Trost-Elegie An Hn. J. E bey Beerdigung seiner Ehelieb- sten den 24. Septemb. 16...
Wil mich der Himmel denn in nichts als Flor verhüllen?
Muß Myrrh und Aloe mein Rosen-Zucker seyn?
Der Mutter Asche brennt und ist noch nicht zu stillen
Als sich gehäufftes Leid nun wieder findet ein.
Die tieffe Traurigkeit so meinen Geist umfangen
Hat mich ein Grabelied zu singen stets gehemmt.
Nun itzt die Seelige mein Vetter nachgegangen
So wird mein Aug’ aufs neu mit Thränen überschwemmt.
Mit Thränen die sein Leid bezeigen doch nicht brechen
Weil das zerschlagne Hertz in heissen Aengsten pocht
Ob seiner Liebsten Tod; wer wil da Trost zusprechen
Wenn beyder Augen-Quell die Zähren-Lauge kocht.
Jen’ hieß des Lotos Frucht des Vater-Lands vergessen
Der wahren Lieb und Treu vergist man ewig nicht
Wenn Hertzen in der Eh’ in solchem Fried gesessen
Welch Jammer ist es doch wenn eins der Tod zerbricht.
Die Liebe die ergetzt die macht auch Seelen-Wunden
Jhr Zunder giebt zwar Licht beynebenst Glut und Brand
Der Tod der Ehen bricht wird allzuhoch empfunden
Daß dem betrübten Sinn kein Trost-Wort ist bekant.
Hier kan nicht die Vernunfft die Sieges-Fahnen tragen
In ihre Palmen flicht sich blasser Wermuth ein
Der unverhoffte Stoß wird allen Trost verjagen
Die Trauer-Nacht bedeckt der Weißheit Sonnenschein.
Ich suche wo ich wil ein Labsal zu erfinden
Der Götter Panace ist hier nur Gauckeley
Des Chirons kluger Arm kan Wunden nicht verbinden
Die in die Seele gehn und brechen sie entzwey.
Nicht starcker Bezoar nicht fette Mastix-Klösser
Und was vor kostbar Oel Aegyptens Bürger schickt
Benehmen hier den Schmertz das Leiden wird nur grösser
Jemehr mans euserlich mit Nard und Salben schmückt.
So läst es sich auch nicht durch süsse Lieder zwingen
Und die Tarantula ertödtet nicht den Schmertz.
Er wird noch hefftiger durch Marck und Adern dringen
Jemehr man Perlen-Tränck ertheilt dem matten Hertz.
Es muß was höhers seyn das Seelen ein kan wiegen
Wenn so ein schmertzlich Fall sie fast zu Boden reist.
Gottseelige Gedult kan über alles siegen
Und Hoffnung die uns recht im Glauben unterweist.
Er gebe diesen Platz bey solchem Sturm der Zeiten
Mein Vetter GOtt und Zeit heilt Streich’ und Wunden zu.
Daß Trauren billich sey wil ich nicht wiederstreiten
Nur diß erweg’ er wol die Liebste lebt in Ruh.
Sie lebt ob wir gleich nicht ein irrdisch Leben spüren
Ob schon der Seelen Kleid der Leib im Sarg erbleicht
Sie kan nun keine Noth noch arges Drangsal rühren
Da aller Wetter-Brunst auf unsre Köpffe streicht.
Dort wütet Seuch und Pest hier brennt die Krieges-Flamme
Indem die sichre Welt in Schimpf und Schande sinckt
Die Zweige fallen ab von des Piastus Stamme
Worüber Schlesien unendlich Thränen trinckt.
Wer wünscht nicht aufgelöst zu seyn von diesen Banden
Die unser Göttlich Theil der Seelen fesseln an?
Die Liebst ist nun im Port ihr Schiff kan nicht mehr stranden
Weil auff der wüsten See irrt unser Lebens-Kahn.
Den schmertzlichen Verlust daß sie hinweg gerissen
Daß so ein bittres Weh die süssest Eh’ entzweyt
Wird ihr Gedächtniß nun bey ihm ersetzen müssen
Dem schon zum Tempel ist sein treues Hertz geweyht.
Die reine Liebe wird in güldnen Ampeln schimmern
Jhr unbeflecktes Feur gantz unausleschlich seyn
Was wil er werthster Freund sich denn so gar bekümmern?
Dort gehen sie aufs neu die werthe Freundschafft ein
In höchster Heiligkeit und einzig reinem Wesen
Sie geht den Weg zuvor den er einst treten muß
Wer Rosen sammlen wil muß vor die Dornen lesen.
Der Biene Stachel schützt den süssen Honigfluß.
Es kan ihr Tugend-Ruhm auch seine Schmertzen mindern
Wie brünstig sie geliebt GOtt Kirchen und Altar:
Es wird ihr häußlich seyn die grosse Wehmuth lindern
Wie sie bey Tag und Nacht nur auff die Nahrung war
Und eine Thais nicht die stets beym Spiegel stehet
Nicht eine Tanaquil die nur zu herrschen denckt
Nicht eine Cynthia so ausser Hause gehet
Und ihre Zucht und Ehr mit frembden Küssen kränckt.
Sie hat stets eine Macht auf ihrem Haupt getragen
Und Fried und Einigkeit mit ihrer Hand gepflantzt
Sie hub die Sorgen auf so Geist und Sinnen plagen
Und hat durch Wachsamkeit das Haus als wie umbschantzt.
So ein vollkommen Chor der Tugenden verschwindet?
So seltne Frömmigkeit verläst die böse Welt?
Genung daß sie alldort was wir verlangen findet
Daß sie schon im Besitz wornach wir trachten hält.
Aus heisser Liebe stieg der Orpheus in die Hölle
Zu hol’n Euridicen sein liebstes Ehgemahl
Umbsonst er brachte sie nicht wieder an die Stelle
Sie blieb an jenem Orth wo weder Licht noch Strahl.
Und so viel that die Lieb: Ach wären Wünsche kräfftig
Sie hätten hier noch mehr auf ander Art gethan
Die Lieb und werthe Treu entbrandten allzuhefftig
So daß den Jammer nicht die Feder melden kan.
Allein der arme Mensch kan diß nicht hintertreiben
Was schon des Höchsten Rath hat über ihn bestimmt.
Wir müssen in Gedult bey diesem Willen bleiben
Weil ausser sein Bewust kein Haar uns wird gekrümmt
Die Seelige ruht wol ihr Grabmahl auszuzieren
Darff aus Numidien kein scheckicht Marmel seyn
Noch daß man irgend wolt erhöhte Thürm’ aufführen
Jhr guter Nachruf ist ihr schönster Leichenstein.