Triumphus Temporis, Oder Siegs-Gepränge der Zeit aus Frantz Petrarchen.

By Heinrich Mühlpfort

Die güldne Röthin schloß des Himmels-Thüren auff

Und ließ den Morgen-Glantz zur Seiten seinen Lauff;

Bald brach die Sonn’ berfür und rüff die Feuer

Nach der gewohnten Pflicht zu fahren umb die Erde!

Als sie sich nun erhöht auf ihrem Wagen sah’

Und der beflammte Blitz offt hier und wieder da

Aus beyden Augen brach an jeden Ort gerichtet

Gleichwie ein alter Mann bey vollem Schauplatz dichtet

Und stille Reden führt: so sprach sie auch bey sich

Was fang’ ich weiter an itzt ist es Zeit für mich

Daß mein bemühter

Und diesem was mich kränckt behutsam widerstehe;

Wird einer den die Ehr im Leben groß gemacht

Und der durch klugen Witz den Menschen Heil gebracht

Wenn er die Welt verläst und seine Stunde schläget

Zugleich mit Lob und Ruhm ins finstre Grab geleget?

Nein diß was irdisch war’ der Leib wird hingesetzt

Der Nachklang so ihn rühmt und seine Thaten schätzt

Lebt länger als wir selbst und blüht in tausend Zungen;

Wo bleibt nun das Gesetz? das allen auffgedrungen

Und das die Sterblichen mit leisem Munde lehrt

Wie Auff- und Untergang der Menschen Hoffnung stört.

Bricht ihres Namens Schall durch Kercker Grufft und Bahre

So wird es noch geschehen daß ich zu spät’ erfahre

Wie unser Licht verlescht und wie mein edler Schein

Der dieser gantzen Welt und allen in gemein

Zu Nutze hat gebrannt mit Schatten sey umbschlossen

Drumb hab’ ich meinen Zorn und Eyfer ausgegossen

Was säum’ ich länger noch was fürcht ich weiter mehr

Mir die ich himmlisch bin versaget man die Ehr’

In der ein sterblich Mensch den Asch’ und Koth gezeuget

Mich grosses Götter-Kind hochmüthig übersteiget

Ich mag nicht höher seyn nur dieses ist mein Ziel

Daß ich mit seiner Ehr’ auch meine gleichen will.

Vier Pferde rennen fort auf mein Gebot und Wincken

Die täglich aus dem Meer mit vollen Bäuchen trincken

Die reitz’ ich allezeit mit Sporenstreichen an

Noch dennoch komm’ ich nicht so weit der Ehrgeitz kan.

Soll ich denn diesen Schimpff und Eckel so vertragen

Verachtung Hohn und Spott aus meinem Hertzen schlagen

Ich die die Götter selbst zur Herrrscherin der Welt

Und Königin des Lichts für allen fürgestellt.

Diß wär ein schlechter Schluß ja wenn ich gar zu letzte

(das Mittel steht mir zu) mich an den Himmel setzte

Und holte meinen Glantz von frembden Lichtern ein

So sollte mir doch diß gantz unerträglich seyn.

Nun laß ich meinem Zorn den auffgelösten Zügel

Den Wagen den erhebt der Neid auf seine Flügel

Ich bin der Menschen Feind sie sind mir höchst verhast

Es steht auf meiner Stirn die Rachgier abgefast.

Sie wenn sie so viel Jahr’ und vieler Jahre Zeiten

An keinem Mangel arm in Wollust überschreiten

Erlangen nach dem Tod ein ewiges Gerücht

Und füllen diese Welt durch ihres Namens Licht.

Welch Leben höher noch als jenes ist zu achten

Das aus dem dünnen Garn die strengen Parcen machten

Ich bleibe fort für fort wie ich gewesen bin

Der Arbeit schwere Last reist mich unendlich hin.

Wer ehret meinen Glantz wer rühmet meine Wercke

Man schlägt mich aus der Acht und wie ich weiter mercke

So bin ich als ich noch zum allerersten war

Eh’ als des Meer es Gott der tollen Wellen Schaar

In Band und Fessel schloß wenn Tag und Nacht entstehen

So muß ich für und für in einem Lauffe gehen

Durch das gewölbte Hauß der Götter güldner Thron

Die stete Wiederkehr bleibt meiner Arbeit Lohn.

Drauff als sie diß gesagt und voller Rache brannte

Ja mit dem Viergespann so schnell und eyfrig rannte

Daß sie den Wind verließ und daß auch mein Verstand

Noch dieser Feder Krafft wie bald sie sich gewandt

Und auf die Flucht gemacht ihr nimmermehr wird gleichen

Mich der ich alles seh’ erschreckt ein blaß Erbleichen

Daß wie ein kaltes Eys in alle Glieder dringt

Und mit verzagter Angst das Hertze selbst bespringt.

Da ward ich aller Lust bey dem geschwinden Gleiten

Und bey dem Jrregang der abgelauff nen Zeiten

Des Lebens recht gewahr das mich bißher ergetzt

Und dessen falsche Lust ich Wunder-hoch geschätzt.

Jetzt aber Neid und Haß für die Begierde häge

Und aller Ehren Pracht von meiner Seiten lege

Die Liebe derer Gluth ohn’ Ende bey mir schien’

Ist mit dem alten Thun und Wesen gäntzlich hin.

Denn dis ist ja gewiß daß bloß und leere Sachen

Die Hoffnung unterbaun wer kan das Ewig machen

Was grimmer Zeiten Wuth und dessen Rache frist

Daß das Gedächtnüß selbst auch endlich selbst vergist.

Und ob du dich bemüht dis alles zu geniessen

Es wird in einem Blick aus deinen Händen schiessen

Gleichwie ein schlüpffrig Aal je mehr er wird gedrückt

Je schneller er dem Zwang des Fischers ist entrückt.

Drumb wo dich noch dein Heil und deine Wolfahrt rühret

Und weil noch der Verstand dir deine Sinne zieret

Weil dein Vernunfft-Schluß recht und die Genadenthür

Noch immer offen steht so siehe dich ja für

Daß auf gewissen Grund dein Hoffen sey gesetzet

Damit kein jäher Fall es unvermerckt verletzet

Betrachte Tritt und Schritt und folge Fuß für Fuß

Gleichwie ein Wandersmann Wegweiser hören muß.

Mein

Dieweil er diß nicht kan durchaus beweglich klagen

Die Dorne sah’ man vor Frost Reiff und Schnee umbziehn

Und drauff in einem Blick voll süsser Rosen blühn.

So ward des Winters Frost und auch des Sommers Hitze

Durch eine kleine Zeit der Menschen Wollust nütze

Wer höret dieses nicht mit grossem Schrecken an

Da doch die Warheit selbst den Glauben mehren kan.

Mensch schleuß die Augen auf und nicht der Augen Lichter

Hier sey Gemüth und Sinn Verstand und Klugheit Richter

Die die der Jugend Schwarm und Rasen so verblendt

Daß keiner noch zur Zeit was recht ist hat erkennt.

Mich klag’ ich mich nur an und muß mich selbst verdammen

Ich zwinge dieses Fleisch mit meines Zornes Flammen

Weg eitle Hoffnung weg laß mir mein Hertze rein

Es wird hinfüro nicht die deine Hosstatt seyn.

Mir wird ein Glas gezeigt in dem ich mich kan schauen

Ich will nicht wie vorhin den leichten Augen trauen

Hier seh’ ich mich recht an und diß mein Bild bezeugt

Daß ich der Laster Schaar an meiner Brust gesäugt.

Nun mach ich meinen Schluß komm Tod mit deinen Kertzen

Das Leben ist zu fern du nah’ und alle Schmertzen

Sind unauffhörlich lang je kürtzer meine Zeit

Je eher wird sie noch in Blühen abgemeyht.

Denn die erwachte Sonn’ in Rosen-rothen Wangen

Und Hyacinthen gleich mit Farben sehen prangen

Wird wenn sie in das Meer den müden Wagen taucht

Von alter Ungestalt und seine Zier verraucht.

Des Lebens Raum und Schaum gleicht einer Tages Länge

Und wird von schwartzer Nacht bestürtzter Sorgen enge

Und bricht bißweilen schon ein lieblich Strahl herein

So muß die Finsternüß desselben Decke seyn.

Auff diesen Seulen ruht der Menschen gantzes Sinnen

Und hierdurch wollen sie den Himmel selbst gewinnen

Das Leben schwindt und fleucht der Tod tritt heimlich an

Indem der freche Mensch sich selbst nicht kennen kan.

Ich weiß daß meine Zeit sehr kurtz und wol verschlossen

Denn keinem kömmt das Glück so unverfälscht geflossen

Der Sonnen leichte Flucht bezeuget daß die Welt

Zu ihrem Untergang von Anfang ist bestellt.

So geht nun die ihr noch auf eure Jugend pochet

Und durch Geschwatz’ und Spiel der Zeiten Ablauff suchet

Zählt eurer Jahre Reyh in ungezählter Zahl

Denn Pfeile die man sieht verlieren ihren Stahl.

Vielleicht sind meine Wort’ ein Raub der tollen Winde

Von keinem Nachdruck schwer von keiner Anmuth linde

Jhr aber lebt in Tag und blast aus sichrer Brust

Den rechten Todten Schlaf verdammter Seelen Kost.

Seht Stunden Sonn’ und Mond gebrauchen schnelle Flügel

Und rennen wie ein Pferd mit abgeschossenem Zügel

Wir selbst wir müssen fort und in ein ander Land

Das weder dir noch mir noch einem ist bekandt.

Seyd nur nicht so verstockt in eurer Thorheit Banden

Dieweil noch Hülff und Rath euch Armen ist verhanden

Weil die Gelegenheit noch ihre Stirne beut

So lescht den Jrrthumb weg von eurer Seelen Kleid.

Trett auf die rechte Bahn und in der Tugend Schrancken

Es ist der Narren Thun bey allen Sachen wancken

Verzieht nicht eure Buß biß daß der schwartze Tod

An Thür und Fenster klopfft und in der letzten Noth

Den scharff-gewetzten Pfeil durch Brust und Adern treibet

Der so Bekehrung sucht und dem Gewissen gläubet

Thut niemals nichts zu viel wenn er die Schuld erkennt

Und heilges Eyfers voll in wahrer Andacht brennt.

So weit hab ich gesehn der Sonnen Zorn und Eilen

Als drauff ein seelges Volck aus jenen Gegentheilen

In stiller Stille kömmt und gleich dem Himmel zu

In vollem Siegs-Gepräng’ erlangte seine Ruh.

Es war ein solches Volck das keine Macht der Zeiten

Noch Unglück Furcht und Angst vermochte zu bestreiten

Wit Waffen wohl verwahrt die Feder und Papier

Und die der Dichter Schaar dem Eisen zoge für.

Den sah’ die Königin der Sternen ungewillet

Als die durch eignen Ruhm den Himmel angefüllet

Und über diß was hier die Sterblichkeit beschleust

Mit Flügeln der Vernunfft nach Wünschen weggereist.

Die Seelen voller Gluth und ihrer Tugend Meister

Die von des Pöfels Schaar die hocherleuchten Geister

Den Sternen einverleibt und mit Triumpf besiegt

Was in der weiten Welt und ihren Winckeln ligt.

Die fiel sie hefftig an und muntert ihre Gäule

Durch fette Speisen auf daß sie in jäher Eile

Beschritten Weg und Steg sie gab den Flügeln Wind

Und neue Federn zu der Nachruhm der verschwindt

Und will vor Furcht und Angst der grimmen Dräuungs-Zeichen

Von meisten ihrer Schaar erschreckt zurücke weichen

Drauff kam’ ein ächtzend Hall der durch die Lüffte lieff

Und wie ich es gemerckt mit solchen Worten rüff:

Diß sey der feste Schluß ich schwöre bey den Sachen

Und Wercken die der Mensch wie klug er ist kan machen

Die wie ein Laub und Gras abfallen und vergehn

Die in Vergessenheit und Finsternüssen stehn.

Ich wil ein jedes Ding ein jedes Thun und Wesen

Die Stunden Jahr und Tag und was man drinn gelesen

Abstürtzen in die Grufft der unermeßnen Zeit

Diß gantze muß in Rauch mit seiner Eitelkeit.

So viel des

Der

Da

Der seine sieben Berg und das geprießne Rom

Noch weit berühmter macht so viel als diese Helden

Und ihre Tapfferkeit der Nachwelt können melden

Den hat der Geitz der Zeit den Ruhm schon abgekürtzt

Jhr Lob wird heute noch von seiner Hand gestürtzt.

Drumb euer Ehr’ und Glantz gleicht sich des Winters Lichte

Das eine dünne Wolck und Schatten macht zu nichte

So ändert diesen auch die Neigung so ihn trifft

Den grossen Namen ist die Zeit das gröste Gifft.

Was seyd ihr Sterblichen mit euern Sieges-Zeichen

Und Gütern denen nichts auf dieser Welt zu gleichen

Sie alten und vergehn und Kron und Thron zerbricht

Diß was der Sonnen Rath umbfähret tauret nicht.

Ja was der Zeiten Raub Unwürdigen benimmet

Gedenckt nicht daß zum Nutz der Frommen wieder kommet

Es ist ein gleiches Loß des Glückes Gut verdirbt

Und der Gelehrten Witz und kluges Schreiben stirbt.

So treibt die Zeit die Welt in einem steten Lauffen

Sie kan nicht stille stehn noch odmem noch verschnauffen

Die Wiederkunfft bleibt aus ob man sie täglich rufft

Sie frist uns grimmig auf und legt uns in die Grufft.

Daß aber ihren Sitz so fest vermeynt zu setzen

Der Menschen Herrlichkeit und wil sich gleiche schätzen

Der Götter Majestät was Wunder? so die Zeit

Nicht gar zu hitzig eilt und mählich allbereit

Den schlauen Fortgang nimmt biß daß sie alles breche

Und den vermeynten Wahn mit Spott und Hohn bespreche

Es sey auch was es will das uns der Pöfel sagt

Wär’ unser Alter nicht in engen Raum gejagt

So wird in Asch und Koth was menschlich ist vergehen

Weil nun das Leben fleucht so scheint der Ruhm zu stehen.

Ich hörte dieses an und sah’ aus meiner Nacht

(gleichwie der Sonnen Glut den Schnee zu Wasser macht)

Auch unser Gut und Geld zu seinem Ursprung kommen

So hat die Zeit zum Raub den Nachruhm weggenommen

Daß ich auch weiter nicht ein eintzig Hoffen setzt’

Auf diß was Menschen vor den Göttern gleich geschätzt.

Die Menschen so sie nicht noch ihr Gelücke wissen

Und ein geneigtes Ohr dem Aberwitz aufschliessen

An beyden Augen blind und an Vernunfft versehrt

Indem die leichte Lufft der Ehrgier sie bethört

Durch klugen Unverstand daß sie der alten Leichen

Mit doppelt größrem Lob als junger Leut ausstreichen

Glückseelig die der Tod noch von der Mutter reist

Und Elend die er alt in gleiche Grufft einschleust.

Ist nicht der Meisten Wunsch? ach wär’ ich nicht geboren

Es sey der lange lebt der hab ihm Ruhm erkohren

Was ist es daß man so mit solchen Ehren ehrt?

Wenn es der Zeiten Sturm und Tyranney verstört.

Es soll der Nachruhm seyn der nach dem Leben lebet

Und unsers Namens Laut biß an die Stern’ erhebet

Doch wo die Warheit hier das Urtheil sprechen will

So ist’s ein ander Tod denn wie des Todes Ziel

Von vieler Kräuter Safft wird endlich hintertrieben

So wird auch von der Zeit diß alles aufgerieben.