Trost-Schxeiben An Hn. M. P. bey Beerdigung seiner Toch- ter J. E. den 22. Jan. ...
Als ich geehrter Freund sein Schreiben nur erblicket
Sah ich das schwartze Wachs den Boten grosser Pein
Und wie ich weiter noch im lesen fortgerücket
Traff mein Gedencken auch mit dem Verhängnüß ein.
Des Briefes Inhalt war: Mein Leitstern ist verblichen
Der Eltern liebster Trost und Hoffnung fällt dahin
Nun unser Tochter Treu aus unsrem Haus entwichen
Wird mit des Traurens Nacht umbzogen Hertz und Sinn.
Der Schmertz saugt Safft und Krafft aus Adern und Gebeinen
Daß ich vor Leid ihr kaum die letzte Pflicht kan thun;
Ich bitte mir mit Trost gewierig zu erscheinen
Der meinen Jammer stillt und heist die Thränen ruhn.
Ja freilich
Von einem solchen Brunn der aus dem Hertzen quillt
Die nicht allein den Leib die Seele selbst beschweren
Die auch kein Barbar nicht wie hart er sonsten schillt.
Denn seiner Kinder Tod mit trocknen Augen schauen
Und umb derselben Bahr’ ohn’ ein’ ge Regung stehn
Ist fast der Menschligkeit unmöglich zuzutrauen
Es würde der Natur nur stracks zu wieder gehn.
Hingegen nutzt auch nicht ein unauffhörlich Weinen
Noch daß man vor der Zeit im Kummer sich vergräbt;
Hier muß das Christenthum vor allem Leid erscheinen
So uns versichert macht daß einst der Todte lebt.
Man pflegt mit höchstem Fleiß was schätzbar zu verwahren.
Wie sicher hebt der Tod die mürben
Wir leben hier umschrenckt mit Aengsten und Gefahren
Der in der Erde ruht fühlt nicht der Zeiten Lauff.
Und täglich sehen wir von Kräfften was verschwinden
Gleichwie ein altes Kleid der Wurm und Moder frist
Bald mangelts uns am Blut bald ists zu viel zu finden
Bald wird am Haupte Stärck’ umbs Hertze Lufft vermist.
Und diß nicht nur allein. Ach wie viel tausend Fällen
Muß hier der arme Mensch stets unterworffen seyn!
Der stirbt in Feuers-Noth ein ander in den Wellen
Und mit dem Athem zeucht man offt den Tod auch ein.
Die Weysen mühen sich das Leben abzubilden
Der Varro stelt es uns in Wasser-Blasen für.
Viel durch die Hiacinth in lustigen Gefilden
Wie schön er immer blüht so flüchtig ist die Zier.
Es nennets Epictet ein Licht vom Wind umbgeben
Der kluge Seneca des Glückes Gauckel-Spiel
Ein Werck das sich nicht kan durch eigne Hülff’ erheben
Ja alles Ungelücks und alles Neides Ziel.
Noch kan der leere Traum das blosse Nichts uns blenden
Daß wenn die Stunde schlägt der Tod uns bitter scheint
Daß man die jenigen so wir voran absenden
Fast ohne Maaß und Ziel als wie Verlust beweint.
Nein: Ob es ungereimt in menschlichen Gedancken
Das offt der Jugend Blum in bester Zier erblast.
So kennen wir doch wol des Todes enge Schrancken
Der grüner Jahre Lentz als Schnee und Winter fast.
Es ist die
Sie hebt ein neues Jahr mit grössern Freuden an
Jhr reiner Jungfer-Mund wird jetzt die Engel küssen
Sie träget einen Krantz der Sternen trotzen kan.
Unwiedertreiblich ists daß die GOtt eyfrig lieben
Jm Glauben und Gebet auff seinen Wegen gehn
Er sie nicht wiederumb von allem Weltbetrüben
Bey zeiten zu sich rufft in die gestirnte Höh’n.
Es ist der Lilie Jhr Leben gleich gewesen.
Die keusche Reinligkeit für ihren Schmuck geacht;
Die sich als Himmels-Braut durch beten und durch lesen
Schon in der Sterbligkeit den Engeln gleich gemacht.
Der Lilie Geruch ergetzet Hertz und Sinnen
Auch ihr Gehorsam gab den Eltern höchste Lust
Die Sorge für das Haus das nahrsame Beginnen
Und was die Wirthschafft heischt war ihrem Fleißbewust.
Doch wie die Lilie in besten Sommer-Tagen
Durch Regen oder Sturm sich länger nicht erhält:
So wird ihr
Die werthe
Hingegen ist der Trost daß bey verjüngtem Lentzen
Wenn Frost und Hagel weg und sich der Himmel klärt
Die schönen Lilien von neuem wieder gläntzen
Und der begrünte Stock den Silberschein gewehrt;
In gar weit herrlicherm und ungemeinem Schimmern
Wird die verblichne Blum auch dermaleinsten blühn;
Wenn von des Bräutgams Hand in jenen Freuden-Zimmern
Sie wird das Lilgen Kleid der Höchsten Wonn’ anziehn.
Betrübtste klaget nicht wie schmertzlich es mag kommen
Jhr habt die Tochter wol und über wol verthan.
Sie ist aus Dorn und Heck ins Rosen-Land genommen
Da uns Mühseelige stets neue Noth ficht an.
Wie scheinbar sich das Glück auff dieser Welt mag weisen
So ist es Sardisch Graß das uns im lachen sterbt.
Nein unsre
Und hat das höchste Gut den Himmel selbst ererbt.
Ich weiß geneigter
In seinem Hertzen nicht er rühmt noch ihre Treu
Weil keinen grössern Schatz GOtt kan den Eltern schencken
Als daß stets ihrem Wort ein Kind gehorsam sey.
Der unverwelckte Ruhm sol umb ihr Grab noch wohnen
Und ob der Winter uns nicht läst zu Blumen gehn
So tilgt kein Wetter doch der Tugend Anemonen
Die in der schönsten Blüth umb ihre Baare stehn.
Mehr Worte brauch ich nicht die Zeit wil mir verfliessen;
Ich schliesse meinen Brieff so gut er ist gelückt
Und wünsche das sein Leid sich gleichfalls möge schliessen
Man trage mit Gedult was uns der Himmel schickt.