Trost-Elegie An Hn. J. E bey Beerdigung seiner Ehelieb- sten den 24. Septemb. 16...

By Heinrich Mühlpfort

Wil mich der Himmel denn in nichts als Flor verhüllen?

Muß Myrrh und Aloe mein Rosen-Zucker seyn?

Der Mutter Asche brennt und ist noch nicht zu stillen

Als sich gehäufftes Leid nun wieder findet ein.

Die tieffe Traurigkeit so meinen Geist umfangen

Hat mich ein Grabelied zu singen stets gehemmt.

Nun itzt die Seelige mein Vetter nachgegangen

So wird mein Aug’ aufs neu mit Thränen überschwemmt.

Mit Thränen die sein Leid bezeigen doch nicht brechen

Weil das zerschlagne Hertz in heissen Aengsten pocht

Ob seiner Liebsten Tod; wer wil da Trost zusprechen

Wenn beyder Augen-Quell die Zähren-Lauge kocht.

Jen’ hieß des Lotos Frucht des Vater-Lands vergessen

Der wahren Lieb und Treu vergist man ewig nicht

Wenn Hertzen in der Eh’ in solchem Fried gesessen

Welch Jammer ist es doch wenn eins der Tod zerbricht.

Die Liebe die ergetzt die macht auch Seelen-Wunden

Jhr Zunder giebt zwar Licht beynebenst Glut und Brand

Der Tod der Ehen bricht wird allzuhoch empfunden

Daß dem betrübten Sinn kein Trost-Wort ist bekant.

Hier kan nicht die Vernunfft die Sieges-Fahnen tragen

In ihre Palmen flicht sich blasser Wermuth ein

Der unverhoffte Stoß wird allen Trost verjagen

Die Trauer-Nacht bedeckt der Weißheit Sonnenschein.

Ich suche wo ich wil ein Labsal zu erfinden

Der Götter Panace ist hier nur Gauckeley

Des Chirons kluger Arm kan Wunden nicht verbinden

Die in die Seele gehn und brechen sie entzwey.

Nicht starcker Bezoar nicht fette Mastix-Klösser

Und was vor kostbar Oel Aegyptens Bürger schickt

Benehmen hier den Schmertz das Leiden wird nur grösser

Jemehr mans euserlich mit Nard und Salben schmückt.

So läst es sich auch nicht durch süsse Lieder zwingen

Und die Tarantula ertödtet nicht den Schmertz.

Er wird noch hefftiger durch Marck und Adern dringen

Jemehr man Perlen-Tränck ertheilt dem matten Hertz.

Es muß was höhers seyn das Seelen ein kan wiegen

Wenn so ein schmertzlich Fall sie fast zu Boden reist.

Gottseelige Gedult kan über alles siegen

Und Hoffnung die uns recht im Glauben unterweist.

Er gebe diesen Platz bey solchem Sturm der Zeiten

Mein Vetter GOtt und Zeit heilt Streich’ und Wunden zu.

Daß Trauren billich sey wil ich nicht wiederstreiten

Nur diß erweg’ er wol die Liebste lebt in Ruh.

Sie lebt ob wir gleich nicht ein irrdisch Leben spüren

Ob schon der Seelen Kleid der Leib im Sarg erbleicht

Sie kan nun keine Noth noch arges Drangsal rühren

Da aller Wetter-Brunst auf unsre Köpffe streicht.

Dort wütet Seuch und Pest hier brennt die Krieges-Flamme

Indem die sichre Welt in Schimpf und Schande sinckt

Die Zweige fallen ab von des Piastus Stamme

Worüber Schlesien unendlich Thränen trinckt.

Wer wünscht nicht aufgelöst zu seyn von diesen Banden

Die unser Göttlich Theil der Seelen fesseln an?

Die Liebst ist nun im Port ihr Schiff kan nicht mehr stranden

Weil auff der wüsten See irrt unser Lebens-Kahn.

Den schmertzlichen Verlust daß sie hinweg gerissen

Daß so ein bittres Weh die süssest Eh’ entzweyt

Wird ihr Gedächtniß nun bey ihm ersetzen müssen

Dem schon zum Tempel ist sein treues Hertz geweyht.

Die reine Liebe wird in güldnen Ampeln schimmern

Jhr unbeflecktes Feur gantz unausleschlich seyn

Was wil er werthster Freund sich denn so gar bekümmern?

Dort gehen sie aufs neu die werthe Freundschafft ein

In höchster Heiligkeit und einzig reinem Wesen

Sie geht den Weg zuvor den er einst treten muß

Wer Rosen sammlen wil muß vor die Dornen lesen.

Der Biene Stachel schützt den süssen Honigfluß.

Es kan ihr Tugend-Ruhm auch seine Schmertzen mindern

Wie brünstig sie geliebt GOtt Kirchen und Altar:

Es wird ihr häußlich seyn die grosse Wehmuth lindern

Wie sie bey Tag und Nacht nur auff die Nahrung war

Und eine Thais nicht die stets beym Spiegel stehet

Nicht eine Tanaquil die nur zu herrschen denckt

Nicht eine Cynthia so ausser Hause gehet

Und ihre Zucht und Ehr mit frembden Küssen kränckt.

Sie hat stets eine Macht auf ihrem Haupt getragen

Und Fried und Einigkeit mit ihrer Hand gepflantzt

Sie hub die Sorgen auf so Geist und Sinnen plagen

Und hat durch Wachsamkeit das Haus als wie umbschantzt.

So ein vollkommen Chor der Tugenden verschwindet?

So seltne Frömmigkeit verläst die böse Welt?

Genung daß sie alldort was wir verlangen findet

Daß sie schon im Besitz wornach wir trachten hält.

Aus heisser Liebe stieg der Orpheus in die Hölle

Zu hol’n Euridicen sein liebstes Ehgemahl

Umbsonst er brachte sie nicht wieder an die Stelle

Sie blieb an jenem Orth wo weder Licht noch Strahl.

Und so viel that die Lieb: Ach wären Wünsche kräfftig

Sie hätten hier noch mehr auf ander Art gethan

Die Lieb und werthe Treu entbrandten allzuhefftig

So daß den Jammer nicht die Feder melden kan.

Allein der arme Mensch kan diß nicht hintertreiben

Was schon des Höchsten Rath hat über ihn bestimmt.

Wir müssen in Gedult bey diesem Willen bleiben

Weil ausser sein Bewust kein Haar uns wird gekrümmt

Die Seelige ruht wol ihr Grabmahl auszuzieren

Darff aus Numidien kein scheckicht Marmel seyn

Noch daß man irgend wolt erhöhte Thürm’ aufführen

Jhr guter Nachruf ist ihr schönster Leichenstein.