Trost-Worte An Hn. T. G. J. U. C. bey Beerdigung seiner Eheliebsten den 16. Febr...
Daß ihm das gröste Theil des Hertzens sey gerühret
Daß dieser Fall mein Freund biß an die Seele geht
Darff keiner Wunderung. Wo Liebe wird gespüret
Da wird zu gleich das Leid so bald was köm̃t erhöht.
Die Augen so zuvor den Weg zur Huld gezeiget
In denen Lieb und Gunst als wie zusammen lieff
Sind weiter nur ein Quell auß dem die Thräne steiget
Und sagt auf welcher Fluth schwebt der Gedancken Schiff.
Ein eintzig Jahr gewehrt ihm Lust vermengt mit Leiden
Die Rosen-Liebe so zu erst die Eh fing an;
Muß sich jetzt mit Napell mit Bux und Rauten kleiden
Wer dencket was alsdenn nicht so ein Wechsel kan?
Hier ist kein Eigenthum es wird nur dargeliehen
Wie Kleider zu dem Spiel. Nach dem das Ende schleust
Muß der vor König war den Purpur-Rock ausziehen
Und jeder lernt daß man in frembden Kleidern gleist.
Das Leben selbsten ist leibeigen nicht gegeben
Der Brauch der Jahre hat schon sein gesetztes Ziel.
Dem eintzig-weisen
Der muß gezwungen fort der nicht gutwillig will.
Zwar diß verwerff’ ich nicht die Todten zu beweinen
Wir aber sind vielmehr denn jene Thränen werth
Der Himmel kan uns nicht stets hell und gölden scheinen
Wer wol gestorben ist der wird nicht mehr beschwert.
Es sey daß ihm mein Freund die Liebste früh verblichen
Man glaub’ts der Eltern Angst vergrössert seinen Schmertz.
Daß sie bey strenger Noth von dieser Welt gewichen
Zugleich ein Pfand verläst drumb blutet jetzt das Hertz.
Je dennoch wenn er will des Höchsten Schluß erwegen
Und wie die Liebst’ ihn treu biß in den Tod geliebt
So wird der wache Schmertz sich endlich schlaffen iegen
Weil auch der Seel’gen Ruhm dazu viel Artzney gibt.
Ob Agathocles lobt sein’ eintzige Texene
Ob schon die Porcia ein Spiegel aller Welt
Die Arria bekand wie auch ihr Klag-Gethöne
Als sie mit ihrem Mann dem Thrasea verfällt;
Der Reigersbergin Ruhm biß an die Sterne steiget
Durch welche Grotius der Phönix unsrer Zeit
Mit neu-erdachter List die scharffe Wacht beschweiget
Läst sie zur Geissel da und macht sich anderweit.
Nichts minder war die Treu in Demant eingepräget
So ihm sein Schatz erwieß. Die hulde Freundligkeit
Hat offt der Sorgen Last vernünfftig weggeleget
Mit angenehmer Lust versüßt die schwere Zeit.
Ich solt’ ein ewig Lied ihr zum Gedächtnüß schreiben
Die Freundschafft reitzet mich so uns im Pleiß-Athen
Verknüpfft. Doch wider Wunsch und Willen muß es bleiben
Die Reime wollen nicht auf guten Füssen gehn.
Der stete Leichen-Dienst verwandelt mich in Leichen
Ich werde lebendig was ich einst werden muß
Und weil die Gratien aus den Gedichten weichen
So sag’ ich gute Nacht der Hippocrene Fluß.
Ich überlasse was den künfftigen Poeten
Und reiffer Vorbedacht verändert meinen Sinn
Apollo nimm von mir die anvertrauten Flöthen
Nun Reim’ auch eitel sind so geht ihr Reime hin.