Triumphus Temporis, Oder Siegs-Gepränge der Zeit aus Frantz Petrarchen.
Die güldne Röthin schloß des Himmels-Thüren auff
Und ließ den Morgen-Glantz zur Seiten seinen Lauff;
Bald brach die Sonn’ berfür und rüff die Feuer
Nach der gewohnten Pflicht zu fahren umb die Erde!
Als sie sich nun erhöht auf ihrem Wagen sah’
Und der beflammte Blitz offt hier und wieder da
Aus beyden Augen brach an jeden Ort gerichtet
Gleichwie ein alter Mann bey vollem Schauplatz dichtet
Und stille Reden führt: so sprach sie auch bey sich
Was fang’ ich weiter an itzt ist es Zeit für mich
Daß mein bemühter
Und diesem was mich kränckt behutsam widerstehe;
Wird einer den die Ehr im Leben groß gemacht
Und der durch klugen Witz den Menschen Heil gebracht
Wenn er die Welt verläst und seine Stunde schläget
Zugleich mit Lob und Ruhm ins finstre Grab geleget?
Nein diß was irdisch war’ der Leib wird hingesetzt
Der Nachklang so ihn rühmt und seine Thaten schätzt
Lebt länger als wir selbst und blüht in tausend Zungen;
Wo bleibt nun das Gesetz? das allen auffgedrungen
Und das die Sterblichen mit leisem Munde lehrt
Wie Auff- und Untergang der Menschen Hoffnung stört.
Bricht ihres Namens Schall durch Kercker Grufft und Bahre
So wird es noch geschehen daß ich zu spät’ erfahre
Wie unser Licht verlescht und wie mein edler Schein
Der dieser gantzen Welt und allen in gemein
Zu Nutze hat gebrannt mit Schatten sey umbschlossen
Drumb hab’ ich meinen Zorn und Eyfer ausgegossen
Was säum’ ich länger noch was fürcht ich weiter mehr
Mir die ich himmlisch bin versaget man die Ehr’
In der ein sterblich Mensch den Asch’ und Koth gezeuget
Mich grosses Götter-Kind hochmüthig übersteiget
Ich mag nicht höher seyn nur dieses ist mein Ziel
Daß ich mit seiner Ehr’ auch meine gleichen will.
Vier Pferde rennen fort auf mein Gebot und Wincken
Die täglich aus dem Meer mit vollen Bäuchen trincken
Die reitz’ ich allezeit mit Sporenstreichen an
Noch dennoch komm’ ich nicht so weit der Ehrgeitz kan.
Soll ich denn diesen Schimpff und Eckel so vertragen
Verachtung Hohn und Spott aus meinem Hertzen schlagen
Ich die die Götter selbst zur Herrrscherin der Welt
Und Königin des Lichts für allen fürgestellt.
Diß wär ein schlechter Schluß ja wenn ich gar zu letzte
(das Mittel steht mir zu) mich an den Himmel setzte
Und holte meinen Glantz von frembden Lichtern ein
So sollte mir doch diß gantz unerträglich seyn.
Nun laß ich meinem Zorn den auffgelösten Zügel
Den Wagen den erhebt der Neid auf seine Flügel
Ich bin der Menschen Feind sie sind mir höchst verhast
Es steht auf meiner Stirn die Rachgier abgefast.
Sie wenn sie so viel Jahr’ und vieler Jahre Zeiten
An keinem Mangel arm in Wollust überschreiten
Erlangen nach dem Tod ein ewiges Gerücht
Und füllen diese Welt durch ihres Namens Licht.
Welch Leben höher noch als jenes ist zu achten
Das aus dem dünnen Garn die strengen Parcen machten
Ich bleibe fort für fort wie ich gewesen bin
Der Arbeit schwere Last reist mich unendlich hin.
Wer ehret meinen Glantz wer rühmet meine Wercke
Man schlägt mich aus der Acht und wie ich weiter mercke
So bin ich als ich noch zum allerersten war
Eh’ als des Meer es Gott der tollen Wellen Schaar
In Band und Fessel schloß wenn Tag und Nacht entstehen
So muß ich für und für in einem Lauffe gehen
Durch das gewölbte Hauß der Götter güldner Thron
Die stete Wiederkehr bleibt meiner Arbeit Lohn.
Drauff als sie diß gesagt und voller Rache brannte
Ja mit dem Viergespann so schnell und eyfrig rannte
Daß sie den Wind verließ und daß auch mein Verstand
Noch dieser Feder Krafft wie bald sie sich gewandt
Und auf die Flucht gemacht ihr nimmermehr wird gleichen
Mich der ich alles seh’ erschreckt ein blaß Erbleichen
Daß wie ein kaltes Eys in alle Glieder dringt
Und mit verzagter Angst das Hertze selbst bespringt.
Da ward ich aller Lust bey dem geschwinden Gleiten
Und bey dem Jrregang der abgelauff nen Zeiten
Des Lebens recht gewahr das mich bißher ergetzt
Und dessen falsche Lust ich Wunder-hoch geschätzt.
Jetzt aber Neid und Haß für die Begierde häge
Und aller Ehren Pracht von meiner Seiten lege
Die Liebe derer Gluth ohn’ Ende bey mir schien’
Ist mit dem alten Thun und Wesen gäntzlich hin.
Denn dis ist ja gewiß daß bloß und leere Sachen
Die Hoffnung unterbaun wer kan das Ewig machen
Was grimmer Zeiten Wuth und dessen Rache frist
Daß das Gedächtnüß selbst auch endlich selbst vergist.
Und ob du dich bemüht dis alles zu geniessen
Es wird in einem Blick aus deinen Händen schiessen
Gleichwie ein schlüpffrig Aal je mehr er wird gedrückt
Je schneller er dem Zwang des Fischers ist entrückt.
Drumb wo dich noch dein Heil und deine Wolfahrt rühret
Und weil noch der Verstand dir deine Sinne zieret
Weil dein Vernunfft-Schluß recht und die Genadenthür
Noch immer offen steht so siehe dich ja für
Daß auf gewissen Grund dein Hoffen sey gesetzet
Damit kein jäher Fall es unvermerckt verletzet
Betrachte Tritt und Schritt und folge Fuß für Fuß
Gleichwie ein Wandersmann Wegweiser hören muß.
Mein
Dieweil er diß nicht kan durchaus beweglich klagen
Die Dorne sah’ man vor Frost Reiff und Schnee umbziehn
Und drauff in einem Blick voll süsser Rosen blühn.
So ward des Winters Frost und auch des Sommers Hitze
Durch eine kleine Zeit der Menschen Wollust nütze
Wer höret dieses nicht mit grossem Schrecken an
Da doch die Warheit selbst den Glauben mehren kan.
Mensch schleuß die Augen auf und nicht der Augen Lichter
Hier sey Gemüth und Sinn Verstand und Klugheit Richter
Die die der Jugend Schwarm und Rasen so verblendt
Daß keiner noch zur Zeit was recht ist hat erkennt.
Mich klag’ ich mich nur an und muß mich selbst verdammen
Ich zwinge dieses Fleisch mit meines Zornes Flammen
Weg eitle Hoffnung weg laß mir mein Hertze rein
Es wird hinfüro nicht die deine Hosstatt seyn.
Mir wird ein Glas gezeigt in dem ich mich kan schauen
Ich will nicht wie vorhin den leichten Augen trauen
Hier seh’ ich mich recht an und diß mein Bild bezeugt
Daß ich der Laster Schaar an meiner Brust gesäugt.
Nun mach ich meinen Schluß komm Tod mit deinen Kertzen
Das Leben ist zu fern du nah’ und alle Schmertzen
Sind unauffhörlich lang je kürtzer meine Zeit
Je eher wird sie noch in Blühen abgemeyht.
Denn die erwachte Sonn’ in Rosen-rothen Wangen
Und Hyacinthen gleich mit Farben sehen prangen
Wird wenn sie in das Meer den müden Wagen taucht
Von alter Ungestalt und seine Zier verraucht.
Des Lebens Raum und Schaum gleicht einer Tages Länge
Und wird von schwartzer Nacht bestürtzter Sorgen enge
Und bricht bißweilen schon ein lieblich Strahl herein
So muß die Finsternüß desselben Decke seyn.
Auff diesen Seulen ruht der Menschen gantzes Sinnen
Und hierdurch wollen sie den Himmel selbst gewinnen
Das Leben schwindt und fleucht der Tod tritt heimlich an
Indem der freche Mensch sich selbst nicht kennen kan.
Ich weiß daß meine Zeit sehr kurtz und wol verschlossen
Denn keinem kömmt das Glück so unverfälscht geflossen
Der Sonnen leichte Flucht bezeuget daß die Welt
Zu ihrem Untergang von Anfang ist bestellt.
So geht nun die ihr noch auf eure Jugend pochet
Und durch Geschwatz’ und Spiel der Zeiten Ablauff suchet
Zählt eurer Jahre Reyh in ungezählter Zahl
Denn Pfeile die man sieht verlieren ihren Stahl.
Vielleicht sind meine Wort’ ein Raub der tollen Winde
Von keinem Nachdruck schwer von keiner Anmuth linde
Jhr aber lebt in Tag und blast aus sichrer Brust
Den rechten Todten Schlaf verdammter Seelen Kost.
Seht Stunden Sonn’ und Mond gebrauchen schnelle Flügel
Und rennen wie ein Pferd mit abgeschossenem Zügel
Wir selbst wir müssen fort und in ein ander Land
Das weder dir noch mir noch einem ist bekandt.
Seyd nur nicht so verstockt in eurer Thorheit Banden
Dieweil noch Hülff und Rath euch Armen ist verhanden
Weil die Gelegenheit noch ihre Stirne beut
So lescht den Jrrthumb weg von eurer Seelen Kleid.
Trett auf die rechte Bahn und in der Tugend Schrancken
Es ist der Narren Thun bey allen Sachen wancken
Verzieht nicht eure Buß biß daß der schwartze Tod
An Thür und Fenster klopfft und in der letzten Noth
Den scharff-gewetzten Pfeil durch Brust und Adern treibet
Der so Bekehrung sucht und dem Gewissen gläubet
Thut niemals nichts zu viel wenn er die Schuld erkennt
Und heilges Eyfers voll in wahrer Andacht brennt.
So weit hab ich gesehn der Sonnen Zorn und Eilen
Als drauff ein seelges Volck aus jenen Gegentheilen
In stiller Stille kömmt und gleich dem Himmel zu
In vollem Siegs-Gepräng’ erlangte seine Ruh.
Es war ein solches Volck das keine Macht der Zeiten
Noch Unglück Furcht und Angst vermochte zu bestreiten
Wit Waffen wohl verwahrt die Feder und Papier
Und die der Dichter Schaar dem Eisen zoge für.
Den sah’ die Königin der Sternen ungewillet
Als die durch eignen Ruhm den Himmel angefüllet
Und über diß was hier die Sterblichkeit beschleust
Mit Flügeln der Vernunfft nach Wünschen weggereist.
Die Seelen voller Gluth und ihrer Tugend Meister
Die von des Pöfels Schaar die hocherleuchten Geister
Den Sternen einverleibt und mit Triumpf besiegt
Was in der weiten Welt und ihren Winckeln ligt.
Die fiel sie hefftig an und muntert ihre Gäule
Durch fette Speisen auf daß sie in jäher Eile
Beschritten Weg und Steg sie gab den Flügeln Wind
Und neue Federn zu der Nachruhm der verschwindt
Und will vor Furcht und Angst der grimmen Dräuungs-Zeichen
Von meisten ihrer Schaar erschreckt zurücke weichen
Drauff kam’ ein ächtzend Hall der durch die Lüffte lieff
Und wie ich es gemerckt mit solchen Worten rüff:
Diß sey der feste Schluß ich schwöre bey den Sachen
Und Wercken die der Mensch wie klug er ist kan machen
Die wie ein Laub und Gras abfallen und vergehn
Die in Vergessenheit und Finsternüssen stehn.
Ich wil ein jedes Ding ein jedes Thun und Wesen
Die Stunden Jahr und Tag und was man drinn gelesen
Abstürtzen in die Grufft der unermeßnen Zeit
Diß gantze muß in Rauch mit seiner Eitelkeit.
So viel des
Der
Da
Der seine sieben Berg und das geprießne Rom
Noch weit berühmter macht so viel als diese Helden
Und ihre Tapfferkeit der Nachwelt können melden
Den hat der Geitz der Zeit den Ruhm schon abgekürtzt
Jhr Lob wird heute noch von seiner Hand gestürtzt.
Drumb euer Ehr’ und Glantz gleicht sich des Winters Lichte
Das eine dünne Wolck und Schatten macht zu nichte
So ändert diesen auch die Neigung so ihn trifft
Den grossen Namen ist die Zeit das gröste Gifft.
Was seyd ihr Sterblichen mit euern Sieges-Zeichen
Und Gütern denen nichts auf dieser Welt zu gleichen
Sie alten und vergehn und Kron und Thron zerbricht
Diß was der Sonnen Rath umbfähret tauret nicht.
Ja was der Zeiten Raub Unwürdigen benimmet
Gedenckt nicht daß zum Nutz der Frommen wieder kommet
Es ist ein gleiches Loß des Glückes Gut verdirbt
Und der Gelehrten Witz und kluges Schreiben stirbt.
So treibt die Zeit die Welt in einem steten Lauffen
Sie kan nicht stille stehn noch odmem noch verschnauffen
Die Wiederkunfft bleibt aus ob man sie täglich rufft
Sie frist uns grimmig auf und legt uns in die Grufft.
Daß aber ihren Sitz so fest vermeynt zu setzen
Der Menschen Herrlichkeit und wil sich gleiche schätzen
Der Götter Majestät was Wunder? so die Zeit
Nicht gar zu hitzig eilt und mählich allbereit
Den schlauen Fortgang nimmt biß daß sie alles breche
Und den vermeynten Wahn mit Spott und Hohn bespreche
Es sey auch was es will das uns der Pöfel sagt
Wär’ unser Alter nicht in engen Raum gejagt
So wird in Asch und Koth was menschlich ist vergehen
Weil nun das Leben fleucht so scheint der Ruhm zu stehen.
Ich hörte dieses an und sah’ aus meiner Nacht
(gleichwie der Sonnen Glut den Schnee zu Wasser macht)
Auch unser Gut und Geld zu seinem Ursprung kommen
So hat die Zeit zum Raub den Nachruhm weggenommen
Daß ich auch weiter nicht ein eintzig Hoffen setzt’
Auf diß was Menschen vor den Göttern gleich geschätzt.
Die Menschen so sie nicht noch ihr Gelücke wissen
Und ein geneigtes Ohr dem Aberwitz aufschliessen
An beyden Augen blind und an Vernunfft versehrt
Indem die leichte Lufft der Ehrgier sie bethört
Durch klugen Unverstand daß sie der alten Leichen
Mit doppelt größrem Lob als junger Leut ausstreichen
Glückseelig die der Tod noch von der Mutter reist
Und Elend die er alt in gleiche Grufft einschleust.
Ist nicht der Meisten Wunsch? ach wär’ ich nicht geboren
Es sey der lange lebt der hab ihm Ruhm erkohren
Was ist es daß man so mit solchen Ehren ehrt?
Wenn es der Zeiten Sturm und Tyranney verstört.
Es soll der Nachruhm seyn der nach dem Leben lebet
Und unsers Namens Laut biß an die Stern’ erhebet
Doch wo die Warheit hier das Urtheil sprechen will
So ist’s ein ander Tod denn wie des Todes Ziel
Von vieler Kräuter Safft wird endlich hintertrieben
So wird auch von der Zeit diß alles aufgerieben.