Trübe Luft im Frühling.

By Barthold Heinrich Brockes

Man siehet zwar auch oftermahls im Lentzen,

Daß, in nicht aufgeklärter Luft,

Ein allgemeiner Duft

Des Himmels heitres Blau, der Sonnen Gläntzen

Bedecket und verhüllet

Und unsern gantzen Kreis der Luft erfüllet;

Es färben sich die Wolcken falb’ und grau:

Doch zeigt ein solches Falbes sich

Nicht, wie im Sommer, fürchterlich;

Es mischet sich ein klares Blau

In diese Dunckelheit,

Dadurch vergnügt so dann ein dämmricht Licht

Und trübe Klarheit das Gesicht,

Indem die fette Fruchtbarkeit

In diesem zarten Duft fast sichtbarlich zu sehn;

Und, weil zugleich die still und glatte Flut,

Die bey der stillen Luft, glatt, wie ein Spiegel, ruht,

Die sanfte Dämmerung am Himmel, gleichfals schön,

In einem klaren Wiederschein,

Uns deutlich zeigt; so ist ein stilles duftigs Wesen

So dann fast allgemein,

Und thut den Augen wol,

Ja macht zugleich mit einer sanften Lust

Blut, Hertz und Brust

Von einer süssen Anmuth voll.