Tristan-Sonett

By Otto Erich Hartleben

Written 1890-01-01 - 1890-01-01

Da nun du schlummerst, tasten Traumgestalten

an deinen Schlaf: dass du die Hände regen,

unwillig deine Lippen musst bewegen

und weiter ringen mit des Tags Gewalten.

Einst wirst du ruh in schutzesstarken, kalten

Armen der Nacht: traumlos wird sich ihr Segen

auf deine wunde, welke Stirne legen –

und starr und glatt sind deines Kleides Falten.

Wenn sich, gequält, in seiner Träume Kreise

der Schläfer windet, lächelst du so weise:

es kommt der Tag und lässt sich nicht betrügen.

O lerne lächeln auch ob dieser Zeiten,

ob dieses Tages dreisten Wirklichkeiten –

es kommt die Nacht und straft sie alle Lügen!