Trost aus anderer unglück an den Hn. ge- heimten Rath von Canitz bey dem verlust...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

So ungeneigt ich auch zum schreiben

Kanst du dennoch betrübter freund

Indem dein treues auge weint

Von mir nicht ungetröstet bleiben.

Ich rühre wie du mir gethan

Mitleidig deine wunden an.

Dir wird dein eh gemahl entrissen.

Was dir der tod mit ihr entwandt

Ist beydes hof und stadt bekandt;

Doch wer kan deinen kummer wissen?

Weh dem! den die erfahrung lehrt

Wie sehr dich dieser fall beschwert.

Als GOtt das erste weib zu bauen

Die ribbe davon Eva kam

Aus Adams seiner seiten nahm

Must’ Adam diesen riß nicht schauen.

Er schlieff weil ihm zu weh geschehn

Dergleichen schmertzen auszustehn.

O! wer begreifft dann itzt das leiden

Da wir das schon erbaute weib

Und mit ihr unser seel und leib

Sehn in das grab auf ewig scheiden!

Da man uns wer es nur erkennt

Wie mitten von einander trennt.

Gewiß die von den frauen sagen:

Daß sie die unruh die man spührt

Zum ersten in die welt geführt

Die solten deinen jammer tragen.

Denn diß gespötte wird nicht wahr

Als auf der frauen todten-bahr.

Zum minsten ist der tod der deinen

Die allererst- und letzte that

Womit sie dich betrübet hat

Und wodurch du hast lernen weinen.

Die unruh die sie dir gebracht

Ist daß sie dich zum wittwer macht.

Man weiß wie liebreich sie gewesen

Wie fromm wie gütig wie erfreut;

Und ihres hertzens mildigkeit

Kont man aus ihren augen lesen.

Diß aber alles wieß sie dir

Mit so viel hertzlicher begier.

Viel die sich vor der ehe scheuen

Begunten wenn sie euch gesehn

Von ihrem dünckel abzustehn

Und in gedancken schon zu freyen.

Ich aber sah auff euer glück

Mit einem sorgens-vollen blick.

Ich dacht’ o höchstbeglückten beyde!

Doch machte mein verlust mir bang.

Seyd glücklich sprach ich; doch wie lang!

Wie bald stört euch der tod die freude?

Was hilfft euch dann die gute wahl

Je süsser eh je grösser qual!

Ein weib kan alle tugend haben

Auch schönheit stand und überfluß;

Und würcket dennoch nur verdruß

Mit allen ihren vorzugs-gaben:

Wenn nemlich sie voll übermuth

Bey ihrer tugend trotzig thut.

Dir war die deine so ergeben

Als wenn in ihr kein wille wär’

Als sucht ihr gantzer wunsch nichts mehr

Denn deinem völlig nachzuleben.

Was dir beliebig und bequem

War ihr durchgehends angenehm.

In freuden war sie dein vergnügen

Jm trauren deine trösterin.

Wie wuste sie dich abzuziehn

Und aller unlust vorzubiegen?

Wie machte sie es noch den tag

Als Blumberg in den aschen lag.

Jhr saht das halbe gut verbrennen

Das vorspiel leider! deiner nöth

Worinn dich nun gestürtzt ihr tod!

Doch war es kaum bey ihr zu kennen.

Die klage lieff von hauß zu hauß

Nur ihr saht unbekümmert aus.

Ja selbst der tod mit seinem schrecken

Als er sich endlich eingestell’t

Vom brandte gleichsam angemeld’t

Kont’ ihr doch keine furcht erwecken.

So ruhig wie sie pflag zu seyn

Schlieff sie auch in dem sterben ein.

Sie sprach: seht ihr nicht daß ich schlaffe?

Und schloß darauff die augen zu.

Sie starb als gienge sie zur ruh

Und litte nicht der sünden straffe.

Die freundlichkeit verließ auch nicht

Jhr schon erblastes angesicht.

Kaum kan ich mich hierbey erwehren

Die thränen netzen meine schrifft.

Wie aber muß dann den es trifft

Dich werther freund diß leid verzehren!

Der du in ihr die du verlierst

Die güte selbst zu grabe führst!

Man kennt dich von den welt-geschäfften

Die du so rühmlich überstrebt.

Man weiß wie standhafft du gelebt

Und nun bist du von allen kräfften:

Weil nemlich was dich ietzt ergreifft

Das hertze trifft und überhäufft.

Du bist von den belebten feelen

Die zur empfindligkeit geneigt

Und von der musen brust gesäugt

Sich mehr als grobe sinnen quälen:

Dieweil je zärter ein gemüth

Je mehr und weiter es auch sieht.

Sag’ ich: du soltest dich besinnen

Was noch für trost dein leiden hat

Das beyleid dieser gantzen stadt

Ja zweyer grossen Churfürstinnen.

Sprichst du: ein trost von solcher höh

Rechtfertige vielmehr dein weh.

Sag’ ich: daß von den sieben erben

Das liebste pfand von ihrer treu

Dein sohn dir überblieben sey:

Siehst du in ihm sie täglich sterben.

Indem ihr bildniß das er trägt

Dir ihren tod vor augen legt.

Sag’ ich denn dich vergnügt zu machen

Sie schlaffe wecke sie nicht auf

Durch deiner thränen steken lauf:

So wartest du sie soll erwachen.

Doch wenn der neue morgen tagt

Wird sie viel hefftiger beklagt.

Dermassen weiß ich nichts zu finden

Wodurch dein schmertz zu stillen sey.

Die wunden sind noch allzu neu

Und nur die zeit muß sie verbinden.

Zumahl dein kummerreicher geist

Sie immer weit und weiter reist.

Jedoch wofern ich was soll rathen

Weil doch mein unfall mich geübt:

Verlaß den ort der dich betrübt

Und sieh dich um in fremden staaten:

Vielleicht wird deine traurigkeit

Wo nicht vertrieben doch zerstreut.

Du kanst ohn diß in diesem stande

Bey uns nicht bleiben wo du bist.

Der tod hat hier dem hauß verwüst’t

Das feuer aber auf dem lande.

Wohin sich nur dein auge kehrt

Liegt alles einsam und verstört.

Zeuch hin weil noch der schmertz am größten

Wo der berühmte Grävius

Wo Spanheim Brockhuß Francius

Den grossen König Wilhelm trösten:

Der eine Königin bedaurt

Um welche gantz Europa traurt.

Es klagen so viel nationen

Als stürb in ihr zugleich dahin

All dieser völcker Königin:

Doch muß ihr wittwer es gewohnen.

Was einen solchen trösten kan

Nimt billiger dein leiden an.

Bist du nun wo die musen hausen

Auf der Bataver Helicon;

Wirst du vielleicht nicht weit davon

Auch die carthaunen hören sausen:

Wo gleichsam sich die halbe welt

Zu streit und kriegen eingestellt.

Da wird der held von dem wir sprechen

Den kummer der ihn traurig macht

Wo nicht in einer strengen schlacht

Dennoch an einer vestung brechen:

Und so mir recht ist hört man schon

Vor Namur seinen donner-thon.

Was dünckt dich bey den dicken wällen

Den steilen felsen da sie stehn

Den mauren die kaum abzusehn:

Solt’ einen hier auch etwas fällen?

Voraus da Boufler sie beschützt

Und zwischen hundert stücken sitzt.

Gieb acht die dort ihr lager schlagen

Die rüsten sich in diese klufft

So hoch erhaben in die lufft

Den tod durch feur und schwerdt zu tragen:

Und brechen würcklich durch den stein

Von allen eck- und seiten ein.

Da wird ein gantzes werck ersteigen

Und hier ein halber thurm gesprengt:

Da sieht man freund und feind vermengt

Bey tausenden darnieder liegen.

Des siegers und besiegten fall

Füllt in- und ausserhalb den wall.

Und zwar wilst du bekandte suchen

Besieh der Brandenburger schaar.

Wie drängen die sich zur gefahr

Daß auch die Frantzen auff sie fluchen

Als wenn von ihrer seiten her

Der tod noch eins so gräßlich wär.

Allein indem sie auffwerts klimmen

Und an den fels wie gemsen ziehn;

Klagt manches stamm-hauß in Berlin:

Daß ihrer viel im blute schwimmen

Und mancher der uns lieb gewest

Den geist hier in die lüffte bläst.

Ja selbst die stadt mit ihren mauren

Zerfällt und sinckt in asch’ und grauß.

Ist in derselben auch ein hauß

In welchem man nicht höre trauren?

Zumahl da öffters weib und kind

Zugleich mit auffgeflogen sind.

Bey so viel unzehlbaren leichen

Mit maur und wall dahin gestreckt;

Was meynst du wirst du nicht erschreckt

Dein leid mit dieser fall vergleichen?

Und finden gegen ihrer last

Daß du gar nicht zu klagen hast.

Wie dürfftest du vom tode klagen

Wo sterben ein geringes ist?

Diß warum du bekümmert bist

Sieht man auff allen gassen tragen:

Wenn nur nicht an des grabes statt

Das hauß sie überschüttet hat.

Wie viel sind hier zu wittwen worden

Wie vielen stirbt der gantze stamm?

Was dir der tod geruhig nahm

Fällt hier durch lauter schwerdt und morden

So daß auch öffters die gebein

Der todten nicht zu finden seyn.

Als dorten gar kein trost zu hoffen

Da Tullius sein kind verlohr

Hielt man ihm die verwüstung vor

Die damahls Africa betroffen

Und welche durch des raubes hand

Die gantze gegend umgewandt.

Wenn du diß wirst vor Namur finden

Alsdann wird deine kümmerniß

Zum wenigsten so lang gewiß

Als du vor Namur bist verschwinden:

Wie sich ein kleiner fluß verliert

Wenn er sich in das meer geführt.

Alsdann wirst du nach allen fällen

Die du vor Namur siehst und hörst

Wenn du nun wieder zu uns kehrst

Dir auch Berlin vor augen stellen:

Und da auch finden was dein leid

Durch fremde traurigkeit zerstreut.

Da wird sich (derer zu geschweigen

So Namurs sturm dahin gerafft)

Selbst deines Fürstens leidenschafft

Und seines nechsten dieners zeigen:

Der wie sein Fürst durch gleichen schluß

Um einen bruder trauren muß.

Da wird dir (wilst du wittwers haben )

Dein Below zum exempel stehn.

Da wirst du einen Kniphauß sehn

Der gar drey leichen muß begraben:

Und Lottum dem der tod entreist

Was selbst der neid unschätzbar heist.

Da wirst du endlich auch erfahren

Wie alles trauren ohne frucht:

Wie ich der dich zu trösten sucht

Mich leide seit so vielen jahren;

Und den verlust den ich gethan

Die zeit auch nicht ersetzen kan.

O laß doch zu daß bey dem singen

Von deiner Arnimb süssen eh

Ich einmahl noch mein herbes weh

Die Kühleweinin laß’ erklingen!

Vielleicht in dem ich solches thu

Vergist du dich und hörst mir zu.