Trost-Zeilen Bey Beerdigung Hn. G. A. den 7. Sept. 1678.
Beh alter Vater zu der Ruh
Und schleuß die müden Augen zu
Der Menschen letzte Pflicht heist sterben;
Wol dem der so von hinnen zeucht!
Du hast den sichern Port erreicht
Und kanst getrost den Himmel erben.
Es konte dir das Rund der Welt
So nichts als Jammer in sich hält
Nur Eckel und Verdruß mehr geben.
Dir war ja satt und wol bekand
Daß bey dergleichen Jahre Stand
Sey lange Qual ein langes Leben.
Drumb wünscht die Seele frey zu seyn
Legt ab die Adern und Gebein’
Als Kleider seiner irrd’schen Hütten.
Was Staub ist und verwesen kan
Das wird ins schwartze Grab gethan
Da mag es Fäul und Wurm zerrütten.
Allein dein guter Leumund nicht
Der brennt in seinem Ehren-Licht
Und stralet wie bey Nacht die Sternen.
Es sieht wie in dem Spiegel klar
Der hinterlaßnen Enckel Schaar
Was sie von dir noch hat zu lernen.
Dein feurig Geist dein hurtig Muth
Der dir das Zunder-reiche Blut
Von Jugend auff hat angefeuret
Daß du den Ehren nachgestrebt
Und wie ein Biedermann gelebt
Der seine Zeit der Tugend steuret.
Die Reisen in so manches Land
Die Sprachen so dir wol bekand
Die Künste so bey Krieg und Frieden
Gemeinem Wesen nöthig seyn
Die scharrt man wie den Leib nicht ein
Sie seyn von uns unabgeschieden.
Der Weißheit Marck und Sitz Athen
War mühsam diese zu erhöhn
So sich umbs Vaterland verdienet.
Es stund der beste Redner auff
Die gantze Stadt die lieff zu Hauff
Und hörte wie sein Ruhm gegrünet.
Gewiß o Seel’ ger das nicht schweigt
Die Mutter so dich hat gezeugt
Budorgis sie wird frey bekennen:
Daß du als ein gehorsam Sohn
Pflagst nach der Bürger Ehren Kron
Als wie ein muthig Pferd zu rennen.
Man darff die alten Römer nicht
Und was sonst melden die Geschicht
Als Wunder der Exempel preisen.
Die unverrückte Pflicht und Treu
Legt dir dergleichen Zeugnüß bey
Das du trotz jenen auff kanst weisen.
Mit Ruhm ein treuer Bürger seyn
Das ist ein Lob so nicht gemein
Und hoch erhaben von den Alten:
Sie schätzten es so groß und werth
Als wenn man sonst durch Spieß und Schwerdt
Von Feinden einen Sieg erhalten.
Nun dieser unverfälschte Ruhm
Wird auch dein wahres Eigenthum
O Seeliger im Tode bleiben:
Der Bürgerliche Sieges-Krantz
Umbgiebt dein Grab mit neuem Glantz
Und wird den Cedern gleich bekleiben.
Was meld ich von der Redligkeit?
Dem seltnen Wildpret dieser Zeit
Die dir in Stirn und Hertz geschrieben.
Mit dem du Freundschafft hast gepflegt
Der ward Krafft derer angeregt
Daß er dich immer muste lieben.
Man höre nur zum Zeugen an
Wie jetzt dein untergebnes Fahn
Dich Eltsten Capitain beklaget
Und was mit gutem Fug und Grund
Der Bürger allgemeiner Mund
Von deiner Treu und Tugend saget.
Glückselig wer diß Lob erwirbt
Der ist versichert wenn er stirbt
Daß noch sein Angedencken blühet.
Noch Stahl noch Ertz noch Marmelstein
Kan so ein schönes Denckmahl seyn
Wie herrlich es von aussen siehet.
Und heist es auch ein Freuden-Blick
Wenn man erlebt der Kinder Glück
Und kan ihr Wolergehen schanen.
So hat des Höchsten Seegen-Hand
Dir Seeliger viel zugewand
Und dich durch sie mehr wollen bauen.
Drumb krönet nun auch deine Baar
Der Kinder und der Enckel Schaar
Und ehrt dich noch zuletzt mit Zähren
Sie wünscht daß Cörper und Gebein
In Ruh und Frieden mögenseyn
Biß es der Höchste wird verklären.
Betrübteste wer wil das Leid
So lang es nur Bescheidenheit
Und die Gedult behält in Schrancken
Verwerffen? weil wol nimmer nicht
Ein Kind erfüllen wird die Pflicht
Womit es sol dem Vater dancken.
Wer kan in solchem Ehren-Schnee
Diß Kummer-Thal die Thränen-See
Auswechseln mit den Friedens-Häusern
Der darff sich ja der schwartzen Grufft
Wenn sie ihn auszuschlaffen rufft
Und der Verwesung nicht entäusern.