Trost-Gedancken eines tugendhaften Frauenzimmers bey dem Absterben ihrer Eltern

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Mein Gemüthe sey zufrieden

Und erdulde diesen Schluß

Daß von dir nunmehr geschieden

Was dein Liebstes heißen muß.

Die Vernunft steht dir zur Seiten:

Ruhig ist ein edler Geist

Und daß mit dem Himmel streiten

Allezeit verliehren heißt.

Seelen die in Thränen baden

Trocknet letzt der Himmel ab

Und läßt einen Thau der Gnaden

Auf ein mattes Hertz herab.

Wenn wir nirgends Hülfe kriegen

Und nur auf den Himmel sehn

Ach so ist ihm ein Vergnügen

Uns alleine beyzustehn.

Mich hat nicht die Welt verlassen

Selbst mein Hertz verlässet sie.

Ich will alle Laster hassen

So läßt mich die Tugend nie.

Geilheits Rosen will ich fliehen

Andern bringe sie die Zeit:

Hier in reinen Hertzen blühen

Liljen der Zufriedenheit.

Morgends lachen Abends weinen

Ist der Welt gemeines Spiel.

Und man darf mein Trauren fragen

Wie mein Trost so plötzlich fiel.

Doch auch späte Früchte letzen

Und am Ende lacht man schön;

Da sich andre früh ergetzen

Und des Mittags Jammer sehn.

Allenthalben scheint die Sonne

Auf des Himmels Blumen gern;

Und vieleicht strahlt mir zur Wonne

Anderswo ein Freuden-Stern.

Dieser Trost steht wir noch offen

Den zu mir der Himmel spricht:

Nach geruhig seyn und hoffen

Laß ich fromme Kinder nicht.