Trost-Zeilen Bey Beerdigung Fr. A. v. F. g. K. den 25. Aug. 1678.

By Heinrich Mühlpfort

Wen red' ich erstlich an? die Mutter schwim̃t in Thränen

Und klagt wie Hecuba der liebsten Tochter Tod:

Du aber werther Freund stöst’ Seufftzer aus und

Und gleiches Seelen-Weh’macht dir die Augen roth.

Hier theilt das Trauren sich in unterschiedne Flutten

Weib Tochter Schwester Muhm und Mutter wird ver-

Ach Fall! der vieler Hertz auff einmal heisset bluten

(mißt.

Leid! dessen Bitterkeit nicht leicht ein Trost versüßt.

Diß ist der letzte Stoß

Der Hintrit rafft zugleich die Lebens-Geister hin

Diß ist der Kern der Noth der Auszug von den Schmertzen

Der biß ins schwartze Grab beugt den gekränckten Sinn.

Bey ihres Alters Schnee bey den verlebten Tagen

War ja die

Bey steter Einsamkeit bey vieler Kranctheit Plagen

Hat ihre Pfleg und Treu sie viemals auffgericht.

Jhr Alles das hieß sie ihr dencken und ihr hoffen

War bloß der Töchter Glück und Wolfarth anzuschaun:

Der treue Hertzens-Wunsch hat auch den Zweck getroffen

Wenn sie den Bienen gleich sie sah die Nahrung baun.

Zerschmoltze nicht ihr Hertz in unermeßnen Freuden.

Als sie zum ersten mal ein Enckelein erblickt

Und konte sie wol satt ihr Aug’ und Seele weiden

Als GOttes Seegen mehr der Enckel hat geschickt.

Sie sah’ nun ihr Geschlecht in Leibes-Erben leben

Und wie der Tochter Haus ein fruchtbar Weinstock war

Sie sahe Glück und Heil ob ihren Kindern schweben

Und baute Gottes Güt’ ein Lob und Danck-Altar.

Denckt sie an jene Lust wenn gleich des Oelbaums Zweigen

Die Blumen aus der Eh’ so Bett als Tisch bekrönt

Und konten hocherfreut die grosse Mutter zeigen

Wenn ihr noch lallend Mund diß süsse Wort erthönt.

Wer hat sie werthste Frau gesegnet nicht gepriesen?

Schien nit des Himmels-Gunst verschwendrisch ihr geneigt?

Der Tochter Ehstand war gleich einer vollen Wiesen

Wo Florens milde Hand die schönsten Blumen zeigt.

Ja diß war auch ihr Wunsch wenn sie nun satt am Leben

Nach Gottes hohen Rath verliesse dieses Rund

Die liebste Tochter solt ihr das Geleite geben

Und mit getreuer Hand zudrücken Aug und Mund.

Wie strauchelt doch der Mensch mit Sinnen und Gedencken?

Des Höchsten Finger streicht bald unsern Vorsatz weg.

Sie muß itzt wieder Wunsch ins Grab die Tochter sencken

Und ein unendlich Leid ist ihrer Hoffnung Zweck.

Wie rufft sie wolte GOtt ich könte vor dich sterben

Weil mich deß Alters Last auch Krafft und lebloß macht!

Ach daß dir sol der Tod der Jugend Blüthe färben

Und mich stat deiner nicht bedeckt mit seiner Nacht!

Dein Sterbe-Kittel wird mein letztes Kleid auch heissen

Man scharrt mit deinem Leib zugleich mein Hertz mit ein.

Ach daß mein Lebens-Garn und Faden nicht will reissen

Auf daß ich möchte bald bey meiner Tochter seyn!

So seufftzt sie werthste Frau: doch wo sie noch zurucke

Aus tieffer Traurigkeit auf ihren Eydam sieht

So findet sie alldar die grösten Jammer-Blicke

Und wie in heisser Angst itzt seine Seele glüht.

Sie klagt der Tochter Leich er aber klagt sein Hertze

Das itzt der Todes-Pfeil gleich in zwey Stucke bricht.

Sein gantz verlaßnes Haus beraubt der Sonnen Kertze

Sitzt itzt in Finsternüß ohn allen Schein und Licht.

Wo soll er erstlich hin die nassen Augen wenden?

Wohin er sich nur kehrt stehn Zeugen seiner Noth:

Es klingt der Trauer-Schall an allen Ort und Enden

Mein Eh-Schatz ist dahin und unser Mutter Tod.

Und solte nicht sein Leid biß aufs Gebeine fressen

Wenn er reif überlegt was er verlohren hat?

Solt’ er der Wunder-Lieb und seltnen Treu vergessen

Der Tugend Treffligkeit den Witz den klugen Rath?

Es konte ja sein Hertz sich gantz auf sie verlassen

Von allen

Er konte bey ihr Trost Freud und Vergnügung fassen

Und ihre Freundligkeit erquickt ihm Geist und Muth.

Daß seiner Handlung Lauff im besten Flor geblühet

Daß Wohlfarth Glück und Heil bey ihm ist eingekehrt

Hat als Gehülffin sie sich Tag und Nacht bemühet

Frisch wachsam weiß und klug zur Arbeit unbeschwert.

Und war ihr Ehstand nicht ein Garten voller Früchte?

Hat sie nicht das Geschlecht mit Erben auffgebaut?

Und kehrt er auf die Schaar der Waisen sein Gesichte

Versichert daß er da der Mutter Bildnüß schaut.

Und ihre Fröm̃igkeit leucht als der Töchter Minen

Und ihrer Tugend Art scheint auch in sie geprägt:

Die Sorge vor das Haus die Embsigkeit der Bienen

Ist von der Mutter Blut auch ihnen eingelegt.

Diß sol

Bey eurem grimmen Leid ein heilsam Pflaster seyn:

Daß ob die

Euch zur Verwahrung legt dergleichen Pfänder ein.

Und denn so ist ihr Tod ein Hingang bloß zu nennen

Auß diesem Hecken-Land in jenes Rosen-Reich.

Uns werden noch auhier stets Dorn und Disteln brennen

Da sie in Wonne lebt von keiner Qual mehr bleich.

Medea mag im Krieg als eine Heldin sterben

Eh’ als sie der Geburt Weh’ Angst und Schmertzen trägt:

Der seelige Beruss der heist den Himmel erben

Und Weibern auch darzu die Stuffen hat gelegt

Hieß unsre Seelige in keiner Angst verschmachten

Ob schon der sieche Leid von Kranckheit angefüllt

Und Schmertzen ohne Zahl ihr diese Posten brachten

Sie würde zeitlich sein ins Leichtuch eingehüllt.

Gleich wie ein Pelican gibts Leben für die Jungen

So ließ sie auch den Geist vor ihren lieben Sohn

Ist nun durch alle Noth großmüthig durchgedrungen

Und trägt als Siegerin die schönste Lorber-Kron.

Betrübtste Frau und Freund in Witber-Stand versetzet

Ach denckt in eurem Sinn dem edlen Wechsel nach!

Gott holt sie darumb heim weil er sie wehrt geschätzet:

Diß mindre Leid und Schmertz und eure Thränen-Bach!