Trost-Worte An Hn. T. G. J. U. C. bey Beerdigung seiner Eheliebsten den 16. Febr...

By Heinrich Mühlpfort

Daß ihm das gröste Theil des Hertzens sey gerühret

Daß dieser Fall mein Freund biß an die Seele geht

Darff keiner Wunderung. Wo Liebe wird gespüret

Da wird zu gleich das Leid so bald was köm̃t erhöht.

Die Augen so zuvor den Weg zur Huld gezeiget

In denen Lieb und Gunst als wie zusammen lieff

Sind weiter nur ein Quell auß dem die Thräne steiget

Und sagt auf welcher Fluth schwebt der Gedancken Schiff.

Ein eintzig Jahr gewehrt ihm Lust vermengt mit Leiden

Die Rosen-Liebe so zu erst die Eh fing an;

Muß sich jetzt mit Napell mit Bux und Rauten kleiden

Wer dencket was alsdenn nicht so ein Wechsel kan?

Hier ist kein Eigenthum es wird nur dargeliehen

Wie Kleider zu dem Spiel. Nach dem das Ende schleust

Muß der vor König war den Purpur-Rock ausziehen

Und jeder lernt daß man in frembden Kleidern gleist.

Das Leben selbsten ist leibeigen nicht gegeben

Der Brauch der Jahre hat schon sein gesetztes Ziel.

Dem eintzig-weisen

Der muß gezwungen fort der nicht gutwillig will.

Zwar diß verwerff’ ich nicht die Todten zu beweinen

Wir aber sind vielmehr denn jene Thränen werth

Der Himmel kan uns nicht stets hell und gölden scheinen

Wer wol gestorben ist der wird nicht mehr beschwert.

Es sey daß ihm mein Freund die Liebste früh verblichen

Man glaub’ts der Eltern Angst vergrössert seinen Schmertz.

Daß sie bey strenger Noth von dieser Welt gewichen

Zugleich ein Pfand verläst drumb blutet jetzt das Hertz.

Je dennoch wenn er will des Höchsten Schluß erwegen

Und wie die Liebst’ ihn treu biß in den Tod geliebt

So wird der wache Schmertz sich endlich schlaffen iegen

Weil auch der Seel’gen Ruhm dazu viel Artzney gibt.

Ob Agathocles lobt sein’ eintzige Texene

Ob schon die Porcia ein Spiegel aller Welt

Die Arria bekand wie auch ihr Klag-Gethöne

Als sie mit ihrem Mann dem Thrasea verfällt;

Der Reigersbergin Ruhm biß an die Sterne steiget

Durch welche Grotius der Phönix unsrer Zeit

Mit neu-erdachter List die scharffe Wacht beschweiget

Läst sie zur Geissel da und macht sich anderweit.

Nichts minder war die Treu in Demant eingepräget

So ihm sein Schatz erwieß. Die hulde Freundligkeit

Hat offt der Sorgen Last vernünfftig weggeleget

Mit angenehmer Lust versüßt die schwere Zeit.

Ich solt’ ein ewig Lied ihr zum Gedächtnüß schreiben

Die Freundschafft reitzet mich so uns im Pleiß-Athen

Verknüpfft. Doch wider Wunsch und Willen muß es bleiben

Die Reime wollen nicht auf guten Füssen gehn.

Der stete Leichen-Dienst verwandelt mich in Leichen

Ich werde lebendig was ich einst werden muß

Und weil die Gratien aus den Gedichten weichen

So sag’ ich gute Nacht der Hippocrene Fluß.

Ich überlasse was den künfftigen Poeten

Und reiffer Vorbedacht verändert meinen Sinn

Apollo nimm von mir die anvertrauten Flöthen

Nun Reim’ auch eitel sind so geht ihr Reime hin.