Trauerverse Auf das Begräbnüß der hochädelgebohr- nen Frauen Katharinen von Kreu...
Ach heisses Hertzeleid was soll ich erstlich sagen
Sol ich hochädler Herr erst trösten oder klagen
In eurem Trauerstand? ach weh der grossen Noht!
Die euch wird angethan durch eurer Liebsten Tod.
Ich sehe leider wol daß nun auf allen Seiten
Die bleiche Todesangst mang euch beginnt zustreiten;
Hier weint man bitterlich dort steht ein ädler Sinn
Und sinket fast für weh in tieffer Ohnmacht hin.
Nun schweigt ein wenig still ihr ädlen Römerinnen;
Schweig tapffer Piso schweig gib deinen müden Sinnen
Ein wenig Rast und Ruh daß durch des Todes List
Dein’ ädle Tullia von dir gerissen ist
In schwerer Kindesnoht; hemm deiner Augenflüsse
Du ädler Römerheld Pompejus laß die Güsse
Der herben Thränen nach daß deine Julia
So auch gestorben ist; und du Calligula
Du Bluthund hör nur auff Candillen zu bejammern
Der du nun sitzest dort in deinen Mörderkammern
Die überall besprützt mit armer Christenblut
Und netzest ihren Tod mit einer Thränenflut.
So recht! du hasts verdient. Jhr andern schweiget stille
Jhr seit auch wer ihr seit die auch des Himmels Wille
Durch gleichen Fall betrübt. Seht ihr Betrübten seht
Der ädle Lesgewang der ietzo vor uns steht
Wie der fast nicht sein selbst die schwachen Hände winde
Und klaget jämmerlich schaut wie sich häuffig findet
Bey ihm das schwartze Blut die Augen sind ihm roht
Vom scharffen Zährensaltz’ er gehet wie halb tod
Weil ihm der Menschenfraß das Hertze hat zerstükket
Durch einen starken Hieb die Sinnen sind entzükket
Und kaum kaum bey sich selbst. Ach weh der gute Mann
Hat Uhrsach gnug darzu so viel ich merken kan:
Schaut diesen Cörper an aus welchen ist geflogen
Der wehrte Gast die Seel’ und Himmel- auffgezogen
Der reget sich nicht mehr. Da liegt der kensche Leib
Das Wohnhauß aller Zucht da liegt das schöne Weib
Die andre Biblia die sich der leichten Jugend
(ja auch den Alten wol) in aller ädlen Tugend
Zum Beyspiel vorgestellt da ligt Placidia
Da ligt Penelope da liegt Zenobia.
Das Gottgeliebte Mensch war niemals nicht ergeben
Der schnöden Eitelkeit; in ihrem gantzen Leben
Hielt sie die Gottesfurcht für ihren höchsten Ruhm
Die fromme Höfligkeit die war ihr Eigenthum.
Sie war kein’ Acco nicht wie manche stoltze Pfauen
Die sich vom Morgen an biß in die Nacht beschauen
Die vor dem Spiegel mehr als vor der Bibelstehn
(ach möchten sie doch auch bißweilen nur besehn
Jhr grobes Lasterstük!) bedenket was für Schmertzen
Jhr hinterlasner Herr in seinem matten Hertzen
Anietzs fühlen mag wenn er dieß wol bedenkt
Ach mein bedenket doch wie dieses ihn doch kränkt
Wenn er sein liebstes Hertz da sieht entgeistert liegen
Die vor sein’ höchste Lust sein einiges Vergnügen
Sein’ andre Seele selbst und seine Sonne war
Wenn sag’ ich er sie sieht in dieser Todenbahr.
Ach bittres Hertzeleid Es schmertzt ihn auch nicht minder
Daß er üm sich herüm die unerzogne Kinder
Des Stammes Pflantzen sieht; hier steht das Ein’ und
weint
Nach seiner Mutter Schoß die es nur schlaffen meint.
Das andre winselt dort das dritte Seelchen lebet
Jm schönen Paradies’ alwo anitzo schwebet
Der adlen Mutter Seel’. Jhr habt zwar recht und fug
Jhr angefreundte Freund’ und Uhrsach allgenug
Daß ihr die Thränenbach so milde lasset giessen
Daß eure Wangen stets vol scharffer Zähren fliessen;
Man wird ja wo ein Freund verreiset wol betrübt
Wenn der uns gute Nacht aus treuem Hertzen giebt.
Wie solts denn hier nicht seyn? Doch gebeteuch zu frieden
Der höchste Himmelsherr der Euch und Sie geschieden
Der hat es gut gemacht. Thut was ihr fäste gläubt
Setzt eure Seel in Ruh Sie ist schon wo sie bleibt
In alle Ewigkeit Sie ist schon in dem Himmel
Woran sie stets gedacht das schändliche Getümmel
Das liederliche Thun der Sündersofnen Welt
Hat sie die liebe Frau zu ihrem Fuß gestellt;
Und lacht der Eytelkeit; Sie ist und bleibt nun selig
Bey ihrer Schwester dort und ziehet auch allmählich
Euch zu sich Himmelan; Sie lebt in steter Lust
Entfernt in dieser Welt und ihrem schnöden wust’.
Ey nun! so macht es so mit eurem Leidetragen
Und trauret nicht zu viel daß ihr auch könnet sagen
Daß alles in der Welt was Gott der höchste thut
Es sey auch was es sey sehr nützlich recht und gut.