.

Vm Drey spielt er mit uns es hat jhm viel gestanden

viel viel stieß jhm zu Handen

Durst Hunger Hitze Frost

am Ende Wermut kost.

Vm Sechse gieng recht an das Trauerspiel das Bluten

Creutz Ketten Geisseln Ruten

Speer Nägel Würfel Dorn

versöhnen Gottes Zorn.

Vm Neune stirbt hilf Gott! als wie ein Dieb das Leben

der Vnschuld Zeugniß geben

das aufgerührte Rund

der dreygeschnautzte Hund.

Es ist Nacht nemet ab von der versteinten Eiche

die grosse Schäferleiche

salbt sie mit Spezerey

und setzt sie kostbar bey.

Ach Weh! das Aas steht feil nur zwey sind die da kauffen

auß einem solchen Hauffen

ich will der Dritte seyn

den Kauff mit tretten ein.

Ich will das heilge Grab mit Rosmarin besetzen

mit Augenregnen netzen

und diß was hier gepropfft

nur Zehrennaß betropfft.

Die liebe Liebe hat ein Abendmal gerahten

die liebe Liebe hat ein Abendmal gebraten

die liebe Liebe hat diß Abendmal erdacht

daß liebe Lieb auß Lieb es esse bey der Nacht.

Die Magenleere Hungersnoht

in dieser Welt mich naget

der Durst der ärger als der Tod

im dürren Sand mich plaget

der Hunger quälet mich zwar sehr

der Durst doch tausendmal vielmehr

mein Geist steht auf der Zunge.

Der Erdkreiß lädet mich zu sich

zu sich auf sich zu Gaste

er spricht: Komm her und setze dich

iß was dir schmeckt und raste

greiff an die Trachten ohne Zahl

laß dir wol seyn bey meinem Mahl

ich hab dich hertzlich gerne.

Es ruffet mir das Weldmeer zu

auß glasegrünem Sale

es rufft es trinckt sich selbst mir zu

in einer güldnen Schale

das nasse Wellenschäumen fleust

der Strudel Wasserberge geust

als wolt es alls erträncken.

Ich mag nicht Erd ich mag nicht Flut

wie sehr sie mir auch wincken

mein Jesus ist mein liebstes Gut

mein Essen und mein Trincken

mein Hertz mein allerliebstes Hertz

sein Abseyn bringt dem Hertzen Schmertz

bringt Hungern und auch Dürsten.

Mein Bräutigam erhöret diß

erkennet meine Lüste

er spricht: komm her komm trinck komm iß

und gibt mir beide Brüste

mein Bräutigam mein Himmelszier

mein Weitzenbrod mein Malvasir

der mich speist der mich träncket.

Erd ich mach nimmer was du hast

auf deiner Tafel stehen

Meer ich mag nimmer seyn dein Gast

wie schön die Fluten gehen.

Mich speist mich tränckt mein Jesus Christ

auf seinem Tisch der fertig ist

zu welchem ich jetzt gehe.

Wach auf mein Ehr auf Seiten

der scharfen Harffen-Psalterspiel

ich will mit Ruhm außbreiten

deß Herren Wunder ohne Ziel

sie singen wo die Frommen

im Raht beysammen seyn

und wo zusammen kommen

die Völcker ins gemein

wer jhre Größ betrachtet

so viel er soll und kan

sie Himmelhöher achtet

hat eitel Lust daran.

Gesetz das er gesetzet

ist lauter Herrlichkeit und Zier

das Leib und Seel ergetzet

sein Recht bleibt aufrecht für und für

er hat sein zu gedencken

ein Wundermahl gestifft

den Erdkreiß zu beschencken

mit Gaben und mit Gifft

er hat sein Volck gespeiset

daß jhn mit Fürchten ehrt

sich gnädiglich erweiset

den Bund niemal versehrt.

Es muß bey düstern Zeiten

der tunckelbraunen Schattennacht

das Liecht den Frommen leiten

das Liecht das Nacht zum Tage macht

barmhertzig seyn gern leihen

bekleiden was da bloß

deß Nechsten Fehl verzeihen

macht unverzagt und groß

solch Thun muß fruchtbar grünen

so lang die Sonne wacht

und an der Himmelbühnen

Mittag und Nächte macht.

Gott hat sich hoch gesetzet

und schauet auf deß Vntern Noht

was nidrig wird geschätzet

erhöhet er auß Staub und Koht

weiß es hernach zu schützen

daß es kein Fall gefährt

kan neben Fürsten sitzen

im hohen Ehrenwerth

den Müttern muß gelingen

jhr Wünschen auß und auß

daß sie viel Kinder bringen

besitzen Tisch und Hauß.

Als Israel dem Lande

deß Nils gegeben gute Nacht

und Jacobs Hauß vom Bande

der Dienstbarkeit sich loß gemacht

hat Judas gleich bekommen

deß Herren Heiligthum

und Israel genommen

der Herrschafft hohen Ruhm

das Meer muß rückwerts dringen

der Jordan nimmt die Flucht

die Berg wie Lämmer springen

die Hügel wie Schafszucht.

Wer hat dich heissen fliessen

dich Meer dich Jordan hinter sich?

was hüpfft jhr mit den Füssen

jhr Berg jhr Hügel freudiglich?

Wann sich der Herr nur rühret

so lebt der Erden Fuß

wird Jacobs Gott gespüret

diß Gantze weichen muß

es muß der Fels der Erden

ein süsses Wasser seyn

zu fühlen Brunnen werden

ein eisenvester Stein.

Solte nicht beliebet machen

freundlich seyn zun Sündern lachen

sonder Galle sonder Trug?

Jhr jhr Sternen die jhr tantzet

und das Leben eingepflantzet

gebet unserm Klagen Fug.

War der Mund nur aufgeschlossen

Honigworte häuffig flossen

er gieng selbst auf Blöde loß

keinem kont er nichts versagen

keinem keine Bitt abschlagen

wer Verbrechen noch so groß.

Pilgerfreund und selber Pilger

Bettelarm doch Armuttilger

du trägst auf den Achseln zu

was sich sundlich hat verfangen

ohne Weg den Weg gegangen

sonder Weide sonder Ruh.

Was dein Wille was dein Wesen

hast du selbsten abgelesen

Liechter auf den Weg gesteckt;

du hast einen Glantz geführet

gleich den Spiegeln außpoliret

der den Sündenwust entdeckt.

Die der Sonnenbrand geschwärtzet

die die Tageslast enthertzet

die vor Hitze blind und taub

außgemergelt abgemattet

deines Creutzes Linde schattet

spielend kühlet Lindenlaub.

Dir dem Artzt gehorsam waren

die verdorrten Fieberscharen

es war üm ein einig Wort

Krüppel lieffen ohne Krücken

konten sich zu wandern schicken

lieffen ohne Steltzen fort.

Auch die stockgebornen Blinden

konten ohne Leiter finden

den vor niegesehnen Weg

den Weg der da hat gegeben

Augen Seele Leib und Leben

selbsten Leben Liecht und Steg.

Ohren die gantz zugedemmet

Zungen fesselvest gehemmet

sind zu rechte wiederbracht

ja der Taube hört den Stummen

Stumm und Tauber sich vermummen

mit dem Judas bey der Nacht.

Ach jhr Narren ach jhr Thoren!

der den Finger in die Ohren

dir du tauber Dieb gelegt

Stummer der die Zung dir rühret

wird von euch hinaußgeführet

Vntreu seinen Herren schlägt.

Mein Gott warüm warüm mein Gott

hast du mich so verlassen

ich heul in meinem Creutz und Spott

Hülf ist auf keiner Gassen

ich ruffe wann die Sonne wacht

kein Antwort will gefallen

noch erschallen

ich schweig auch nicht bey Nacht

wenn alles schweigt in allen.

Gott du bist heilig für und für

gantz Israel das preiset

dein hohes Lob mit hoher Zier

der Väter Schar erweiset;

den Vätern die im wüsten Land

mit Hoffen an dir hiengen

zu dir giengen

dir du in freyen Stand

genädigst wollen bringen.

Sie suchten deine Helferhand

mit Hofnung die da schreyet

drauf hast du jhre Schmach gewandt

und sie vor Schand befreyet:

Ich aber bin ein Wurm vor Gott

für Aengsten gar verschmachtet

nichts geachtet

der Leute Hohn und Spott

von männiglich verachtet.

Wer mich siht lacht mich hönisch an

den Leib spottweise rüttelt

zerrt sein Maul auf so weit er kan

den Kopf gantz hönisch schüttelt;

der ist es der sich machet groß:

er klag es seinem Herren

der nicht ferren

der wird jhn machen loß

was jhm zuwider sperren!

Als ich noch lag in finstrer Nacht

warst du mein Gott im Weibe

als du mich an das Liecht gebracht

auß meiner Mutter Leibe

du warst mein Gott mein Zuversicht

als ich noch unerzogen

Milch gesogen

und meine Mutterpflicht

mit Wartung mich gepflogen.

Zeug deine Hülffe ja nicht ein

denn Angst ist nimmer ferren

kein Helffer hilfft als du allein

hör wie die Stiere plerren

schau wie der Wammenochsen Schar

mit aller Krafft einspringet

auf mich dringet

mit Seel- und Leibsgefahr

mich untertritt und zwinget.

Sie sperren jhren Rachen auf

wie Löwen die da brüllen

ich truckne wie ein Wasserlauf

deß Quell verseugt ohn Quillen

es will Gelenck es will Gebein

als wer es außgerissen

sich nicht schliessen

wie Wachs vom Sonnenschein

muß mein Hertz fliessig fliessen.

Ich bin ein Scherbendürrer Mann

kein Krafft kein Safft sich reget

die Zung am Gaumen klebet an

ich werd von dir geleget

von dir in schwartzen Todensand

es haben mir die Hunde

biß zu Grunde

durchgraben Fuß und Hand

mein Leib ist eine Wunde.

Ich möchte alle mein Gebein

an Fingern abezehlen

sie haben aber Lust allein

mit Würfelspiel mich quälen;

wann sie die Schantz (O Sünd! O Schand!)

üm meine Kleider schlagen

nach Behagen

Loß werfen üm Gewand

das ich am Leib getragen.

Tritt Helffer tritt doch näher bey

was wilt du ferne gehen?

mach meine Seel vom Schwerte frey

daß sie getrost mög stehen

treib ab treib ab den Grimmenhund

reiß mich auß Löwenschlunde

zu der Stunde

daß meine Zung und Mund

das Hornthier nicht verwunde

Ich will die fromme Brüderschar

zum Lobefest betagen

deß Herren Namen offenbar

dem Samen Jacobs sagen

daß er jhn ehr üm daß er frey

sein Antlitz nicht verstecket

noch bedecket

und zu dem Angstgeschrey

sein leises Ohr gestrecket.

Ich will in dieser grossen Stadt

und allen Kirchgemeinen

wie meine Zung versprochen hat

mit Lobedanck erscheinen

wer elend ist der isst sich satt

sucht Gott und Gott erhebet

friedlich lebet

so lang das Sonnenrad

am blauen Himmel schwebet.

Deß wird gedacht zu jeder Zeit

der sich zu Gott bekehret

der Heyden Volck jhn weit und breit

mit Niderfallen ehret

es wird der Fetten feiste Rott

zu seinem Fuß sich legen

allerwegen

auch der mit Kummerspott

den Lebensrest muß hegen.

So lang und wo nur Menschen sind

wird bleiben Gottes Samen

fortan wird Kindes-Kindes Kind

verkünden seinen Namen

sie werden seine Billichkeit

der greisen Nachwelt sagen

nach Behagen:

Gott der ertheilt Bescheid

daß sich nicht zu beklagen.

Auf dich Herr setz ich alle Sachen

laß mich ja nicht zu Schanden machen

errette doch in dieser Zeit

mein Recht durch die Gerechtigkeit.

Begleite mich auf meinen Stegen

und führ mich deines Namens wegen

zeuch mich du Hertzog aller Welt

auß Netzen die sie mir gestellt.

Neig dein Gehör zu meinen Lippen

du bist mein Fels auf hohen Klippen

sey mir ein wolverwahrter Schutz

der hintertreib der Feinde Trutz.

Den Geist den ich jetzt überlasse

in deine Vaterhände fasse

du hast mich Herr du treuer Gott

erlöset auß des Creutzes Spott.

Jhr Augen wolt jhr euch der Augengüsse schämen

und du mein stählern Hertz sey doch nicht Stahl unn Stein

thrent Augenwinckel thrent thrent Wimpern Augenbrämen

es muß im Zehrenbad mein Hertz gebadet seyn.

Ich hab mein Lebtag nicht ein solches Bild gesehen

ach jammervolles Bild! kranck elend matt und blaß

seht welch ein Mensch ist das! wie muß jhm seyn geschehen

naß matt kranck sterbekranck vom Blute pfützenaß.

Das jungferreine Lamm wird von den Stänckerböcken

gejaget hin und her; das unbefleckte Schaf

ist gelblich braun und blau; die Rosen tragen Höcken

der Honig trincket Gall; der ohne Schlaf wird Schlaf.

Was thut das Silber nicht? hier silbert man die Hände

dem eisern Kriegesknecht; der schläget Hand und Fuß

in Stock und Eisen ein; Ach Elend Ach Elende!

mich wundert daß er nicht vor Schmertzen sterben muß.

Er lebt er lebet nicht! Er schwebt und nicht recht schwebet

der Lufftfürst in der Lufft; die Last wird jhme Last

deß Lebens Leben stirbt; Er lebet nicht er lebet!

das grüne Holtz verdorrt der Farben Farbe blast.

Ja wol er hat gelebt. Der Glieder Glied sich krümmet

der Aufgang auß der Höh am Abend untergeht

der Augen Sternenpar im toden Meere schwimmet

Ach Sohn Ach lieber Sohn sihst du wer bey dir steht?

Ach leider leider Ach! Ach Ach er ist gestorben

mein allerliebstes Kind; Ach weinet doch mit mir

der Tod hat mir mein Lieb und meine Lieb verdorben

Ach alles weine doch üm mich und meine Zier.

Der Fürhang ist zerzerret

der Himmel aufgesperret.

Den solten alle Teufel fassen

der sich zuerst hinabgelassen

durch nasse Tufft durch Schwefelrauch

sehr tief hinein in Erdenbauch.

Daß der doch alle Teufel leide

der der der Berge Eingeweide

durchkrochen und daselbst gesucht

den Teuffels-Stahl deß Eisens Zucht.

Den solten alle Teuffel haschen

der Gruben-Ertz gepocht gewaschen

verflucht sey der es hat geschmeltzt

und offt im Feuer ümgeweltzt.

Es solten alle Teuffel plagen

den Schmidt deß Schmidte zugeschlagen

das Eisen spitzig zugericht

daß es ein hartes Holtz zerbricht.

Es müssen alle Teuffel holen

die Nägel die der Füsse Solen

durchboret und der Hände Band.

Pfuy pfuy der Sünd pfuy pfuy der Schand!

Mein jhr Menschen last das Schelten

last es uns ja nicht entgelten

die wir tragen keine Schuld;

Wie viel Schläge von dem Schlägel

haben wir wir armen Nägel

sonder Schuld Ach Gott! Gedult.

Biß wir wie der Leib erfroren

Händ und Füsse müssen boren

man ließ uns sonst keine Ruh;

Drüm jhr Menschen diesen Jammer

schreibet einig nur dem Hammer

nicht uns armen Nägeln zu.

Der Teuffel klammre mit der Klammer

den Hammerschmidt der diesen Hammer

gehämmert hat so breit und hart

Ach daß jhm nicht der Arm erstarrt!

Die Würmer müssen stets zernagen

das Holtz das Holtz zum Stiel getragen

Ach daß doch nicht der Flammen Macht

deß Hammerszeug zu nichte bracht!

Vnd was will man mich wol zeigen

mich der ich gantz lebloß bin

wo man mich nur hebet hin

muß ich mich gewaltsam neigen

was mir widrig muß ich zwingen

und mit aller Macht durchdringen.

Ich gleich selbst in mir erhitzte

als der Landsknecht Triebefort

den (der mich gleicht seinem Wort)

schluge daß die Farbe sprützte

fluchet dem der mich geführet

und erst meinen Stiel berühret.

Laß Hammer uns unangetast

wir hätten dich nicht dürfen schmeissen

wann es der Pfleger nicht geheissen

den Obern zeige diese Last

den Obern die den Stab gebrochen

und solches Vrtheil außgesprochen.

Mit dem Land- und Leut- verkehrer

mit dem selbstgelehrten Lehrer

ist er doch zum Creutz erkohren

eh er an das Liecht gebohren

wie jhr selbst die Rechnung macht

die jhn an das Liecht gebracht.

Mir hier viel zu kurtz geschicht

ich hab jhn zwar bracht ans Liecht

aus der blaugestirnten Schwelle

kam zu mir in meine Zelle

Gabriel der sagte rein:

Du solt Gottes Mutter seyn;

Weil nun diese Post gefehlet

werd ich billich loß gezehlet.

Jungfer Mutter laß das Dencken

und das übermachte Kräncken

das den Safft der Adern regt.

Frage den deß Zürnen brennet

der zur Botschafft mich ernennet

mir sein Wort in Mund gelegt.

Es wird dieses Blutes Regen

dir im minsten nicht auflegen

der da wohnt im Wolcken-Thron;

Denen wird er es zumessen

die gestellet in Vergessen

Gott und Gottes liebsten Sohn.

Den Landsknecht kan ich nimmer hassen

den Obern ist die Schuld erlassen

der Engel trug mein Wort bald fort

sie gläubt dem Wort und trug das Wort.

O Mensch dich sollt der Teuffel fassen

du du hast dich hinabgelassen

du Bergknap durch der Dünste Schmauch

und Ertz gesucht im Erdenbauch.

Dich solten alle Teuffel haschen

du Wäscher hast das Ertz gewaschen

du Schmeltzer hast das Ertz geschmeltzt

in Sündenfeuer ümgeweltzt.

Dich solten alle Teuffel holen

du Köhler hast gebrant die Kolen

du hast den Blasebalg bewegt

die Flammen zu der Glut erregt.

Du Nagelschmidt du hast die Nägel

du Schmidt du hast deß Hammers Schlägel

geschmidt die Nägel zugespitzt

du Zimmermann den Stiel geschnitzt.

Vater geh nicht ins Gericht

mit uns Sündenknechten

weil dein Sohn uns selbst verspricht

wilt du mit uns rechten?

Wir sind Stechdorn seiner Kron

seine Knötengeissel

Ruten Peitschen Scorpion

Hammer Nägel Meissel.

Vater halt den Donner an

laß jhn ja nicht haglen

schlage keinen Zimmermann

die das Creutz noch naglen

wir wir sind deß Speeres Stahl

der sein Hertz durchstochen

worauß unsers Heiles Mahl

weiß und rot gebrochen.

Rote Bäche wie Corall

springen auß der Seiten

reine Bäche wie Crystall

silberhell sich breiten;

diß Corall und dieses Glaß

allen Vnflat waschen

diß Rubin- diß Perlen-Naß

säubern Sünden-Aschen.

Gleichen wir gleich einem Mohr

rußschwartz angefärbet

waschet uns das Seiten-Thor

dessen der gesterbet.

Alles Wissens Wissenschafft

kan ein Christ fort missen

hält er dieses Creutzes Krafft

vor sein bestes Wissen.

Aller Zeug der Gottes-Sohn

übel zugerichtet

aller Spott und aller Hohn

und was jhn vernichtet

Staupseul Besen von dem Meer

Schläge Wunden Striemen

Creutzbaum Isop Schwamm und Speer

sind nun unser Rühmen.