Trost-Worte An Fr. R. Z. g. T. über dem Absterben ihrer Tochter Jungf. E. den 6....

By Heinrich Mühlpfort

Diß heist betrübtste Frau in Angst und Noth be- schlossen

Und in vermehrtem Leid ein Neu Jahr fangen an;

Diß heist das Ubermaß der Thränen außgegossen

So daß ihr Aug und Hertz fast nicht mehr bluten kan.

Es hat die Sonne noch den Thier Kreiß nicht durchgangen

Als ihres Hauptes Kron ihr ander Hertze fiel

Die Thränen solten noch recht trucknen auff den Wangen

Und bleiche Kümmernüß biieb ihres Leidens Ziel.

Sie lebt’ in Harm und Qual und saß in Staub und Aschen

In Hoffnung daß die Hand die alles hat gebaut

Auch ihre Thränen wird auß ihrem Aug abwaschen

Und daß man nach der Nacht die güldne Sonne schaut.

Ach! aber nur umbsonst! Die unerforschten Wege

So Gottes Allmacht zeigt sind Menschen nicht bekand.

Es rufft ein höher Schluß sie von dem Dornen-Stege

Ach überhäufftes Leid! jetzt in ein Hecken-Land.

Erst Witwe müssen seyn und bey deß Lebens Ende

Da man fast gleiche Jahr’ im Ehstand zu gebracht

Sehn wie die Sonne zeucht von ihrer Sonnen-Wende

Empfinden wie der schläfft der vor das Haus gewacht

Denn auch deß Alters Trost die liebste Tochter missen

Die Tochter so allhier der Jugend Blume war

Und nur der

Und derer reines Hertz deß Höchsten Lob-Altar.

Diß ist ein doppelt Schlag der Geist und Seele beuget

Der Sinnen und Vernunfft mit Macht zu Boden drückt.

Wem so das Neue Jahr im Anfang sich erzeiget

Gewiß daß er den Zweck der höchsten Noth erblickt.

Allein

Daß Hoffnung zum Pauier Gedult zum Pantzer hat

Traut wie es stets gethan deß Schöpffers Hülff und Güte

Weiß daß er ist und bleibt betrübter Wittwen Rath.

Sie ist schon längst bewehrt durch Creutz und bittre Zeiten

Kennt auß Erfahrenheit die Plagen dieser Welt

Wenn Hunger Krieg und Pest ihr stunden an der Seiten

Ward doch ihr Glaubens-Fels von keinem Sturm zerschellt.

Nun der sie wunderlich von Jugend auff geführet

Will auch im Alter noch ihr Stab und Leuchte seyn.

Versichert daß nichts mehr warhaffte Christen ziehret

Als ein durchbeitzter Geist in scharffer Angst und Pein.

Ein Mensch ist ohne Creutz ein todtes Meer zu nennen

Das wie das rothe Meer von Sünden fault und stinckt

Und wenn Begierden uns mit ihren Fackeln brennen

Wer sieht nicht daß der Kahn deß Lebens untersinckt?

Nein

Ob Mann und Tochter schon der Sterbligkeit entflieht

Sie weiß daß sterblich ist was je ein Weib gebohren

Daß unser Fleisch und Bein zu größrer Ehr aufblüht.

Sie ist kein Frembdling nicht bey unterschiednen Leichen

Jhr Gott-geweyhter Sinn erkennt die Ewigkeit.

Jetzt bin ich nur bemüht ein Pflaster ihr zu reichen

Das die Vernunfft bestillt und dämpfft das heisse Leid.

Wie fang ichs aber an? Es soll mit ihrem Munde

Und wie sie sterbende die Seufftzer abgeschickt

Das keusche Jungfern-Bild noch lehren diese Stunde

Daß ihr die letzte Farth so überauß gelückt.

Ach! rieff sie Mutter Ach! Vergießt nicht eitle Zähren

Sie zeugen eure Lieb und stören mir die Ruh;

Mein Bräutgam holt mich heim mein Schatz will mich begehren;

Rufft mir zu diesem Tag dem Hochzeit-Tag Glück zu;

Ich lasse frey der Welt ihr Gold- und Silber-Stücke

Schmuck Ketten Perl und

Frolocket doch mit mir erkennt mein groß Gelücke

Mein JEsus leget mir die Sieges-Krone bey.

Verstarrt und wundert ihr die Palmen in den Händen

Ja diese Zweige blühn in jenem Paradeiß:

Hört ihr mich röchelnde noch tausend Seufftzer senden

So glaub ich daß allein Gott diesen Lob-Spruch weiß.

Nein die verwelckte Hand soll kein Clavier mehr rühren

Nun ich die Sängerin soll

Dem soll auff ewig Heil Lob Preiß und Danck gebühren

Der als ein Opffer sich für mich gestellet ein.

Wie? kennt ihr mich nicht mehr in meinem weissen Kleide?

Wie? daß denn alle so den Sterbekittel fliehn?

Jhr Albern! seh’ ich doch den Rock von reinster Seide

Den in sein Blut getaucht mir JEsus an wird ziehn

Diß ist mein letztes Wort: Sein Blut hat mich gewaschen:

In diesem Seufftzer geb ich Geist und Leben auff.

Ach werde siecher Leib was du solt werden Aschen!

Ich stehe schon gekrönt bey der Erwehlten Hauff.

Es darff kein Pfleger mehr noch Vormünd vor mich sorgen

Ich diene Gottes Stul in reichem Uberfluß:

Da wohn’ ich höchst vergnügt mich brennt kein heisser Morgen

Ich schmeck ins Lammes Schoß den seel’gen Liebes-Kuß.

Frau Mutter trauret nicht ich bin ich bin erhöret

Ich folge wie mein Wunsch dem lieben Vater nach

Last Klag’ und winseln seyn das meine Ruh’ nur störet

Benetzt mit Thränen nicht mein Grab mein Schlafgemach.

Was kan

Die Hertzens-Worte sind an Trost und Nachdruck reich.

Die liebste Tochter muß ihr Hoffen und Ergetzen

Jetzt würcklich Lehrer seyn durch die erblaste Leich.

Ich weiß ihr kluger Sinn in Gottesfurcht geübet

Urtheilet daß ihr wol und überwol geschehn,

Nur bloß die zarte Lieb’ in dersie sie geliebet

Läst noch die Seufftzer Wind’ und Jammer Dünste sehn.

Wenn ihr behäglich thun die Sitten die Geberden

Und der so kluge Geist kommt ihren Sinnen für:

So seufftzt sie

Der Tugend Conterfey der Jungfern Ruhm und Zier.

Sie wird auch ihren Witz und Vorsicht sonst entrathen

Der bangen Einsamkeit verfall’nen Stern und Licht.

Doch sey sie nur getrost weil auch auß Wolck und Schatten

Deß Höchsten Gnaden-Glantz mit grössern Stralen bricht.

Sie ist auff kurtze Zeit jetzt nur voran gegangen

Beschleust deß Lebens End und Elend in der Zeit

Sie wird ein neues Jahr und Jubel-Jahr anfangen

Wenn uns im neuen Jahr noch drücket altes Leid.