Trost-Schreiben An Hn. M. F. J. P. über dem Absterben seiner Ehellebsten M. M. g...

By Heinrich Mühlpfort

Ach hoch betrübter Freund was soll ich dir doch schreibē

Jetzt da dein treues Hertz in heissem Blute schwimmt!

Darff mein elender Reim den Seelen-Riß auffreiben?

Den stets ein neues Weh und herbes Ach! ergrimmt.

Denn solche Schmertzen sind zu grossen Potentaten

Der beste Redner wird hier sprachloß und verstummt

Dein bleiches Angesicht die Augen wie Granaten

Und der erschrockne Leib in schwartzen Flor vermummt

Zu dem der Mutter Leid und ängstlich Hände ringen

Der Schwester Jam̃er-Gall der Freundschafft Thränē-See

Die lassen mich kein Lied bey solchem Zustand singen

Indem ich selbst nicht weiß ob ich bey Todten steh.

Ich seh dein Hochzeit-Bett in einen Sarch verkehret

Eh noch die Cynthia uns neunmal angelacht

So wird dein Rebenstock sambt Blüth und Frucht verheeret

Muß dessen seyn ein Grab dem er das Leben bracht.

Ach hängt Geburt und Tod in so genauen Ketten

Und sol das Leben denn des Sterbens Nachbar seyn!

Die Stunde so uns heist das grosse Rund betreten

Führt uns offt wieder ab und in das Grab hinein

Schien nicht des Himmels Gunst vollkommen dir geneiget

Als in dem ersten Lentz die Blume deiner Eh

Was nur ergetzen kan anmuthig hat gezeiget?

Floß dir nicht Segen zu von der gestirnten Höh?

Es brandte deine Lieb in unzertrennten Flammen

Sie war dein Augen-Trost du ihrer Wünsche Ziel

Und göldner Friede band euch dergestalt zusammen

Daß nichts als Freud und Lust in beyder Armen fiel.

Wer hätte da vermeynt (und war es zu ergründen?)

Daß nach so kurtzer Zeit du deine Seelen-Lust

Ins Leich-Tuch eingehüllt im Sarche soltest finden?

Ach unverhoffter Fall und schmertzlicher Verlust!

Ein eintzig Augenblick beraubt dich aller Freuden

Und läst dich nicht die Frucht von eurem Segen sehn

Zwey Hertzen müssen ietzt von deinem Hertzen scheiden

Welch Mensch verarget dir dein Winseln und dein Flehn?

Des Creutzes Aloe ist hier nur allzubitter

Sie nimmt die Zuckerung des Trostes gar nicht an

Ein solcher Fall bestürtzt die trefflichsten Gemüther

Daß auch ein Stoicus sich hier nicht halten kan.

Es mag die Vorder-Welt des Orpheus Treu beschreiben

Der sein’ Eurydice mit tausend Thränen sucht

Läst biß an Plutons Reich sich auch die Liebe treiben

Auff daß er nur erblickt den Schatten ihrer Flucht

Versöhnt mit seinem Klang die unversöhnten Geister

Und macht daß Klipp und Felß zugleich mitleidig seyn;

So bleibt der grosse Schmertz hierinnen dennoch Meister

Und keine Sehnsucht hilfft noch ein unendlich schrey’n.

Gewiß

Mit Thränen voller Blut zurücke wieder ziehn

Jhr gar durch deinen Tod den Weg zum Leben bähnen

Wann die verfallne Blum nur wieder könte blühn.

Alleine kan ein Mensch den grossen GOtt betagen?

Und rufft ein Erdenkloß den Schöpffer vor Gericht?

Sein unerforschter Rath ist gar nicht aus zufragen

Das Urthel Zweiffels frey so seine Allmacht spricht.

End-Urtheil müssen ja bey Sterblichen hoch gelten

Und solte GOttes Spruch bey dir nicht gültig seyn?

Der die Gerechtigkeit läst auch sein Recht nicht schelten

Das über alle Welt durchgehend allgemein.

Ich weiß doch daß dein Sinn wie tieff er ietzt gebeuget

Sich noch ermannen wird und schicken in die Zeit

Wie sehr der Trauer-Fall dir zu Gemüthe steiget

So hat doch die Gedult ein Pflaster schon bereit.

Es muß dein Hertz hierinn nur einem Amboß gleichen

Den jeder Unglücks-Schlag noch immer härter macht.

Ein weiser steht getrost auch mitten unter Leichen

Und hofft auff seinen GOtt wenn gleich die Erd erkracht.

Mißgönne nicht die Ruh der

Ob sie schon in dem Lentz und erster Blüth vergeht

Es wird die

In einem solchen Glantz worinn kein Stern nicht steht.

Die seltne Frömmigkeit das Tugend-volle Leben

Die Andacht gegen GOtt die Liebe gegen dich

Sind Zeugen welche sie mit einem Ruhm umbgeben

Den nicht die Grufft befleckt vergifft des Neides Stich.

Wie fleissig hat sie nicht des HErren Hauß besuchet

Mit feurigem Gebet verehret ihren GOtt

In rechtem Helden-Muth die Eytelkeit verfluchet

Und selbten noch bezeugt biß in die letzte Noth?

Bey solchem Zustand muß der Mutter Hertz auch bluten

Weil ihrer Jahre Trost und Hoffnung so versinckt

Wie groß der Kummer sey ist unschwer zu vermuthen

Indem der Wangen-Feld nichts als nur Thränen trinckt.

Wiewol sie hoch beglückt daß so ein Bild der Tugend

Zu ihrem Trost und Ruhm sie auffer zogen hat.

Die Keuschheit Zucht und Witz das Kleinod grüner Jugend

Wird nicht in Sarg gelegt und blüht noch bey der Stadt.

Betrübte die ihr sie als Tochter theils beweinet

Als

In schwartzem Boy und Flor wehmütigst hier erscheinet

(klagt

Und mit der

Bekämpffet euren Schmertz. Das schreckliche Gerichte

Wovon den Priester sie des Sontags noch gehört

Macht unsre

Sie wird zur Rechten stehn und herrlich seyn geehrt.