Trost-Zeilen Bey Beerdigung Hn. G. A. den 7. Sept. 1678.

By Heinrich Mühlpfort

Beh alter Vater zu der Ruh

Und schleuß die müden Augen zu

Der Menschen letzte Pflicht heist sterben;

Wol dem der so von hinnen zeucht!

Du hast den sichern Port erreicht

Und kanst getrost den Himmel erben.

Es konte dir das Rund der Welt

So nichts als Jammer in sich hält

Nur Eckel und Verdruß mehr geben.

Dir war ja satt und wol bekand

Daß bey dergleichen Jahre Stand

Sey lange Qual ein langes Leben.

Drumb wünscht die Seele frey zu seyn

Legt ab die Adern und Gebein’

Als Kleider seiner irrd’schen Hütten.

Was Staub ist und verwesen kan

Das wird ins schwartze Grab gethan

Da mag es Fäul und Wurm zerrütten.

Allein dein guter Leumund nicht

Der brennt in seinem Ehren-Licht

Und stralet wie bey Nacht die Sternen.

Es sieht wie in dem Spiegel klar

Der hinterlaßnen Enckel Schaar

Was sie von dir noch hat zu lernen.

Dein feurig Geist dein hurtig Muth

Der dir das Zunder-reiche Blut

Von Jugend auff hat angefeuret

Daß du den Ehren nachgestrebt

Und wie ein Biedermann gelebt

Der seine Zeit der Tugend steuret.

Die Reisen in so manches Land

Die Sprachen so dir wol bekand

Die Künste so bey Krieg und Frieden

Gemeinem Wesen nöthig seyn

Die scharrt man wie den Leib nicht ein

Sie seyn von uns unabgeschieden.

Der Weißheit Marck und Sitz Athen

War mühsam diese zu erhöhn

So sich umbs Vaterland verdienet.

Es stund der beste Redner auff

Die gantze Stadt die lieff zu Hauff

Und hörte wie sein Ruhm gegrünet.

Gewiß o Seel’ ger das nicht schweigt

Die Mutter so dich hat gezeugt

Budorgis sie wird frey bekennen:

Daß du als ein gehorsam Sohn

Pflagst nach der Bürger Ehren Kron

Als wie ein muthig Pferd zu rennen.

Man darff die alten Römer nicht

Und was sonst melden die Geschicht

Als Wunder der Exempel preisen.

Die unverrückte Pflicht und Treu

Legt dir dergleichen Zeugnüß bey

Das du trotz jenen auff kanst weisen.

Mit Ruhm ein treuer Bürger seyn

Das ist ein Lob so nicht gemein

Und hoch erhaben von den Alten:

Sie schätzten es so groß und werth

Als wenn man sonst durch Spieß und Schwerdt

Von Feinden einen Sieg erhalten.

Nun dieser unverfälschte Ruhm

Wird auch dein wahres Eigenthum

O Seeliger im Tode bleiben:

Der Bürgerliche Sieges-Krantz

Umbgiebt dein Grab mit neuem Glantz

Und wird den Cedern gleich bekleiben.

Was meld ich von der Redligkeit?

Dem seltnen Wildpret dieser Zeit

Die dir in Stirn und Hertz geschrieben.

Mit dem du Freundschafft hast gepflegt

Der ward Krafft derer angeregt

Daß er dich immer muste lieben.

Man höre nur zum Zeugen an

Wie jetzt dein untergebnes Fahn

Dich Eltsten Capitain beklaget

Und was mit gutem Fug und Grund

Der Bürger allgemeiner Mund

Von deiner Treu und Tugend saget.

Glückselig wer diß Lob erwirbt

Der ist versichert wenn er stirbt

Daß noch sein Angedencken blühet.

Noch Stahl noch Ertz noch Marmelstein

Kan so ein schönes Denckmahl seyn

Wie herrlich es von aussen siehet.

Und heist es auch ein Freuden-Blick

Wenn man erlebt der Kinder Glück

Und kan ihr Wolergehen schanen.

So hat des Höchsten Seegen-Hand

Dir Seeliger viel zugewand

Und dich durch sie mehr wollen bauen.

Drumb krönet nun auch deine Baar

Der Kinder und der Enckel Schaar

Und ehrt dich noch zuletzt mit Zähren

Sie wünscht daß Cörper und Gebein

In Ruh und Frieden mögenseyn

Biß es der Höchste wird verklären.

Betrübteste wer wil das Leid

So lang es nur Bescheidenheit

Und die Gedult behält in Schrancken

Verwerffen? weil wol nimmer nicht

Ein Kind erfüllen wird die Pflicht

Womit es sol dem Vater dancken.

Wer kan in solchem Ehren-Schnee

Diß Kummer-Thal die Thränen-See

Auswechseln mit den Friedens-Häusern

Der darff sich ja der schwartzen Grufft

Wenn sie ihn auszuschlaffen rufft

Und der Verwesung nicht entäusern.