Trinklied für den Bund der Jungen und Alten

By Justinus Kerner

Written 1824-01-01 - 1824-01-01

In meines Hauses Grunde

Sitzt ein geheimer Bund,

Den ich in trauter Stunde

Tu' trauten Freunden kund.

Der Rat aus aller Munde

Ist: tu die Häupter kund.

Ein Jüngling ist's, ein Leben

Voll von verpönter Glut,

Ein Alter sitzt daneben,

Ein noch viel schlimmres Blut.

Wir raten, sie zu geben

Zur Stund' aus deiner Hut.

Den Jungen hört man toben:

„Zersprengt der Knechtschaft Joch!“

Oft wird mir bang hier oben,

Was der beginnet noch.

Wir sagen dir: von oben

Man schon den Bündler roch.

Der Greis verbirgt durch Schweigen

Wohl seines Herzens Grund;

Doch steht – ich kann's bezeugen –

Mit Geistern er im Bund.

Dem Lichte muß sich zeigen

Alsbald der tolle Bund!

Ja! eh' sie noch entzünden

Mit Freiheitsglut die Welt,

Laßt, Freunde, uns verbünden,

Und wenn auch einer fällt.

Wohlan! laßt uns verbünden,

Und wenn auch einer fällt.

Heraus, ihr zwei zusammen!

Sie kommen, Freunde! Mut!

Hört, Bündler! würd' es flammen,

Wir trinken euer Blut.

Zum Kampf! zum Kampf zusammen!

Wer fällt, der falle gut!