Trost-schreiben über den todt einer freundin.
Geliebte Freundin wann mein brieff nach wermuth
schmecket
Wann Coloquinten er in seinen zeilen trägt
Wann ihn statt rothem wachs ein schwartzes siegel decket
Und sich ein zittrend ach! in allen syllben regt;
So wisse daß ich selbst mit schmertzen bin umfangen
Diß blat wil meiner noth ein treuer zeuge seyn
Denn da dein theurstes guth aus dieser welt gegangen
Mischt sich nicht ungereimt mein ach! zu deinem ein.
Es hat die trauer-post mich allzusehr erschrecket
Die dir ein treues hertz mir eine Freundin nimmt
Und nichts als angst und weh in meiner seel erwecket
So daß mein hertze selbst in heissen thränen schwimmt.
Drumb weiß ich fast auch nicht ob ich soll thränen schicken
Ob aber hülff und rath vor deine todes-pein
Die dich mit kümmernüß und trübsal will umstricken
Und dich heist ohne trost mich ohne freuden seyn.
Zu thränen hat mich längst die freundschafft dir verbunden
Sie ist ein festes band das uns verknüpffet hält.
Kein wunder wann ich nun auch deinen schmertz empfunden
Und wann dein jammernd ach! auf meine geister fällt.
Will gleiche freundschafft sich in gleichen seelen finden
Wie kan es anders seyn sie fühlen gleiche noth
Dein wohlseyn konte mich zuvor mit lust umbwinden
Jtzt ist dein trauer-stand mir ärger als der todt.
Wie solt ich mich demnach zum troste wohl bequehmen
Ich der ich selber fast ohn trost und hülffe bin?
Kan man aus fremder noth offt rath und trost hernehmen
So tröste dich denn auch mit meinem krancken sinn.
Kein ander mittel weiß ich dir itzt beyzubringen
Schau meine schmertzen nur und meine wehmuth an
Kan mich dein unglück nun zu solchem trauren zwingen
So weiß ich daß dich auch mein unglück trösten kan.
Zwar ist der riß zu streng dem aller trost muß weichen
Ein tieff-verwundtes hertz nimmt keine pflaster an.
Wer unter todten steht wird selber offt zur leichen
Und lehrt daß nur ein grab die wunden heilen kan.
Ich zweiffle nicht du wirst auch todten ähnlich scheinen
Die du nur leich auf leich bißher erlebet hast;
Vor kurtzem nöthigten zwo freundin dich zum weinen
Jetzt aber fühlstu erst die rechte kummerlast.
Nachdem dein ancker selbst in tausend stück zerbrochen
Auff welchen du bißher dein wohlergehn gesetzt;
Und sich der grimme todt so starck an dir gerochen
Daß auch dein hertze selbst biß auf das blut verletzt.
Kein wunder wann dir nun will alles licht gebrechen
Wer schaut nicht finsternüß wann unsre sonn entweicht
Wer kan von frühlings-lust und von vergnügen sprechen
Wann der ergrimmte nord durch unsre felder streicht.
Wer kan großmüthig stehn wann wolck und donner krachen?
Welch mensch schaut sonn und todt mit steiffen augen an?
Wer kan wind hagel sturm und aller wetter lachen
Wenn unser schiff schon selbst mit wellen angethan?
Es ist nur allzuviel das sehn zu grabe schicken
Was wir mehr als uns selbst auf dieser welt geliebt.
Auch palmen kan die last offt zu der erden drücken
Wie solt ein mensch nicht seyn ob solchen fall betrübt?
Drum glaub ich leichtlich auch dein jammer-volles klagen
Allein wo denckstu hin bey dieser traurigkeit?
Wie lange wiltu noch die kummer-fessel tragen?
Soll dann dein ange nie von thränen seyn befreyt?
Ach! Freundin weine nicht daß menschen sind gestorben.
Dir ist nicht unbekandt des lebens strenge noth.
Wer hat nicht angst und pein vor labsal hier erworben
Was tröstet endlich uns wohl bessers als der todt?
Es ist dieß leben ja voll müh und voller sorgen
Voll überdruß und pein so uns gefangen hält
Wo thränen-reiche noth uns grüsset alle morgen
Wo neid und freundschafft uns viel tausend netze stelt.
Wir martern mehrentheils uns selbst auch mit gedancken
Und wehlen dornen uns offt zur ergötzligkeit
Nicht selten strancheln wir in unsern glückes-schrancken
Biß endlich uns der todt den letzten fall bereit.
Wer wolte demnach nicht getrost diß leben lassen
So nichts als myrrhen uns und gall und wermuth zeigt?
Wer wolte ferner auch diejenigen wohl hassen
Die schon den freuden-port der ewigkeit erreicht?
So tröste dich dann selbst! zieh ein die schwere thränen
Schau tod und leben nur mit rechten augen an.
Ich weiß du wirst dich selbst von dieser erden sehnen
Und sagen daß der todt dir nicht zu viel gethan.
Nun Freundin du wirst auch diß biat nicht tadeln können
Das dir mein leyden hat so kühnlich dargestellt;
Zwar hat das schicksal mir nicht eher wollen gönnen
Daß meine wehmuth sey zu deiner noth gesellt.
Doch ist die kummer-post mir schon was spät gekommen
So wird ein solcher todt doch nicht zu spät betraurt
Denn deine freundin ist auch mir zu früh genommen
Und wird von mir so starck als von dir selbst bedaurt.
Wiewohl ich hoff du wirst in diesem fall dich finden
Es kennt dein hoher geist den wechsel dieser zeit
Es wird der himmel selbst die wunden dir verbinden
Der uns nach angst und pein auch wiederumb erfreut.
Das wetter pflegt nicht stets mit donner uns zu schrecken
Auff finstre kummer-nacht folgt endlich sonnen-schein.
Das feld so ietzund nur will dürres gras bedecken
Kan doch im frühling drauff die schönsten blumen streun.
Nach dieser thränen-saat wirstu ins künfftge lachen
Alsdann wird deine lust auch mein vergnügen seyn.
Solt aber noch indeß ein brieff mich glücklich machen
Wird aller unglücks-blitz mir selbst zum sonnenschein.