Trost-Worte An Fr. R. Z. g. T. über dem Absterben ihrer Tochter Jungf. E. den 6....
Diß heist betrübtste Frau in Angst und Noth be- schlossen
Und in vermehrtem Leid ein Neu Jahr fangen an;
Diß heist das Ubermaß der Thränen außgegossen
So daß ihr Aug und Hertz fast nicht mehr bluten kan.
Es hat die Sonne noch den Thier Kreiß nicht durchgangen
Als ihres Hauptes Kron ihr ander Hertze fiel
Die Thränen solten noch recht trucknen auff den Wangen
Und bleiche Kümmernüß biieb ihres Leidens Ziel.
Sie lebt’ in Harm und Qual und saß in Staub und Aschen
In Hoffnung daß die Hand die alles hat gebaut
Auch ihre Thränen wird auß ihrem Aug abwaschen
Und daß man nach der Nacht die güldne Sonne schaut.
Ach! aber nur umbsonst! Die unerforschten Wege
So Gottes Allmacht zeigt sind Menschen nicht bekand.
Es rufft ein höher Schluß sie von dem Dornen-Stege
Ach überhäufftes Leid! jetzt in ein Hecken-Land.
Erst Witwe müssen seyn und bey deß Lebens Ende
Da man fast gleiche Jahr’ im Ehstand zu gebracht
Sehn wie die Sonne zeucht von ihrer Sonnen-Wende
Empfinden wie der schläfft der vor das Haus gewacht
Denn auch deß Alters Trost die liebste Tochter missen
Die Tochter so allhier der Jugend Blume war
Und nur der
Und derer reines Hertz deß Höchsten Lob-Altar.
Diß ist ein doppelt Schlag der Geist und Seele beuget
Der Sinnen und Vernunfft mit Macht zu Boden drückt.
Wem so das Neue Jahr im Anfang sich erzeiget
Gewiß daß er den Zweck der höchsten Noth erblickt.
Allein
Daß Hoffnung zum Pauier Gedult zum Pantzer hat
Traut wie es stets gethan deß Schöpffers Hülff und Güte
Weiß daß er ist und bleibt betrübter Wittwen Rath.
Sie ist schon längst bewehrt durch Creutz und bittre Zeiten
Kennt auß Erfahrenheit die Plagen dieser Welt
Wenn Hunger Krieg und Pest ihr stunden an der Seiten
Ward doch ihr Glaubens-Fels von keinem Sturm zerschellt.
Nun der sie wunderlich von Jugend auff geführet
Will auch im Alter noch ihr Stab und Leuchte seyn.
Versichert daß nichts mehr warhaffte Christen ziehret
Als ein durchbeitzter Geist in scharffer Angst und Pein.
Ein Mensch ist ohne Creutz ein todtes Meer zu nennen
Das wie das rothe Meer von Sünden fault und stinckt
Und wenn Begierden uns mit ihren Fackeln brennen
Wer sieht nicht daß der Kahn deß Lebens untersinckt?
Nein
Ob Mann und Tochter schon der Sterbligkeit entflieht
Sie weiß daß sterblich ist was je ein Weib gebohren
Daß unser Fleisch und Bein zu größrer Ehr aufblüht.
Sie ist kein Frembdling nicht bey unterschiednen Leichen
Jhr Gott-geweyhter Sinn erkennt die Ewigkeit.
Jetzt bin ich nur bemüht ein Pflaster ihr zu reichen
Das die Vernunfft bestillt und dämpfft das heisse Leid.
Wie fang ichs aber an? Es soll mit ihrem Munde
Und wie sie sterbende die Seufftzer abgeschickt
Das keusche Jungfern-Bild noch lehren diese Stunde
Daß ihr die letzte Farth so überauß gelückt.
Ach! rieff sie Mutter Ach! Vergießt nicht eitle Zähren
Sie zeugen eure Lieb und stören mir die Ruh;
Mein Bräutgam holt mich heim mein Schatz will mich begehren;
Rufft mir zu diesem Tag dem Hochzeit-Tag Glück zu;
Ich lasse frey der Welt ihr Gold- und Silber-Stücke
Schmuck Ketten Perl und
Frolocket doch mit mir erkennt mein groß Gelücke
Mein JEsus leget mir die Sieges-Krone bey.
Verstarrt und wundert ihr die Palmen in den Händen
Ja diese Zweige blühn in jenem Paradeiß:
Hört ihr mich röchelnde noch tausend Seufftzer senden
So glaub ich daß allein Gott diesen Lob-Spruch weiß.
Nein die verwelckte Hand soll kein Clavier mehr rühren
Nun ich die Sängerin soll
Dem soll auff ewig Heil Lob Preiß und Danck gebühren
Der als ein Opffer sich für mich gestellet ein.
Wie? kennt ihr mich nicht mehr in meinem weissen Kleide?
Wie? daß denn alle so den Sterbekittel fliehn?
Jhr Albern! seh’ ich doch den Rock von reinster Seide
Den in sein Blut getaucht mir JEsus an wird ziehn
Diß ist mein letztes Wort: Sein Blut hat mich gewaschen:
In diesem Seufftzer geb ich Geist und Leben auff.
Ach werde siecher Leib was du solt werden Aschen!
Ich stehe schon gekrönt bey der Erwehlten Hauff.
Es darff kein Pfleger mehr noch Vormünd vor mich sorgen
Ich diene Gottes Stul in reichem Uberfluß:
Da wohn’ ich höchst vergnügt mich brennt kein heisser Morgen
Ich schmeck ins Lammes Schoß den seel’gen Liebes-Kuß.
Frau Mutter trauret nicht ich bin ich bin erhöret
Ich folge wie mein Wunsch dem lieben Vater nach
Last Klag’ und winseln seyn das meine Ruh’ nur störet
Benetzt mit Thränen nicht mein Grab mein Schlafgemach.
Was kan
Die Hertzens-Worte sind an Trost und Nachdruck reich.
Die liebste Tochter muß ihr Hoffen und Ergetzen
Jetzt würcklich Lehrer seyn durch die erblaste Leich.
Ich weiß ihr kluger Sinn in Gottesfurcht geübet
Urtheilet daß ihr wol und überwol geschehn,
Nur bloß die zarte Lieb’ in dersie sie geliebet
Läst noch die Seufftzer Wind’ und Jammer Dünste sehn.
Wenn ihr behäglich thun die Sitten die Geberden
Und der so kluge Geist kommt ihren Sinnen für:
So seufftzt sie
Der Tugend Conterfey der Jungfern Ruhm und Zier.
Sie wird auch ihren Witz und Vorsicht sonst entrathen
Der bangen Einsamkeit verfall’nen Stern und Licht.
Doch sey sie nur getrost weil auch auß Wolck und Schatten
Deß Höchsten Gnaden-Glantz mit grössern Stralen bricht.
Sie ist auff kurtze Zeit jetzt nur voran gegangen
Beschleust deß Lebens End und Elend in der Zeit
Sie wird ein neues Jahr und Jubel-Jahr anfangen
Wenn uns im neuen Jahr noch drücket altes Leid.