Trauerverse Auf das Begräbnüß der hochädelgebohr- nen Frauen Katharinen von Kreu...

By Georg Neumark

Ach heisses Hertzeleid was soll ich erstlich sagen

Sol ich hochädler Herr erst trösten oder klagen

In eurem Trauerstand? ach weh der grossen Noht!

Die euch wird angethan durch eurer Liebsten Tod.

Ich sehe leider wol daß nun auf allen Seiten

Die bleiche Todesangst mang euch beginnt zustreiten;

Hier weint man bitterlich dort steht ein ädler Sinn

Und sinket fast für weh in tieffer Ohnmacht hin.

Nun schweigt ein wenig still ihr ädlen Römerinnen;

Schweig tapffer Piso schweig gib deinen müden Sinnen

Ein wenig Rast und Ruh daß durch des Todes List

Dein’ ädle Tullia von dir gerissen ist

In schwerer Kindesnoht; hemm deiner Augenflüsse

Du ädler Römerheld Pompejus laß die Güsse

Der herben Thränen nach daß deine Julia

So auch gestorben ist; und du Calligula

Du Bluthund hör nur auff Candillen zu bejammern

Der du nun sitzest dort in deinen Mörderkammern

Die überall besprützt mit armer Christenblut

Und netzest ihren Tod mit einer Thränenflut.

So recht! du hasts verdient. Jhr andern schweiget stille

Jhr seit auch wer ihr seit die auch des Himmels Wille

Durch gleichen Fall betrübt. Seht ihr Betrübten seht

Der ädle Lesgewang der ietzo vor uns steht

Wie der fast nicht sein selbst die schwachen Hände winde

Und klaget jämmerlich schaut wie sich häuffig findet

Bey ihm das schwartze Blut die Augen sind ihm roht

Vom scharffen Zährensaltz’ er gehet wie halb tod

Weil ihm der Menschenfraß das Hertze hat zerstükket

Durch einen starken Hieb die Sinnen sind entzükket

Und kaum kaum bey sich selbst. Ach weh der gute Mann

Hat Uhrsach gnug darzu so viel ich merken kan:

Schaut diesen Cörper an aus welchen ist geflogen

Der wehrte Gast die Seel’ und Himmel- auffgezogen

Der reget sich nicht mehr. Da liegt der kensche Leib

Das Wohnhauß aller Zucht da liegt das schöne Weib

Die andre Biblia die sich der leichten Jugend

(ja auch den Alten wol) in aller ädlen Tugend

Zum Beyspiel vorgestellt da ligt Placidia

Da ligt Penelope da liegt Zenobia.

Das Gottgeliebte Mensch war niemals nicht ergeben

Der schnöden Eitelkeit; in ihrem gantzen Leben

Hielt sie die Gottesfurcht für ihren höchsten Ruhm

Die fromme Höfligkeit die war ihr Eigenthum.

Sie war kein’ Acco nicht wie manche stoltze Pfauen

Die sich vom Morgen an biß in die Nacht beschauen

Die vor dem Spiegel mehr als vor der Bibelstehn

(ach möchten sie doch auch bißweilen nur besehn

Jhr grobes Lasterstük!) bedenket was für Schmertzen

Jhr hinterlasner Herr in seinem matten Hertzen

Anietzs fühlen mag wenn er dieß wol bedenkt

Ach mein bedenket doch wie dieses ihn doch kränkt

Wenn er sein liebstes Hertz da sieht entgeistert liegen

Die vor sein’ höchste Lust sein einiges Vergnügen

Sein’ andre Seele selbst und seine Sonne war

Wenn sag’ ich er sie sieht in dieser Todenbahr.

Ach bittres Hertzeleid Es schmertzt ihn auch nicht minder

Daß er üm sich herüm die unerzogne Kinder

Des Stammes Pflantzen sieht; hier steht das Ein’ und

weint

Nach seiner Mutter Schoß die es nur schlaffen meint.

Das andre winselt dort das dritte Seelchen lebet

Jm schönen Paradies’ alwo anitzo schwebet

Der adlen Mutter Seel’. Jhr habt zwar recht und fug

Jhr angefreundte Freund’ und Uhrsach allgenug

Daß ihr die Thränenbach so milde lasset giessen

Daß eure Wangen stets vol scharffer Zähren fliessen;

Man wird ja wo ein Freund verreiset wol betrübt

Wenn der uns gute Nacht aus treuem Hertzen giebt.

Wie solts denn hier nicht seyn? Doch gebeteuch zu frieden

Der höchste Himmelsherr der Euch und Sie geschieden

Der hat es gut gemacht. Thut was ihr fäste gläubt

Setzt eure Seel in Ruh Sie ist schon wo sie bleibt

In alle Ewigkeit Sie ist schon in dem Himmel

Woran sie stets gedacht das schändliche Getümmel

Das liederliche Thun der Sündersofnen Welt

Hat sie die liebe Frau zu ihrem Fuß gestellt;

Und lacht der Eytelkeit; Sie ist und bleibt nun selig

Bey ihrer Schwester dort und ziehet auch allmählich

Euch zu sich Himmelan; Sie lebt in steter Lust

Entfernt in dieser Welt und ihrem schnöden wust’.

Ey nun! so macht es so mit eurem Leidetragen

Und trauret nicht zu viel daß ihr auch könnet sagen

Daß alles in der Welt was Gott der höchste thut

Es sey auch was es sey sehr nützlich recht und gut.