Trost-Schxeiben An Hn. M. P. bey Beerdigung seiner Toch- ter J. E. den 22. Jan. ...

By Heinrich Mühlpfort

Als ich geehrter Freund sein Schreiben nur erblicket

Sah ich das schwartze Wachs den Boten grosser Pein

Und wie ich weiter noch im lesen fortgerücket

Traff mein Gedencken auch mit dem Verhängnüß ein.

Des Briefes Inhalt war: Mein Leitstern ist verblichen

Der Eltern liebster Trost und Hoffnung fällt dahin

Nun unser Tochter Treu aus unsrem Haus entwichen

Wird mit des Traurens Nacht umbzogen Hertz und Sinn.

Der Schmertz saugt Safft und Krafft aus Adern und Gebeinen

Daß ich vor Leid ihr kaum die letzte Pflicht kan thun;

Ich bitte mir mit Trost gewierig zu erscheinen

Der meinen Jammer stillt und heist die Thränen ruhn.

Ja freilich

Von einem solchen Brunn der aus dem Hertzen quillt

Die nicht allein den Leib die Seele selbst beschweren

Die auch kein Barbar nicht wie hart er sonsten schillt.

Denn seiner Kinder Tod mit trocknen Augen schauen

Und umb derselben Bahr’ ohn’ ein’ ge Regung stehn

Ist fast der Menschligkeit unmöglich zuzutrauen

Es würde der Natur nur stracks zu wieder gehn.

Hingegen nutzt auch nicht ein unauffhörlich Weinen

Noch daß man vor der Zeit im Kummer sich vergräbt;

Hier muß das Christenthum vor allem Leid erscheinen

So uns versichert macht daß einst der Todte lebt.

Man pflegt mit höchstem Fleiß was schätzbar zu verwahren.

Wie sicher hebt der Tod die mürben

Wir leben hier umschrenckt mit Aengsten und Gefahren

Der in der Erde ruht fühlt nicht der Zeiten Lauff.

Und täglich sehen wir von Kräfften was verschwinden

Gleichwie ein altes Kleid der Wurm und Moder frist

Bald mangelts uns am Blut bald ists zu viel zu finden

Bald wird am Haupte Stärck’ umbs Hertze Lufft vermist.

Und diß nicht nur allein. Ach wie viel tausend Fällen

Muß hier der arme Mensch stets unterworffen seyn!

Der stirbt in Feuers-Noth ein ander in den Wellen

Und mit dem Athem zeucht man offt den Tod auch ein.

Die Weysen mühen sich das Leben abzubilden

Der Varro stelt es uns in Wasser-Blasen für.

Viel durch die Hiacinth in lustigen Gefilden

Wie schön er immer blüht so flüchtig ist die Zier.

Es nennets Epictet ein Licht vom Wind umbgeben

Der kluge Seneca des Glückes Gauckel-Spiel

Ein Werck das sich nicht kan durch eigne Hülff’ erheben

Ja alles Ungelücks und alles Neides Ziel.

Noch kan der leere Traum das blosse Nichts uns blenden

Daß wenn die Stunde schlägt der Tod uns bitter scheint

Daß man die jenigen so wir voran absenden

Fast ohne Maaß und Ziel als wie Verlust beweint.

Nein: Ob es ungereimt in menschlichen Gedancken

Das offt der Jugend Blum in bester Zier erblast.

So kennen wir doch wol des Todes enge Schrancken

Der grüner Jahre Lentz als Schnee und Winter fast.

Es ist die

Sie hebt ein neues Jahr mit grössern Freuden an

Jhr reiner Jungfer-Mund wird jetzt die Engel küssen

Sie träget einen Krantz der Sternen trotzen kan.

Unwiedertreiblich ists daß die GOtt eyfrig lieben

Jm Glauben und Gebet auff seinen Wegen gehn

Er sie nicht wiederumb von allem Weltbetrüben

Bey zeiten zu sich rufft in die gestirnte Höh’n.

Es ist der Lilie Jhr Leben gleich gewesen.

Die keusche Reinligkeit für ihren Schmuck geacht;

Die sich als Himmels-Braut durch beten und durch lesen

Schon in der Sterbligkeit den Engeln gleich gemacht.

Der Lilie Geruch ergetzet Hertz und Sinnen

Auch ihr Gehorsam gab den Eltern höchste Lust

Die Sorge für das Haus das nahrsame Beginnen

Und was die Wirthschafft heischt war ihrem Fleißbewust.

Doch wie die Lilie in besten Sommer-Tagen

Durch Regen oder Sturm sich länger nicht erhält:

So wird ihr

Die werthe

Hingegen ist der Trost daß bey verjüngtem Lentzen

Wenn Frost und Hagel weg und sich der Himmel klärt

Die schönen Lilien von neuem wieder gläntzen

Und der begrünte Stock den Silberschein gewehrt;

In gar weit herrlicherm und ungemeinem Schimmern

Wird die verblichne Blum auch dermaleinsten blühn;

Wenn von des Bräutgams Hand in jenen Freuden-Zimmern

Sie wird das Lilgen Kleid der Höchsten Wonn’ anziehn.

Betrübtste klaget nicht wie schmertzlich es mag kommen

Jhr habt die Tochter wol und über wol verthan.

Sie ist aus Dorn und Heck ins Rosen-Land genommen

Da uns Mühseelige stets neue Noth ficht an.

Wie scheinbar sich das Glück auff dieser Welt mag weisen

So ist es Sardisch Graß das uns im lachen sterbt.

Nein unsre

Und hat das höchste Gut den Himmel selbst ererbt.

Ich weiß geneigter

In seinem Hertzen nicht er rühmt noch ihre Treu

Weil keinen grössern Schatz GOtt kan den Eltern schencken

Als daß stets ihrem Wort ein Kind gehorsam sey.

Der unverwelckte Ruhm sol umb ihr Grab noch wohnen

Und ob der Winter uns nicht läst zu Blumen gehn

So tilgt kein Wetter doch der Tugend Anemonen

Die in der schönsten Blüth umb ihre Baare stehn.

Mehr Worte brauch ich nicht die Zeit wil mir verfliessen;

Ich schliesse meinen Brieff so gut er ist gelückt

Und wünsche das sein Leid sich gleichfalls möge schliessen

Man trage mit Gedult was uns der Himmel schickt.