Trost-Zeilen Bey Beerdigung Fr. A. v. F. g. K. den 25. Aug. 1678.
Wen red' ich erstlich an? die Mutter schwim̃t in Thränen
Und klagt wie Hecuba der liebsten Tochter Tod:
Du aber werther Freund stöst’ Seufftzer aus und
Und gleiches Seelen-Weh’macht dir die Augen roth.
Hier theilt das Trauren sich in unterschiedne Flutten
Weib Tochter Schwester Muhm und Mutter wird ver-
Ach Fall! der vieler Hertz auff einmal heisset bluten
(mißt.
Leid! dessen Bitterkeit nicht leicht ein Trost versüßt.
Diß ist der letzte Stoß
Der Hintrit rafft zugleich die Lebens-Geister hin
Diß ist der Kern der Noth der Auszug von den Schmertzen
Der biß ins schwartze Grab beugt den gekränckten Sinn.
Bey ihres Alters Schnee bey den verlebten Tagen
War ja die
Bey steter Einsamkeit bey vieler Kranctheit Plagen
Hat ihre Pfleg und Treu sie viemals auffgericht.
Jhr Alles das hieß sie ihr dencken und ihr hoffen
War bloß der Töchter Glück und Wolfarth anzuschaun:
Der treue Hertzens-Wunsch hat auch den Zweck getroffen
Wenn sie den Bienen gleich sie sah die Nahrung baun.
Zerschmoltze nicht ihr Hertz in unermeßnen Freuden.
Als sie zum ersten mal ein Enckelein erblickt
Und konte sie wol satt ihr Aug’ und Seele weiden
Als GOttes Seegen mehr der Enckel hat geschickt.
Sie sah’ nun ihr Geschlecht in Leibes-Erben leben
Und wie der Tochter Haus ein fruchtbar Weinstock war
Sie sahe Glück und Heil ob ihren Kindern schweben
Und baute Gottes Güt’ ein Lob und Danck-Altar.
Denckt sie an jene Lust wenn gleich des Oelbaums Zweigen
Die Blumen aus der Eh’ so Bett als Tisch bekrönt
Und konten hocherfreut die grosse Mutter zeigen
Wenn ihr noch lallend Mund diß süsse Wort erthönt.
Wer hat sie werthste Frau gesegnet nicht gepriesen?
Schien nit des Himmels-Gunst verschwendrisch ihr geneigt?
Der Tochter Ehstand war gleich einer vollen Wiesen
Wo Florens milde Hand die schönsten Blumen zeigt.
Ja diß war auch ihr Wunsch wenn sie nun satt am Leben
Nach Gottes hohen Rath verliesse dieses Rund
Die liebste Tochter solt ihr das Geleite geben
Und mit getreuer Hand zudrücken Aug und Mund.
Wie strauchelt doch der Mensch mit Sinnen und Gedencken?
Des Höchsten Finger streicht bald unsern Vorsatz weg.
Sie muß itzt wieder Wunsch ins Grab die Tochter sencken
Und ein unendlich Leid ist ihrer Hoffnung Zweck.
Wie rufft sie wolte GOtt ich könte vor dich sterben
Weil mich deß Alters Last auch Krafft und lebloß macht!
Ach daß dir sol der Tod der Jugend Blüthe färben
Und mich stat deiner nicht bedeckt mit seiner Nacht!
Dein Sterbe-Kittel wird mein letztes Kleid auch heissen
Man scharrt mit deinem Leib zugleich mein Hertz mit ein.
Ach daß mein Lebens-Garn und Faden nicht will reissen
Auf daß ich möchte bald bey meiner Tochter seyn!
So seufftzt sie werthste Frau: doch wo sie noch zurucke
Aus tieffer Traurigkeit auf ihren Eydam sieht
So findet sie alldar die grösten Jammer-Blicke
Und wie in heisser Angst itzt seine Seele glüht.
Sie klagt der Tochter Leich er aber klagt sein Hertze
Das itzt der Todes-Pfeil gleich in zwey Stucke bricht.
Sein gantz verlaßnes Haus beraubt der Sonnen Kertze
Sitzt itzt in Finsternüß ohn allen Schein und Licht.
Wo soll er erstlich hin die nassen Augen wenden?
Wohin er sich nur kehrt stehn Zeugen seiner Noth:
Es klingt der Trauer-Schall an allen Ort und Enden
Mein Eh-Schatz ist dahin und unser Mutter Tod.
Und solte nicht sein Leid biß aufs Gebeine fressen
Wenn er reif überlegt was er verlohren hat?
Solt’ er der Wunder-Lieb und seltnen Treu vergessen
Der Tugend Treffligkeit den Witz den klugen Rath?
Es konte ja sein Hertz sich gantz auf sie verlassen
Von allen
Er konte bey ihr Trost Freud und Vergnügung fassen
Und ihre Freundligkeit erquickt ihm Geist und Muth.
Daß seiner Handlung Lauff im besten Flor geblühet
Daß Wohlfarth Glück und Heil bey ihm ist eingekehrt
Hat als Gehülffin sie sich Tag und Nacht bemühet
Frisch wachsam weiß und klug zur Arbeit unbeschwert.
Und war ihr Ehstand nicht ein Garten voller Früchte?
Hat sie nicht das Geschlecht mit Erben auffgebaut?
Und kehrt er auf die Schaar der Waisen sein Gesichte
Versichert daß er da der Mutter Bildnüß schaut.
Und ihre Fröm̃igkeit leucht als der Töchter Minen
Und ihrer Tugend Art scheint auch in sie geprägt:
Die Sorge vor das Haus die Embsigkeit der Bienen
Ist von der Mutter Blut auch ihnen eingelegt.
Diß sol
Bey eurem grimmen Leid ein heilsam Pflaster seyn:
Daß ob die
Euch zur Verwahrung legt dergleichen Pfänder ein.
Und denn so ist ihr Tod ein Hingang bloß zu nennen
Auß diesem Hecken-Land in jenes Rosen-Reich.
Uns werden noch auhier stets Dorn und Disteln brennen
Da sie in Wonne lebt von keiner Qual mehr bleich.
Medea mag im Krieg als eine Heldin sterben
Eh’ als sie der Geburt Weh’ Angst und Schmertzen trägt:
Der seelige Beruss der heist den Himmel erben
Und Weibern auch darzu die Stuffen hat gelegt
Hieß unsre Seelige in keiner Angst verschmachten
Ob schon der sieche Leid von Kranckheit angefüllt
Und Schmertzen ohne Zahl ihr diese Posten brachten
Sie würde zeitlich sein ins Leichtuch eingehüllt.
Gleich wie ein Pelican gibts Leben für die Jungen
So ließ sie auch den Geist vor ihren lieben Sohn
Ist nun durch alle Noth großmüthig durchgedrungen
Und trägt als Siegerin die schönste Lorber-Kron.
Betrübtste Frau und Freund in Witber-Stand versetzet
Ach denckt in eurem Sinn dem edlen Wechsel nach!
Gott holt sie darumb heim weil er sie wehrt geschätzet:
Diß mindre Leid und Schmertz und eure Thränen-Bach!