Trost-Schreiben An Hn. M. F. J. P. über dem Absterben seiner Ehellebsten M. M. g...
Ach hoch betrübter Freund was soll ich dir doch schreibē
Jetzt da dein treues Hertz in heissem Blute schwimmt!
Darff mein elender Reim den Seelen-Riß auffreiben?
Den stets ein neues Weh und herbes Ach! ergrimmt.
Denn solche Schmertzen sind zu grossen Potentaten
Der beste Redner wird hier sprachloß und verstummt
Dein bleiches Angesicht die Augen wie Granaten
Und der erschrockne Leib in schwartzen Flor vermummt
Zu dem der Mutter Leid und ängstlich Hände ringen
Der Schwester Jam̃er-Gall der Freundschafft Thränē-See
Die lassen mich kein Lied bey solchem Zustand singen
Indem ich selbst nicht weiß ob ich bey Todten steh.
Ich seh dein Hochzeit-Bett in einen Sarch verkehret
Eh noch die Cynthia uns neunmal angelacht
So wird dein Rebenstock sambt Blüth und Frucht verheeret
Muß dessen seyn ein Grab dem er das Leben bracht.
Ach hängt Geburt und Tod in so genauen Ketten
Und sol das Leben denn des Sterbens Nachbar seyn!
Die Stunde so uns heist das grosse Rund betreten
Führt uns offt wieder ab und in das Grab hinein
Schien nicht des Himmels Gunst vollkommen dir geneiget
Als in dem ersten Lentz die Blume deiner Eh
Was nur ergetzen kan anmuthig hat gezeiget?
Floß dir nicht Segen zu von der gestirnten Höh?
Es brandte deine Lieb in unzertrennten Flammen
Sie war dein Augen-Trost du ihrer Wünsche Ziel
Und göldner Friede band euch dergestalt zusammen
Daß nichts als Freud und Lust in beyder Armen fiel.
Wer hätte da vermeynt (und war es zu ergründen?)
Daß nach so kurtzer Zeit du deine Seelen-Lust
Ins Leich-Tuch eingehüllt im Sarche soltest finden?
Ach unverhoffter Fall und schmertzlicher Verlust!
Ein eintzig Augenblick beraubt dich aller Freuden
Und läst dich nicht die Frucht von eurem Segen sehn
Zwey Hertzen müssen ietzt von deinem Hertzen scheiden
Welch Mensch verarget dir dein Winseln und dein Flehn?
Des Creutzes Aloe ist hier nur allzubitter
Sie nimmt die Zuckerung des Trostes gar nicht an
Ein solcher Fall bestürtzt die trefflichsten Gemüther
Daß auch ein Stoicus sich hier nicht halten kan.
Es mag die Vorder-Welt des Orpheus Treu beschreiben
Der sein’ Eurydice mit tausend Thränen sucht
Läst biß an Plutons Reich sich auch die Liebe treiben
Auff daß er nur erblickt den Schatten ihrer Flucht
Versöhnt mit seinem Klang die unversöhnten Geister
Und macht daß Klipp und Felß zugleich mitleidig seyn;
So bleibt der grosse Schmertz hierinnen dennoch Meister
Und keine Sehnsucht hilfft noch ein unendlich schrey’n.
Gewiß
Mit Thränen voller Blut zurücke wieder ziehn
Jhr gar durch deinen Tod den Weg zum Leben bähnen
Wann die verfallne Blum nur wieder könte blühn.
Alleine kan ein Mensch den grossen GOtt betagen?
Und rufft ein Erdenkloß den Schöpffer vor Gericht?
Sein unerforschter Rath ist gar nicht aus zufragen
Das Urthel Zweiffels frey so seine Allmacht spricht.
End-Urtheil müssen ja bey Sterblichen hoch gelten
Und solte GOttes Spruch bey dir nicht gültig seyn?
Der die Gerechtigkeit läst auch sein Recht nicht schelten
Das über alle Welt durchgehend allgemein.
Ich weiß doch daß dein Sinn wie tieff er ietzt gebeuget
Sich noch ermannen wird und schicken in die Zeit
Wie sehr der Trauer-Fall dir zu Gemüthe steiget
So hat doch die Gedult ein Pflaster schon bereit.
Es muß dein Hertz hierinn nur einem Amboß gleichen
Den jeder Unglücks-Schlag noch immer härter macht.
Ein weiser steht getrost auch mitten unter Leichen
Und hofft auff seinen GOtt wenn gleich die Erd erkracht.
Mißgönne nicht die Ruh der
Ob sie schon in dem Lentz und erster Blüth vergeht
Es wird die
In einem solchen Glantz worinn kein Stern nicht steht.
Die seltne Frömmigkeit das Tugend-volle Leben
Die Andacht gegen GOtt die Liebe gegen dich
Sind Zeugen welche sie mit einem Ruhm umbgeben
Den nicht die Grufft befleckt vergifft des Neides Stich.
Wie fleissig hat sie nicht des HErren Hauß besuchet
Mit feurigem Gebet verehret ihren GOtt
In rechtem Helden-Muth die Eytelkeit verfluchet
Und selbten noch bezeugt biß in die letzte Noth?
Bey solchem Zustand muß der Mutter Hertz auch bluten
Weil ihrer Jahre Trost und Hoffnung so versinckt
Wie groß der Kummer sey ist unschwer zu vermuthen
Indem der Wangen-Feld nichts als nur Thränen trinckt.
Wiewol sie hoch beglückt daß so ein Bild der Tugend
Zu ihrem Trost und Ruhm sie auffer zogen hat.
Die Keuschheit Zucht und Witz das Kleinod grüner Jugend
Wird nicht in Sarg gelegt und blüht noch bey der Stadt.
Betrübte die ihr sie als Tochter theils beweinet
Als
In schwartzem Boy und Flor wehmütigst hier erscheinet
(klagt
Und mit der
Bekämpffet euren Schmertz. Das schreckliche Gerichte
Wovon den Priester sie des Sontags noch gehört
Macht unsre
Sie wird zur Rechten stehn und herrlich seyn geehrt.