Trost-Elegie An die betrübte Eltern und Groß-Eltern über dem Absterben J. A. C. ...

By Heinrich Mühlpfort

Die Thränen so jetzund aus euren Augen rinnen

Und noch zu guter Nacht die

Betrübtste wird kein Mensch als unrecht tadeln können

Er müste den ein Felß und kalter Marmel seyn.

Hier iockt sie die Natur aus treuen Liebes-Quellen

Der Regen trocknet nicht so sich ins Hertz ergeust.

Zuweilen lassen sich die Zähren noch verstellen

Nicht aber wenn der Schmertz biß in die Seele reist.

Zudem ist auch ver gonnt die Seinen zubeklagen

Denn Thränen bleiben wol Dolmetscher unser Noth

Gesehrten so uns erst in dieses Leben tragen

Begleiter wenn aus dem uns rufft der blasse Tod.

Doch aber sollen sie den jenen Flüssen gleichen

Die nie aus ihrem Bett’ und grünen Ufern gehn.

Ein Weiser wird das Ziel bey seinem Leid erreichen

Wenn er bedenckt wie nah so Tod als Leben stehn.

Der Schluß ist längst gemacht daß Menschen müssen sterben

Wer diß betrauren wil der kennt sich selbsten nicht.

Wie soll nicht dieser Leib der Asch und Staub verderben

Wenn uns bey der Geburt die erste Haut schon bricht?

Der Anfang führt mit sich sein eintzig Kind das Ende

Wie groß der Unterscheid macht uns der Ausgang gleich.

Auch Kindern ist zuviel die Mänge vom Elende

Und für der Jahre Flucht wird ein verlebter bleich.

Sagt

So ihrer Jahre Zahl auff hohe Staffeln bracht.

Ob sie bey Angst und Noth sich täglich nicht begraben

Und saurer Tage Last sie todten ähnlich macht:

Alsdenn legt auch die Zeit auff gleiche Wage-Schalen

Und messet mir den Raum so unser Leben hat.

Gewiß die der Natur früh ihre Schuld bezahlen

Sind mehr glückseliger als die so Lebens-sat.

Theils sehen sich zuvor an ihren Kindern sterben

Theils gehen stets gebückt voll Eckel voll Verdruß

Und vielen wird der Harm das Leben so erherben

Daß nichts als Angst und Noth ihr eintzig Uberfluß.

Man heist den jenigen erfreuet sonst wilkommen

Der seiner Reise Ziel ein kurtzes Ende macht.

Nun in dem Himmel ist die

Und zu der Nachbarschafft der Engel hingebracht

So klagt

Daß eures Lebens Trost und Hoffnung fällt dahin.

Gedenckt der unser Zeit und Tage führt in Händen

Hat ihr den frühen Tod gerechnet zum Gewinn.

Zwar die Behägligkeit die freundlichen Geberden

Die liebliche Gestalt des Leibes Hurtigkeit

Und andre Schätze mehr so ench entzogen werden

Sind Wecker neuer Angst und Auffboth zu dem Leid.

Allein wie kan ein Mensch den innern Rath ausfragen

Den GOttes Macht-Gericht’ hat über uns bestimmt?

Indem der Erden-Kreyß erbebt von vielen Plagen

Geschicht nicht denen wol so früh’ GOtt zu sich nimmt?

Jhr rein und zarter Geist hat nie das Gifft geschmecket

So offt die Heiligen auff dieser Welt verführt

Und ihre Seele war von Lastern nie beflecket

Die unser Fleisch und Blut im Alter sonst gebirt.

Gesetzt: Daß ferner auch der Frühling ihrer Jugend

In holder Liebligkeit zum schönsten auffgeblüht

Und ihr begierig Sinn in ungefärbter Tugend

Und wahrer Gottes furcht nur eintzig sich bemüht;

So wär ihr Stunden-Glaß doch endlich auch zerfallen

Es hätte sie der Tod als wie an jetzt gestreckt:

Diß Leben bleibet nur ein unablässig Wallen

Biß den verblasten Leib die Schoß der Erden deckt.

Man leide mit Gedult was alle müssen leiden

Und thu nur unverzagt was doch gethan muß seyn.

Den Schluß von Ewigkeit Antreten und Abscheiden

Reist keine Ungedult noch kläglich Winseln ein.

So weit die Cynthia ihr silbern Tauhorn lencket

Und Phöbus göldnes Rad den Kreiß der Welt durchfährt

Ist nichts als Unbestand der unser Thun umbschrencket

Und Kummer der den Kern des Geistes fast verzehrt.

Ja endlich unser Leib ist nur ein Grab der Seele

Ein Kercker wo uns nichts als Nacht und Schrecken rührt

Ein arge Folter-Banck und Marter-reiche Höle

Die mit stets neuer Noth die schwachen Glieder schnürt.

Ein Schiffmann jauchtzt und springt wenn er den Port erblicket:

Ist nicht der Tod bey uns ein Port der süssen Ruh?

Der vor des Lebens Lust die Menschen mehr erquicket

Wenn seine Hand zuletzt uns drückt die Augen zu.

Betrübtste weiter wird auch diß noch Trost bereiten.

Daß die so wol gelebt und seelig scheiden ab

Man sol mit Lobgesang zu ihrer Grufft begleiten.

Die Thür zur Ewigkeit ist frommer Christen Grab.

Die bittern Schmertzen wird ihr Angedencken stillen

Denn die man hochgeliebt vergisst man nimmer nicht.

Muß schon was irrdisch war die Erde wieder füllen

So schwebt ihr Bildnüß doch euch immer im Gesicht.

Ja rufft vielmehr Glück zu! der seelgen Catharinen

Die den April der Welt tauscht mit des Lebens May:

Bekrönt ihr enges Grab mit frischen Roßmarinen

Zum Trost daß eure Blum’ hierinn verschlossen sey.

Der Garten eurer Eh’ muß jetzt zwar Anstoß leiden

Des Todes Witterung raubt Pflantzen bester Art.

Doch wird das Paradeis mit neuem Glantz sie kleiden

Und zu mehr Herrligkeit hat sie das Grab bewahrt.

Drumb

Jhr kurtzes Leiden hat erlangt den schönsten Preiß.

Umbsonst beklagt man sie mit seufftzen-vollem Sehnen.

Der traurt am Christlichsten der Maß zu halten weiß.