Trost aus anderer unglück an den Hn. ge- heimten Rath von Canitz bey dem verlust...
So ungeneigt ich auch zum schreiben
Kanst du dennoch betrübter freund
Indem dein treues auge weint
Von mir nicht ungetröstet bleiben.
Ich rühre wie du mir gethan
Mitleidig deine wunden an.
Dir wird dein eh gemahl entrissen.
Was dir der tod mit ihr entwandt
Ist beydes hof und stadt bekandt;
Doch wer kan deinen kummer wissen?
Weh dem! den die erfahrung lehrt
Wie sehr dich dieser fall beschwert.
Als GOtt das erste weib zu bauen
Die ribbe davon Eva kam
Aus Adams seiner seiten nahm
Must’ Adam diesen riß nicht schauen.
Er schlieff weil ihm zu weh geschehn
Dergleichen schmertzen auszustehn.
O! wer begreifft dann itzt das leiden
Da wir das schon erbaute weib
Und mit ihr unser seel und leib
Sehn in das grab auf ewig scheiden!
Da man uns wer es nur erkennt
Wie mitten von einander trennt.
Gewiß die von den frauen sagen:
Daß sie die unruh die man spührt
Zum ersten in die welt geführt
Die solten deinen jammer tragen.
Denn diß gespötte wird nicht wahr
Als auf der frauen todten-bahr.
Zum minsten ist der tod der deinen
Die allererst- und letzte that
Womit sie dich betrübet hat
Und wodurch du hast lernen weinen.
Die unruh die sie dir gebracht
Ist daß sie dich zum wittwer macht.
Man weiß wie liebreich sie gewesen
Wie fromm wie gütig wie erfreut;
Und ihres hertzens mildigkeit
Kont man aus ihren augen lesen.
Diß aber alles wieß sie dir
Mit so viel hertzlicher begier.
Viel die sich vor der ehe scheuen
Begunten wenn sie euch gesehn
Von ihrem dünckel abzustehn
Und in gedancken schon zu freyen.
Ich aber sah auff euer glück
Mit einem sorgens-vollen blick.
Ich dacht’ o höchstbeglückten beyde!
Doch machte mein verlust mir bang.
Seyd glücklich sprach ich; doch wie lang!
Wie bald stört euch der tod die freude?
Was hilfft euch dann die gute wahl
Je süsser eh je grösser qual!
Ein weib kan alle tugend haben
Auch schönheit stand und überfluß;
Und würcket dennoch nur verdruß
Mit allen ihren vorzugs-gaben:
Wenn nemlich sie voll übermuth
Bey ihrer tugend trotzig thut.
Dir war die deine so ergeben
Als wenn in ihr kein wille wär’
Als sucht ihr gantzer wunsch nichts mehr
Denn deinem völlig nachzuleben.
Was dir beliebig und bequem
War ihr durchgehends angenehm.
In freuden war sie dein vergnügen
Jm trauren deine trösterin.
Wie wuste sie dich abzuziehn
Und aller unlust vorzubiegen?
Wie machte sie es noch den tag
Als Blumberg in den aschen lag.
Jhr saht das halbe gut verbrennen
Das vorspiel leider! deiner nöth
Worinn dich nun gestürtzt ihr tod!
Doch war es kaum bey ihr zu kennen.
Die klage lieff von hauß zu hauß
Nur ihr saht unbekümmert aus.
Ja selbst der tod mit seinem schrecken
Als er sich endlich eingestell’t
Vom brandte gleichsam angemeld’t
Kont’ ihr doch keine furcht erwecken.
So ruhig wie sie pflag zu seyn
Schlieff sie auch in dem sterben ein.
Sie sprach: seht ihr nicht daß ich schlaffe?
Und schloß darauff die augen zu.
Sie starb als gienge sie zur ruh
Und litte nicht der sünden straffe.
Die freundlichkeit verließ auch nicht
Jhr schon erblastes angesicht.
Kaum kan ich mich hierbey erwehren
Die thränen netzen meine schrifft.
Wie aber muß dann den es trifft
Dich werther freund diß leid verzehren!
Der du in ihr die du verlierst
Die güte selbst zu grabe führst!
Man kennt dich von den welt-geschäfften
Die du so rühmlich überstrebt.
Man weiß wie standhafft du gelebt
Und nun bist du von allen kräfften:
Weil nemlich was dich ietzt ergreifft
Das hertze trifft und überhäufft.
Du bist von den belebten feelen
Die zur empfindligkeit geneigt
Und von der musen brust gesäugt
Sich mehr als grobe sinnen quälen:
Dieweil je zärter ein gemüth
Je mehr und weiter es auch sieht.
Sag’ ich: du soltest dich besinnen
Was noch für trost dein leiden hat
Das beyleid dieser gantzen stadt
Ja zweyer grossen Churfürstinnen.
Sprichst du: ein trost von solcher höh
Rechtfertige vielmehr dein weh.
Sag’ ich: daß von den sieben erben
Das liebste pfand von ihrer treu
Dein sohn dir überblieben sey:
Siehst du in ihm sie täglich sterben.
Indem ihr bildniß das er trägt
Dir ihren tod vor augen legt.
Sag’ ich denn dich vergnügt zu machen
Sie schlaffe wecke sie nicht auf
Durch deiner thränen steken lauf:
So wartest du sie soll erwachen.
Doch wenn der neue morgen tagt
Wird sie viel hefftiger beklagt.
Dermassen weiß ich nichts zu finden
Wodurch dein schmertz zu stillen sey.
Die wunden sind noch allzu neu
Und nur die zeit muß sie verbinden.
Zumahl dein kummerreicher geist
Sie immer weit und weiter reist.
Jedoch wofern ich was soll rathen
Weil doch mein unfall mich geübt:
Verlaß den ort der dich betrübt
Und sieh dich um in fremden staaten:
Vielleicht wird deine traurigkeit
Wo nicht vertrieben doch zerstreut.
Du kanst ohn diß in diesem stande
Bey uns nicht bleiben wo du bist.
Der tod hat hier dem hauß verwüst’t
Das feuer aber auf dem lande.
Wohin sich nur dein auge kehrt
Liegt alles einsam und verstört.
Zeuch hin weil noch der schmertz am größten
Wo der berühmte Grävius
Wo Spanheim Brockhuß Francius
Den grossen König Wilhelm trösten:
Der eine Königin bedaurt
Um welche gantz Europa traurt.
Es klagen so viel nationen
Als stürb in ihr zugleich dahin
All dieser völcker Königin:
Doch muß ihr wittwer es gewohnen.
Was einen solchen trösten kan
Nimt billiger dein leiden an.
Bist du nun wo die musen hausen
Auf der Bataver Helicon;
Wirst du vielleicht nicht weit davon
Auch die carthaunen hören sausen:
Wo gleichsam sich die halbe welt
Zu streit und kriegen eingestellt.
Da wird der held von dem wir sprechen
Den kummer der ihn traurig macht
Wo nicht in einer strengen schlacht
Dennoch an einer vestung brechen:
Und so mir recht ist hört man schon
Vor Namur seinen donner-thon.
Was dünckt dich bey den dicken wällen
Den steilen felsen da sie stehn
Den mauren die kaum abzusehn:
Solt’ einen hier auch etwas fällen?
Voraus da Boufler sie beschützt
Und zwischen hundert stücken sitzt.
Gieb acht die dort ihr lager schlagen
Die rüsten sich in diese klufft
So hoch erhaben in die lufft
Den tod durch feur und schwerdt zu tragen:
Und brechen würcklich durch den stein
Von allen eck- und seiten ein.
Da wird ein gantzes werck ersteigen
Und hier ein halber thurm gesprengt:
Da sieht man freund und feind vermengt
Bey tausenden darnieder liegen.
Des siegers und besiegten fall
Füllt in- und ausserhalb den wall.
Und zwar wilst du bekandte suchen
Besieh der Brandenburger schaar.
Wie drängen die sich zur gefahr
Daß auch die Frantzen auff sie fluchen
Als wenn von ihrer seiten her
Der tod noch eins so gräßlich wär.
Allein indem sie auffwerts klimmen
Und an den fels wie gemsen ziehn;
Klagt manches stamm-hauß in Berlin:
Daß ihrer viel im blute schwimmen
Und mancher der uns lieb gewest
Den geist hier in die lüffte bläst.
Ja selbst die stadt mit ihren mauren
Zerfällt und sinckt in asch’ und grauß.
Ist in derselben auch ein hauß
In welchem man nicht höre trauren?
Zumahl da öffters weib und kind
Zugleich mit auffgeflogen sind.
Bey so viel unzehlbaren leichen
Mit maur und wall dahin gestreckt;
Was meynst du wirst du nicht erschreckt
Dein leid mit dieser fall vergleichen?
Und finden gegen ihrer last
Daß du gar nicht zu klagen hast.
Wie dürfftest du vom tode klagen
Wo sterben ein geringes ist?
Diß warum du bekümmert bist
Sieht man auff allen gassen tragen:
Wenn nur nicht an des grabes statt
Das hauß sie überschüttet hat.
Wie viel sind hier zu wittwen worden
Wie vielen stirbt der gantze stamm?
Was dir der tod geruhig nahm
Fällt hier durch lauter schwerdt und morden
So daß auch öffters die gebein
Der todten nicht zu finden seyn.
Als dorten gar kein trost zu hoffen
Da Tullius sein kind verlohr
Hielt man ihm die verwüstung vor
Die damahls Africa betroffen
Und welche durch des raubes hand
Die gantze gegend umgewandt.
Wenn du diß wirst vor Namur finden
Alsdann wird deine kümmerniß
Zum wenigsten so lang gewiß
Als du vor Namur bist verschwinden:
Wie sich ein kleiner fluß verliert
Wenn er sich in das meer geführt.
Alsdann wirst du nach allen fällen
Die du vor Namur siehst und hörst
Wenn du nun wieder zu uns kehrst
Dir auch Berlin vor augen stellen:
Und da auch finden was dein leid
Durch fremde traurigkeit zerstreut.
Da wird sich (derer zu geschweigen
So Namurs sturm dahin gerafft)
Selbst deines Fürstens leidenschafft
Und seines nechsten dieners zeigen:
Der wie sein Fürst durch gleichen schluß
Um einen bruder trauren muß.
Da wird dir (wilst du wittwers haben )
Dein Below zum exempel stehn.
Da wirst du einen Kniphauß sehn
Der gar drey leichen muß begraben:
Und Lottum dem der tod entreist
Was selbst der neid unschätzbar heist.
Da wirst du endlich auch erfahren
Wie alles trauren ohne frucht:
Wie ich der dich zu trösten sucht
Mich leide seit so vielen jahren;
Und den verlust den ich gethan
Die zeit auch nicht ersetzen kan.
O laß doch zu daß bey dem singen
Von deiner Arnimb süssen eh
Ich einmahl noch mein herbes weh
Die Kühleweinin laß’ erklingen!
Vielleicht in dem ich solches thu
Vergist du dich und hörst mir zu.