Trost an die Fr. Wittib Hn. J. V. den 10. Octobr. 1678.
Wer kan den Wunder-Schluß des Höchsten satt er- gründen?
Sein Allmacht legt sich selber aus
So bald sie spricht: Bestell dein Hauß
O Mensch man wird dich todt im Sarche morgen finden.
Da ist das Ziel verkehrt der Vorsatz gantz verrückt
Und alles bieibet nach worzu wir uns geschickt.
Herr
Wie vormals auff den Marckt zu ziehn
Daß seine Handlung mochte blühn
Und ihm käm aus der Höh der Seegen zugeflossen
Der Leipzig wolte sehn und wie die Messe lauff
Gibt eben diesen Tag des Lebens Geister auff.
Nun wirst du
Du legst noch Zoll noch das Geleit
Die Fracht geht in die Ewigkeit
Da wird ans höchste Gut dein Heiland dich anweisen.
Denn ist es wol gethan wenn er mit dir
Und deiner Sünden Rest mit seinem Blut abführt.
Denn dieses hast du auch bey dir genau ermessen.
Wenn jetzt ein Kauffmann reisen muß
Eh er noch fortsetzt seinen Fuß
So wird er wie der Weg zu forschen nicht vergessen.
Ob ihn Gefahr bedreut und Krieges-Volck erschreckt?
Ob wo ein heimlich Feind in dem Verborgnen steckt?
Diß konte dir zur Zeit noch keinen Kummer machen
Die Strassen waren dir bekand
So wohnte Sicherheit im Land.
Und jeder zog frey aus mit seinem Gut und Sachen.
Daß wenn nach Menschen Art man seine Rechnung stellt
Dich jetzt abreisenden nichts mehr zurücke hält.
Allein du wustest nicht wie Gottes Wege gehen
Der über uns so bald gebeuth
Der abgemessen unsre Zeit
Und schon das Ziel gesetzt in den gestirnten Höhen.
Dein Name konte dir diß deutlich bilden ein
Daß Menschen auff der Welt als wie die Vogel seyn.
Menn jetzt der Steller ihm hat seinen Herd gebauet
Mit grünen Rasen rings umbsteckt
Und sich mit breiten Zweigen deckt
Und listig durch die Nacht deß frischen Laubes schauet
So lockt er durch die Pfeiff und durch den Schreyer an
Ob er das albre Volck ins Netze bringen kan.
Wird nun der Vogel sich frisch in die Lüffte schwingen
So ist sein Berg-Flug gantz beglückt
Und er dem Netz und Garn entrückt:
Hört aber er bethört die in dem Kefich singen
Und nahet sich herzu so fänget ihn der Strick
Denn würgt der Vogler ihn in einem Augenblick.
Nicht anders gehts mit uns der Tod legt seine Garne
Zeigt uns der Wollust Honigseim
Den Reichthum unsrer Seelen Leim
Und daß der arme Mensch viel Geld und Gut erarne
So braucht er Schleiff und Strick Schlag-Kasten Korb
Biß daß er hat umbzirckt das sichre Fleisch und Blnt.
Klebt nun den Vögeln gleich der Mensch an Sünden-Beeren
Wenn die Begierden Körn er streun
Und Lüste seine Seel erfreun
So wird er sich gewiß deß Fanges nicht entwehren;
Versuchung bindet ihn daß er geknüpffet hängt
Und denn nur gar zu spät an Buß und Reu gedenckt.
Hingegen wie sich kan ein Vogel auch entreissen?
Wenn er die freyen Lüffte sucht
Durch seiner Flügel schnelle Flucht
Und ihm entnimmt Gefahr sein embsiges befleissen.
Weil die Erfahrung lehrt daß an die blaue Höh.
Mit seinem Garn und Netz kein Vogelsteller geh.
So wenn der innre Mensch sich durch deß Geistes Schwingen
Hebt von der Erden Dampff und Plan
Schaut alles diß verächtlich an.
Was nur von aussen scheint Gewinn und Nutz zu bringen
Hört nicht wenn ihm die Welt Sirenen gleiche singt
Noch ob die Müntze hell in seinen Ohren klingt.
Der gehet frölich durch wie durch ein Spinn-Gewebe
Ob es Arachne selbst gemacht
Und Pallas Kunst-Hand schon erdacht
Ob ihm die Circe gar den Wollust-Becher gebe
Schenckt ihm die Lotos Frucht zu lassen was bekand
Vergist er doch niemals sein wahres Vaterland.
Je ferner er der Welt je mehr ist er entgangen
Des Teuffels List und Trügerey
Da ihn kein Fallstrick wie er sey
So künstlich auch gelegt verwicklen kan noch fangen.
Der Sinnen himmlisch Flug sucht seine Sicherheit
Jm Gräntz-Haus wahrer Lust der grauen Ewigkeit.
So that
Wie listig ihm der Tod gestellt
Er kante schon die falsche Welt
Und wie sein Schlag behend uns pflegt ins Garn zu drücken
Wie wir den Vögeln gleich von hinnen müssen ziehn
Wenn sie das tieffe Jahr durch seinen Frost heist fliehn.
Alleine seine Seel ist Adler-hoch gestiegen.
Sein Wunsch der war ja jederzeit
Der Sonnen der Gerechtigkeit
Als wie die Adler thun noch näher zuzufliegen.
Er wuste daß ihr Stral und unvergleichlich Schein
Wurd in des Todes-Nacht sein eintzig Leit-Stern seyn.
Wolt’ in dem Leben ihn viel Ungemach antasten
Gleich wie schon zweymal Brand und Glut
Verzehrt sein meistes Haab und Gut
So zog er wie die Taub entfloh in Noha kasten
Zu seinem Heyland hin der schafft ihm Rath und Ruh
Und deckt ihn wiederumb mit Seegens Zweigen zu.
Der Oelbaum seiner Eh’ den er zu Breßlau funden
Der gab ihm Schatten Rast und Nutz
Er spürte GOttes hülff und Schutz
Und preiste seine Hand die schlägt und heilet Wunden.
Nur daß die kurtze Zeit den Schmertzen mehr ergrimmt
Weil er von seinem Schatz zu zeitlich Abschied nimmt.
Wiewol
Damit nicht ihrem Christenthum
Was mangle von dem wahren Ruhm.
Gönnt man den jenigen so böse Wege reisen
Wenn grausam Wetter ist wenn es gefreurt und schneyt
Daß sie bey später Nacht ein süsser Schlaff erfreut.
So wird sie noch vielmehr die Ruh dem Liebsten gönnen
Als der nach sechs und zwantzig Jahr
Erlittnen Reisen und Gefahr
Sein letztes Schlaffgemach im Grabe finden können.
Nun sieht er keine Meß und andre Jahrmarckt Zeit
Denn Gott ist sein Gewinn sein Wucher Ewigkeit.
Herr Vogel der sich jetzt ins Paradiß geschwungen
Und wie die
Nur aus dem Himmel Nahrung hat
Dem ist sein gantzer Zug und Reise-Flug gelungen.
O seelig wer so klug dem Tode kan entfliehn!
Den wird sein listig Garn und Netze nicht beziehn!