Trost in Traurigkeit.

By Barthold Heinrich Brockes

Ist etwan euer Geist beschweret und betrübet;

So nehmet diesen Raht von einem an,

Der aus Erfahrung sprechen kann,

Daß er in Wiedrigkeit besondre Lindrung giebet.

Schliesst ein paar Augenblick die Augen-Lieder zu.

Durch die

Ob es sich gleich nicht gantz der Traurigkeit entzieht,

In welcher es zu tieff versencket,

Doch etwas von dem Weg der Schwermuth abgelencket,

Und kommt aufs wenigste zum Anfang einer Ruh.

Hebt dann mit Langsamkeit die Augen wieder auf;

So werden, sonderlich bey hellem Sonnen-Schein,

Die Vorwürff der bestrahlten Erden

Doch, durch den Mißbrauch unsrer Sinnen,

Und durch Gewohnheit blind, vorhin nicht angesehn)

Uns recht zu Freuden-Quellen werden:

Da sie, indem sie uns durchs Aug’ ins Hertze dringen,

Zugleich ein lieblichs Gnaden-Bild

Von dem, der sie gemacht, der alle Ding erfüllt,

Von ihrem Schöpfer, mit sich bringen.

Dieß kann nun ohne Trost und Freude nicht geschehn,

Weil die Erinnerung, den Schöpfer nah zu sehn,

Uns billig zur Gelassenheit

Am stärcksten treiben sollt, und zu der Zuversicht,

Der gegenwärtge

Dem es an Lieb’ und Macht und Weisheit nicht gebricht,

Und ohne Dem nichts, was geschicht, geschicht;

Werd, wenn Er uns, nach unsrer Möglichkeit,

Gelassen findet;

Zu rechter Zeit, die Er allein ergründet,

Und die kein Mensch vermag zu fassen,

Die wechselnde Beschaffenheit

Der meisten Dinge dieser Zeit

Uns gnädig wiederfahren lassen.